Immer auf Sendung: So wirst du zum Podcast-Macher

Die drei Fragezeichen? Schnee von gestern. Podcast heißt die Alternative zum guten alten Hörspiel. Seit mehr als zehn Jahren gibt es diese online abrufbaren Audio- und Video-Formate bereits. Nach einem kurzen Hype dümpelten sie lange Zeit wenig beachtet vor sich hin und sind jetzt plötzlich das ganz große Ding – das Podcast-Publikum wächst von Woche zu Woche, ebenso die Zahl der Angebote. Und natürlich gibt es auch schon Versuche, Podcasts marketingtechnisch zu nutzen. Höchste Zeit für uns, mal die grundlegenden Fragen zum Thema Podcast zu beantworten und natürlich auch zu zeigen, wie Du Podcasts selber erfolgreich erstellst.

Podcast – was ist das eigentlich genau?

Es gibt zahlreiche Radio- und Fernsehsendungen, die im Netz als Podcast abgerufen werden können. Plus noch viele, viele weitere Varianten, von Reportagemagazinen wie „This American Life“ über Interview-Reihen bis hin zu Stammtischgesprächen. Podcasts können von jedem Gerät aus – Smartphone, Tablet, PC – und zu jeder Zeit abgerufen werden. Du bist damit also völlig unabhängig von Sendezeiten.

Ein echter Podcast ist immer eine ganze Serie von Audio- oder (seltener) Video-Episoden (beispielsweise der Podcast unser Kanzlerin)- man könnte also auch von Audio- beziehungsweise Videoblogs sprechen. Und genau wie einen Blog kannst Du auch einen Podcast abonnieren. Sowohl das Abonnement wie auch das Herunterladen einzelner Episoden sind bei diesem Format prinzipiell kostenlos. Finanziert werden Podcasts vom Enthusiasmus ihrer Produzenten, von den Rundfunk- und Fernsehgebühren und immer häufiger auch durch Werbung – dazu später mehr.

Wo kommt der Podcast-Boom plötzlich her?

Löste eine große Podcast-Welle aus: Mit "Serial" begaben sich schon Millionen von Menschen weltweit auf Verbrechersuche. Screenshot: Serial
Löste eine große Podcast-Welle aus: Mit „Serial“ begaben sich schon Millionen von Menschen weltweit auf Verbrechersuche. Screenshot: Serial

Wie so oft im digitalen Bereich: aus den USA. Dort sind Podcasts schon seit einigen Jahren fest in der Medienlandschaft etabliert. Die bekanntesten Formate wie „Serial“ , „This American Life“ oder „Startup“ haben dort mehrere Millionen Hörer. Podcast-Apps, Streaming-Dienste, die veränderten Medien-Nutzungsgewohnheiten sowie spannende, neue Angebote sorgen mittlerweile auch hierzulande dafür, dass sich immer mehr Menschen Ihren Lieblings-Podcast beim Auto oder Rad fahren oder beim abendlichen couchen auf die Ohren holen.

Podcasts abonnieren – was muss ich beachten?

Keine neue Episode mehr verpassen und die Lieblings-Podcasts immer abrufbereit dabei haben: das funktioniert auf dem Smartphone oder Tablet am einfachsten und komfortabelsten mit einer Podcast-App. Sogenannte Podcatcher überprüfen für Dich, ob neue Folgen der abonnierten Podcasts vorhanden sind. Je nach individueller Einstellung werden diese dann manuell oder automatisch heruntergeladen beziehungsweise gestreamt. Die Seite des jeweiligen Anbieters musst Du dann gar nicht mehr besuchen.

Welche App die passende für Dich ist, hängt von Deinen eigenen Vorlieben ab. Für Apple-Nutzer kostenlos erhältlich ist zum Beispiel „Podcasts“ – einfach zu bedienen und selbsterklärend. Für Android gibt es unter anderem „Podcast & Radio Addict“ – ebenfalls kostenlos. Darüberhinaus kannst du noch viele weitere Apps für beide Betriebssysteme installieren, teils umsonst, teils kostenpflichtig. Eine kleine Sammlung empfehlenswerter Programme findest Du beispielsweise hier.

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Screenshot: spotify.com

Möchtest Du Podcasts auf dem Rechner nutzen, funktioniert das zum Beispiel über iTunes, das über ein Podcast-Verzeichnis mit Rubriken verfügt. Eine weitere Variante sind spezielle Podcast-Portale. Und dann gibt es natürlich noch die Streaming-Dienste, über die ebenfalls mehr und mehr Podcasts abrufbar sind – einige davon sogar exklusiv, wie zum Beispiel „Fest&Flauschig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schulz via Spotify.

Einen eigenen Podcast erstellen

Du möchtest nicht nur Podcasts hören, sondern eigene Sendungen erstellen? Kein Problem. Auch ohne großen technischen Aufwand und mit einem kleinen Budget lassen sich attraktive Podcasts produzieren. Beim Content sind kaum Grenzen gesetzt – hier sind die eigenen Interessen ausschlaggebend. Ob Talkshow, Erzählung oder Lebenshilfe-Tipps: Alles ist möglich.

Interessant sind Podcasts daher nicht nur für alle, die schon immer mal aus Spaß selber auf Sendung gehen wollten, sondern auch für Selbstständige, Experten, kleine Unternehmen oder Startups, die sich über dieses Format einen Namen bei ihrer Zielgruppe machen möchten. Podcasts werden damit also zu einem weiteren Baustein im Content-Marketing.

Die technische Grundausstattung für Podcaster

Ganz kurz gesagt benötigst Du drei Dinge: Ein Mikrofon, eine Schnitt-Software und eine Plattform für die Veröffentlichung.

  • Podcast aufnehmen: Am einfachsten ist die Aufnahme über ein Mikrofon, das direkt an den Rechner angeschlossen werden kann (per USB). microphoneDie Auswahl an entsprechenden Modellen ist mittlerweile groß und reicht von sehr günstig bis richtig teuer. Eine erste Orientierung bieten diese Mikro-Empfehlungen der podcasthelden. Wichtig für eine gute Aufnahmequalität ist außerdem, dass Du in einem möglichst ruhigen Raum mit wenig Schall aufnimmst. Je mehr Teppiche, Vorhänge, Möbel, desto besser.
  • Podcast schneiden: Für den zweiten Schritt benötigst Du entsprechende Software. Weit verbreitet sind AUDACITY und Garageband (nur für Mac-Nutzer). Beide Schnittprogramme sind kostenlos und bieten eine Vielzahl an Features wie Filter und Effekte. Auf chip.de findest du ein AUDACITY-Tutorial, das Einsteigern die ersten Schritte erklärt.
  • Podcast veröffentlichen: Nachdem Du Deinen ersten Podcast geschnitten und abgespeichert hast, muss er ins Netz hochgeladen werden. Das kannst Du zum Beispiel über deinen eigenen Blog tun, über einen eigenen YouTube-Kanal oder via Soundcloud – um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Möchtest du Podcasts auf deiner WordPress-Seite einbinden, benötigst du dafür ein Plugin, etwa podlove oder seriously simple podcasting. Empfehlenswert ist es, dass du deine Podcasts als RSS-Feed zur Verfügung stellst. Dafür kannst du beispielsweise das kostenlose Tool Easypodcast nutzen. Der RSS-Feed ist so wichtig, weil er dir helfen kann, ein größeres Publikum zu erreichen – denn nur mit dem Feed werden deine Podcasts auf Plattformen wie iTunes, Stitcher oder podcast.de verzeichnet.

Tipp: Um bei iTunes zu erscheinen, benötigst du ein Cover für Deinen Podcast, ähnlich wie bei einer CD. Die Maßangaben dafür findest Du in den Podcast-FAQs von Apple. In das Cover solltest Du Ideen, Zeit und Geld investieren. Nur professionell anmutende Cover werden bei iTunes in der Kategorie „Neu & beachtenswert“ gelistet. Zudem schrecken schlecht gemachte Cover garantiert potenzielle Abonnenten ab.

Weitere nützliche Tools für Podcaster

Nachdem wir die Basics abgehakt haben, kommen hier noch ein paar Extra-Tools, die Dir das Podcaster-Leben leichter und erfolgreicher machen können.

  • Interviews per Skype aufzeichnen: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du zumindest anfangs weder das Budget noch die Zeit hast, für Interviews quer durchs Land zu reisen. Das geht dem Großteil der Podcaster so. Und deshalb werden Interviews oft per Skype geführt. Für bessere Aufnahmen empfehlen sich hier Tools, mit denen Gespräche auf zwei Spuren aufgenommen werden können. Windows-Nutzer haben dafür zum Beispiel das kostenlose Programm Suptertintin zur Verfügung. Für Mac-User gibt es den Skype Call Recorder for Mac.
  • Skripte vorbereiten: Es gibt erfolgreiche Podcasts, die ohne große Vorbereitung auskommen. Hinter den meisten Shows steckt jedoch eine akribische Planung. Besonders wenn die Sendung von zwei oder mehr Menschen moderiert wird und eventuell noch Gäste dazukommen, geht es nicht ohne Skript. Writer Duet bietet Dir die Möglichkeit, zeitgleich gemeinsam mit anderen am Skript für Deinen nächsten Podcast zu arbeiten und so alle Beteiligten immer auf dem aktuellen Stand zu halten.
  • Statistiken erfassen und auswerten: Wer hört wann Deine Podcasts von welchem Gerät aus? Solche Informationen sind wichtig, um deinen Podcast optimal auf Deine Zielgruppe zuschneiden zu können. Basis-Statistiken bekommst Du zum Beispiel kostenlos via Blubrry.

Was macht einen erfolgreichen Podcast aus?

Gute Technik ist die eine Seite, gute Inhalte die andere. Damit Dein Podcast sein Publikum findet und dieses Dir treu bleibt, solltest Du unter anderem auf diese Punkte achten:

  1. Finde dein Thema: Wenn Du für ein Thema Experte bist, ist das schon eine gute Voraussetzung. Denn dann kannst Du Know-how teilen und wirklichen Mehrwert bieten. Zudem fällt es Dir leichter, authentisch zu sein und klare Positionen zu beziehen. Podcasts müssen nicht immer harmonisch sein – polarisieren gehört zum Geschäft dazu!
  2. Sei unterhaltsam: Langweile Dein Publikum nicht mit alten Inhalten und mauen Stories. An dieser Stelle sind Deine Storytelling-Fähigkeiten gefragt, egal ob es darum geht, eine erfundene Geschichte zu erzählen, eine Reportage klug aufzubauen oder den roten Faden in einem Gespräch nicht zu verlieren.
  3. Mach Dir einen Zeitplan: Die Folgen einer TV-Serie sind zwischen 45 und 60 Minuten lang. Länger sollte auch Dein Podcast nicht dauern, da es sonst das Zeitfenster deines Publikums sprengt.
  4. Hol dir Unterstützung: Einen Podcast auf Dauer allein zu stemmen kann zu einer Last werden. Leichter und interessanter wird es oft, wenn du das Projekt gemeinsam mit anderen betreibst.
  5. Nutze alle Vermarktungsmöglichkeiten: Wird Dein Podcast bei iTunes empfohlen, ist bereits ein wichtiger Schritt in Richtung Erfolg gemacht. Darüber hinaus solltest Du aber auch alle anderen Marketing-Kanäle bespielen – von Podcast-Plattformen bis hin zu Facebook und Twitter.

Werben in Podcasts

Finanziert werden Podcasts vom Enthusiasmus ihrer Produzenten, von den Rundfunk- und Fernsehgebühren und immer häufiger auch durch Werbung – speziell Startups haben Podcasts als ideale Möglichkeit entdeckt, um mit relativ geringen Kosten ganz nah an attraktive Zielgruppen heranzukommen. In den USA investieren Unternehmen in diesem Jahr nach Schätzung von Experten bereits 167 Millionen Dollar, um ihre Botschaften in Podcasts zu platzieren. Dort besuchen fast die Hälfte der Podcast-Hörer im Anschluss die Website des Werbenden.

Der immense Vorteil der Podcast-Werbung ist, dass Sie dem Hörer bzw. dem potenziellen Kunden authentisch und in das Episoden-Skript eingebettet vermittelt wird. Die Werbeform wirkt dadurch unaufdringlich und die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers ist deutlich höher als bei anderen Werbeformaten. Außerdem erreicht man eine sehr spitze Zielgruppe und geht somit großen Streuverlusten aus dem Weg.

Last but not least: die checkdomain Podcast-Favoriten

bildschirmfoto-2016-10-24-um-17-18-15This American Life: Wer es liebt, in den Alltag anderer Leute einzutauchen, ist hier an der richtigen Adresse. In der von Ira Glass moderierten Show dreht sich alles um Reportagen, die ganz normale US-Amerikaner vorstellt – oder solche, die es werden wollen, wie der somalische Flüchtling Abdi, der in der alljährlichen Lotterie eine Green Card gewinnt…

Online Marketing Rockstars: „Der Podcast für Digitales Marketing und was sonst noch so los ist“ – Mit hochkarätigen Gästen aus der Online- & Gründerszene wird jede Woche, mal auf englisch, mal auf deutsch über aktuellen Marketing-Themen fachkundig und trotzdem locker diskutiert.

Freakonomics Radio: „A podcast to explore the hidden side of everything“ – In diesem Podcast dreht sich alles um skurrile Statistiken und überraschende Erkenntnisse über unseren Alltag. Es werden Antworten auf Fragen geliefert wie „Ist die Welt bereit für ein Grundeinkommen?“ oder „Warum gibt es eigentlich noch Bargeld?“.

Jetzt seid Ihr dran – erzählt uns in den Kommentaren von Euren Lieblings-Podcasts oder berichtet von Eurem ganz eigenen Podcast-Projekt.

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