Mach mehr aus Deinen Bildern!

Knapp 2000 Fotos haben sich aktuell auf meinem Smartphone angesammelt. Was alles auf der Festplatte meines Rechners liegt, erzähle ich mal lieber nicht. Ich gehe aber mal davon aus, dass es bei Euch ähnlich aussieht. Fakt ist: Diese Bildersammlung ist viel zu schade, um im Archiv langsam zu verstauben. Unter anderem kann sie zum Beispiel auch als Quelle für Blogbilder genutzt werden. Wir zeigen Euch, wie Ihr mit Hilfe einfacher Tricks und Tipps sowie mit Apps und Bildbearbeitungsprogrammen von Anfang an bessere Bilder macht und im Nachhinein mehr aus Euren Motiven herausholen könnt. Zusätzlich gibt es interessante Links zu Online-Tutorials und empfehlenswerten Kursen.

Besser fotografieren mit dem Smartphone

Ich habe ein große, tolle, teure digitale Spiegelreflexkamera mit jeder Menge Zubehör. Die benutze ich sehr gerne. Allerdings fast nur noch zuhause. Sie ist mir schlicht und einfach zu schwer und zu sperrig, um sie mitsamt jeder Menge anderer Sachen auf Ausflüge oder in den Urlaub mitzunehmen, vom ganz normalen Alltag gar nicht zu reden. Aber zum Glück gibt es ja Smartphones. Klar, deren Fotofunktion ist nicht mit einer richtig guten Kamera zu vergleichen. Aber dafür sind sie klein, leicht, immer dabei. Und es gibt inzwischen zahlreiche Apps, mit denen Smartphones fototechnisch aufrüsten lassen.

Wirklich sehr viele davon sind nützlich oder auch einfach unterhaltsam. Drei davon möchte ich Euch kurz vorstellen.

Als erstes VCSO Cam: Bei dieser App handelt es sich um eine der aktuell beliebtesten Foto-Apps, mit der man fotografieren, Bilder bearbeiten und sie auf diversen Kanälen teilen sowie eigene Journale damit erstellen kann. Herausragendes Feature der App ist, dass sehr feine Nachjustierungen möglich sind, egal ob es um Filter, Kontraste oder Belichtung geht – die Fotos wirken deshalb nie überbearbeitet wie bei manchen anderen Programmen. Außerdem verfügt die App über eine Synchronisierungsfunktion, so dass ausgewählte Bilder auf verschiedenen Geräten bearbeitet werden können. Die App ist für iPhones/iPads sowie für Android erhätlich. Die Basisversion ist kostenlos, Erweiterungen können dazu gekauft werden.

Camera Plus zählt zu den Klassikern unter den Foto-Apps und besticht durch immer wieder neue Features wie die Fernbedienung AirSnap. Foto: Camera Plus
Camera Plus zählt zu den Klassikern unter den Foto-Apps und besticht durch immer wieder neue Features wie die Fernbedienung AirSnap. Foto: Camera Plus

Camera+: Diese App war in der Vor-VSCO ein Favorit vieler Smartphone-Fotografen, es gibt sie schon sehr lange und sie wird immer wieder technisch erweitert. In der aktuellen Version bietet Camera+ unter anderem Funktionen wie die Fernbedienung AirSnap (bei der zwei geräte miteinander gekoppelt werden), eine ausgeklügelte Beleuchtungsmöglichkeit und verschiedene Fokus-Modi. Dazu kommen zahlreiche Features zur Bildbearbeitung. Die nur für iPhones/iPads erhältliche App kostet aktuell 1,99 Euro.

Kaum ein Blog, das noch ohne sie auskommt, aber auch sonst eine schicke Sache sind Foto-Collagen. Machen viel her, aber kaum Arbeit und lassen sich mit entsprechenden Anwendungen ohne größere technische Vorkenntnisse erstellen. Um unterwegs Collagen zusammenzustellen, finde ich diptic optimal. Schlicht, schnell und einfach anzuwenden, dabei aber trotzdem individuell anpassbar. Die Funktionen erschließen sich so gut wie alle komplett intuitiv. Die App kostet aktuell 99 Cent und ist sowohl für das iPhone wie für Android erhältlich.

Bessere Fotos für den Blog: Ein DIY-Fotostudio im Kleinformat

Für die meisten Blogger ist es heute eine Selbstverständlichkeit, ihren Nutzern auch eine ansprechende Optik zu bieten. Ein prägendes Element sind dabei Fotos. Wichtigstes Equipment dafür ist natürlich die Kamera. Darüber hinaus kann Euch eine kleine Zubehör-Grundausrüstung das Fotografieren erheblich leichter machen.

Eine professionelle Foto-Grundausrüstung umfasst unter anderem verschiedene Hintergründe, Blitze und speziell für die Fotografie von Produkten oder kleineren Objekten eine Fotobox. Solche Fotoboxen sind besonders hilfreich, wenn Ihr nicht bei Tageslicht fotografieren könnt oder für Eure Bilder einen einheitlichen Hintergrund mit konstanten, indirekten Lichtverhältnissen möchtet. Fotoboxen gibt es fertig zu kaufen, sie lassen sich mit kleinem Aufwand aber auch selber konstruieren. Und so geht’s:

Alufolie, Spiegel, Klammern: Die Materialien

Die meisten Materialien findet Ihr sehr wahrscheinlich bei Euch Zuhause, ansonsten hilft ein kurzer Trip in den nächsten Baumarkt oder ins Bastelgeschäft:

  • Ein stabiles Stück Karton als Stellwand
  • Ein großer Bogen Fotokarton in Hellgrau oder Weiß
  • Zwei (Klemm-)Lampen
  • Ein großes Stück Alufolie oder einen Kosmetikspiegel
  • Klammern und Klemmen
  • dünne Holzstäbe (zum Beispiel Schaschlik-Spieße)
  • farbige Pappen/Stoff für den Hintergrund
  • einen Cutter, Schere, Kleber, Tesafilm

Schritt 1: Der Unter- und Hintergrund

Für eine DIY-Fotobox brauchst Du nur ein paar Materialien wie Fotokarton, Alufolie und zwei Schreibtischlampen. Fotos: Sandra Cantzler
Für eine DIY-Fotobox brauchst Du nur ein paar Materialien wie Fotokarton, Alufolie und zwei Schreibtischlampen. Fotos: Sandra Cantzler

Als erstes stellt Ihr die Stellpappe auf und klemmt daran den Bogen Fotokarton fest. Er wird so montiert, dass eine sogenannte Hohlkehle entsteht – die helle Fläche ist somit gleichzeitig Hinter- wie Untergrund. Die geschwungene Form sorgt dafür, dass Ihr im Hintergrund Eurer Fotos keine störenden Linien oder Kanten habt.

Schritt 2: Es werde Licht

Links und rechts Eurer Fotokulisse stellt Ihr jetzt zwei Lichtquellen auf – etwa Schreibtischlampen oder Klemmspots (siehe Bild oben rechts). Am besten funktionieren als Lichtquelle ganz normale Energiesparlampen. Halogenleuchten sind dagegen schwierig.

Tipp: Achtet darauf, dass Ihr in allen Leuchten das gleiche Leuchtmittel verwendet. Ansonsten erhaltet Ihr ein sogenanntes Mischlicht, das merhfarbige Schatten werfen kann.

Welche Position für die Lichtquellen optimal ist, müsst Ihr durch etwas Hin- und Herrücken herausfinden. Achtung: Wenn Ihr die Lichtquellen sehr nah an Euer Motiv heranrückt, wird es zwar sehr hell ausgeleuchtet, gleichzeitig wird aber auch der Schatten sehr stark.

Braucht Ihr mehr Helligkeit, hilft Euch ein Handspiegel weiter. Alternativ könnt Ihr auch einfach ein Stück Pappe mit Alufolie beziehen (Bild links unten) und dann in Eurer Fotobox passend positionieren. Für ein optimales Ergebnis sollte die gesamte Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet sein und Euer Fotoobjekt keine harten Schatten mehr werfen.

Schritt 3: Den Hintergrund variieren

Mit einer kleinen, fix gebauten Austauschkulisse könnt Ihr Euren Fotohintergrund ganz einfach variieren. Foto: Sandra Cantzler
Mit einer kleinen, fix gebauten Austauschkulisse könnt Ihr Euren Fotohintergrund ganz einfach variieren. Foto: Sandra Cantzler

Manche Blogger bevorzugen einen einheitlichen Hintergrund für ihre Aufnahmen. Andere bevorzugen etwas Abwechslung. Ist mit dem Minifotostudio ebenfalls kein Problem. Entweder hängt Ihr zum Beispiel ein großes Stück Stoff den Kurven des Fotokartons folgend auf. Oder Ihr baut Euch eine kleine Austauschkulisse.

Dafür benötigt Ihr zwei Schaschlikspieße, einen kleinen Bogen Fotokarton oder festes Tonpapier und etwas Klebeband für mehr Stabilität. Daraus baut Ihr Euch eine kleine Hohlkehle als schnell auswechselbare Fotohintergrund.

Tipp: Einfarbige Hintergründe sind in der Regel besser als buntgemusterte Stoffe oder Pappen. Diese lenken zu sehr vom eigentlichen Motiv ab. Um den Fokus auf Euer Objekt zu lenken, sollte der Hintergrund in einer Kontrastfarbe gehalten sein – weiß oder hellgrau gehen eigentlich immer.

Schritt 4: Mit der Kamera experimentieren

Treffer: Die DIY-Fotobox macht es Euch merklich einfacher, auch sehr kleine Motive ins richtige Licht zu rücken und erspart Euch große Korrekturen mit dem Bildbearbeitungsprogramm. Foto: S. Cantzler
Treffer: Die DIY-Fotobox macht es Euch merklich einfacher, auch sehr kleine Motive ins richtige Licht zu rücken und erspart Euch große Korrekturen mit dem Bildbearbeitungsprogramm. Foto: S. Cantzler

Das Tolle an Digitalkameras: Ihr könnt mit der Kamera und Eurem Fotomotiv so lange herumprobieren, bis Ihr das optimale Ergebnis bekommt (na ja, zumindest solange es sich bei den Fotomotiven nicht um Kinder oder Tiere handelt). Ändert zum Beispiel mal die Einstellung beim Fotografieren – neben der Automatic-Einstellung empfiehlt sich für die Aufnahmen von kleinen Objekten die Macro-Einstellung (zu erkennen am Blumensymbol).

Gruppenbild mit Fundstücken: Zum Thema Ferienbeginn wird der Sonnenhut mit Badesachen und hochgetauchten Meeresschätzen kombiniert. Foto: S. Cantzler
Gruppenbild mit Fundstücken: Zum Thema Ferienbeginn wird der Sonnenhut mit Badesachen und hochgetauchten Meeresschätzen kombiniert. Foto: S. Cantzler

Fällt es Euch schwer, die Kamera länger ruhig in einer Position zu halten, hilft Euch ein Stativ weiter (gibt es ebenfalls in ganz kleinen Varianten). Wechselt außerdem die Perspektive. Wie sieht Euer Motiv von rechts, von links oder von schräg unten fotografiert aus? Verschiedene Perspektiven sorgen für mehr Dynamik. Es muss auch nicht immer eine Komplettaufnahme sein. Oft sind es Detailaufnahmen, die wirklich neugierig machen.

Zwei oder drei Objekte einfach so nebeneinander wirken oft etwas verloren. Entscheidend ist hier eine ansprechende Anordnung. Oder Ihr packt noch ein paar Requisiten aus Eurem Fundus dazu und komponiert ein kleines Stilleben…

Alles im Kasten?

Wenn Ihr mit Euren Aufnahmen fertig seid, hat unsere selbstgebaute Kulisse noch einen großen Vorteil: Ihr könnt sie unkompliziert wieder in Einzelteile zerlegen, so dass sie Euch nicht im Weg herumsteht oder das halbe Regal okkupiert. Solltet Ihr auf der Suche nach einem dauerhaften Modell sein, hilft Euch vielleicht dieses Videotutorial weiter:

Ansonsten gilt: Probieren geht beim Fotografieren definitiv über Studieren. Testet einfach immer weiter und macht Euch unbedingt Notizen, was gut funktioniert und was weniger gut klappt. Sobald Ihr die optimale Position für Eure Fotoobjekte, Eure Lichtquellen und Euren Spiegel gefunden habt, solltet Ihr von diesem Arrangement unbedingt ein Foto machen, um es beim nächsten Shooting wieder genauso aufbauen zu können. Und jetzt: Viel Spaß beim Fotografieren – und wir freuen uns, wenn Ihr uns von Euren Erfahrungen berichtet oder noch weitere Tipps für unsere Nutzer habt!

Pimp your pictures – Fotos bearbeiten

Auch das beste Bildbearbeitungsprogramm macht aus einem verwackelten Schnappschuss kein tolles Bild. Aber sofern Ihr ein einigermaßen gutes Foto habt, könnt Ihr schon mit ein paar kleinen Nachbearbeitungen sichtbar mehr aus Eurem Motiv herausholen: Kontraste erhöhen, aufhellen, Farben verstärken, Ausschnitte wählen, retuschieren… Dazu kommt die Möglichkeit, Grafik- und Textelemente einzubauen. Wer sich intensiver damit beschäftigt, kann sich so zum Beispiel auch Header und Logos erstellen (für den Privatgebrauch – Profis nutzen dafür natürlich wieder andere Software).

Bilder schnell aufmotzen – mit Pixlr Express keine große Sache mehr. Screenshot: Sandra Cantzler

Zunächst mal zu den kostenlosen Varianten. Online steht Euch hier zum Beispiel Pixlr zur Verfügung. Diese Software gibt es in mehreren Variationen. Die Express-Anwendung ist ideal für alle, die es eilig haben beziehungsweise keine große Lust verspüren, sich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen. Ihr könnt damit Euer Bild bearbeiten, diverse Effekte benutzen, Schriftelemente einbauen und es gibt sogenannte Sticker, mit denen Ihr zum Beispiel Sprechblasen und ähnliches ins Bild montieren könnt.

Die Editor-Variante von Pixlr funktioniert ähnlich wie der Klassiker Photoshop. Screenshot: Sandra Cantzler

Solltet Ihr mehr Funktionen wollen, empfiehlt sich Pixlr Editor. Ähnlich wie bei der wohl bekanntesten Bildbearbeitungs-Software Photoshop könnt Ihr hier nicht nur Fotos bearbeiten, sondern selber Bilder erzeugen und habt mehrere Ebenen, aus denen Ihr Eure Bilder komponieren könnt. Die Funktionsweise ist der von Photoshop sehr ähnlich, allerdings etwas abgespeckt und einfacher nutzbar. Zeit solltet Ihr aber dennoch mitbringen, da erst mit etwas Übung der Spaß an der Sache entsteht. Von Pixlr gibt es übrigens auch eine mobile Variante, die ich persönlich allerdings als ziemlich limitiert empfinden – wer ohnehin eine App wie Camera+ auf dem Handy hat, kann darauf getrost verzichten.

 

IrfanView bietet zahlreiche Features und unterstützt die unterschiedlichsten Dateiformate

IrfanView

IrfanView ist ein Bildbetrachtungsprogramm, das auch eine ganze Reihe von Bearbeitungstools bietet. Die Freeware unterstützt rund 70 verschiedene Dateiformate und hilft Dir auf jeden Fall weiter, wenn es um Standardaufgaben wie das Verändern der Größe, Beschneiden oder Aufhellen geht. Drehen, spiegeln, rote Augen entfernen und Schriften einfügen gehen natürlich auch. Viele Nutzer schätzen die Stapelanwendung, durch die mehrere Bilder auf einmal angepasst werden können (praktisch zum Beispiel, wenn Ihr in Eurem Blog eine Bilderstrecke zeigen wollt). IrfanView kann einfach ohne Anmeldung heruntergeladen werden, läuft allerdings nur auf Windows-Rechnern.

Aviary

Für Aviary ist dagegen eine Registrierung nötig, die allerdings nur wenige Augenblicke dauert. Dafür bietet es eine große Auswahl an Bearbeitungs-Tools und ist sehr einfach anzuwenden. Neben den Standardfunktionen können hier auch Elemente wie verschiedene Ebenen und Filter für bestimmte Effekte genutzt werden.

Aviary gibt es in einer Version für Normalanwender sowie in der Variante für Entwickler. Die Freeware funktioniert sowohl auf Windows und auf dem Mac.

Paint.net

Speziell für Windows XP und höher entwickelt ist die Bildbearbeitungssoftware paint.net. Das Programm wurde an der Washington State University mit der Unterstützung von Microsoft entworfen und bietet zahlreiche Features, die sonst nur kostenpflichtige Profiprogramme haben, etwa das Arbeiten auf verschiedenen Ebenen.

paint.net wurde speziell für Windows entwickeltDie Bedienung orientiert sich an Photoshop. Zahlreiche Plug-ins – die im Forum von paint.net heruntergeladen werden können – ermöglichen außerdem Erweiterungen zu den Standardfunktionen.

Habt Ihr noch weitere Tipps zu kostenloser Bildbearbeitungs-Software? Welche Programme sind Eure Favoriten? Wir freuen uns auf Eure Kommentare und Tipps!

Bildbearbeitung für Fortgeschrittene: Gimp und Photoshop

Bei Gimp handelt es sich um eine Open-Source-Software, die von den Features her durchaus mit Photoshop mithalten kann und sowohl auf dem Mac wie auch unter Windows läuft. Ähnlich wie beim Klassiker unter den Bildbearbeitungsprogrammen braucht man auch bei Gimp etwas Zeit, um sich in die Feinheiten einzuarbeiten.  Wie beim Fotografieren selbst hilft es am meisten, einfach mal auszuprobieren, sich bei Fragen quer durch die von der Community erstellten Tutorials zu lesen und zwischendurch auch mal laut zu schimpfen, wenn es hakt – danach läuft es dann ganz oft plötzlich rund…

Tipp: Häufig ist auch auf Eurem Rechner bereits ein Bildbearbeitungsprogramm vorinstalliert. Außerdem liegen Kameras oft entsprechende Anwendungen bei. Schaut Euch diese Möglichkeiten unbedingt ebenfalls an – die Funktionsweisen sind häufig sehr ähnlich, aber jeder Nutzer hat ja seine eigenen Vorstellungen.

Tutorial: Schritt für Schritt zum besseren Bild

Mit den Funktionen Helligkeit und Kontrast kommen mehr Licht und kräftigere Gegensätze ins Spiel. Screenshot: S. Cantzler
Mit den Funktionen Helligkeit und Kontrast kommen mehr Licht und kräftigere Gegensätze ins Spiel. Screenshot: S. Cantzler

Mehr Farbe, mehr Kontrast: Eigentlich sorgt die richtige Ausleuchtung dafür, dass ein Foto nicht „absäuft“. Aber leider klappt das nicht immer, weil die Kameras Euch vorgreifen, einen Mittelwert der Helligkeit errechnen und automatisch ausgleichen. Aus dem strahlend weißen Hintergrund wird dann eine graue Suppe. Mit Hilfe der Bildbearbeitung lässt sich das korrigieren.

Nachdem Ihr Gimp gestartet habt, öffnet Ihr zunächst Euer Bild. Geht dann im Menü auf den Reiter „Farben“ und wählt den Punkt „Helligkeit/Kontrast“. Mit dem Schieberegler geht Ihr nach rechts, jeweils soweit, bis das Bild in der Vorschau für Euch optimal aussieht. Seid bei der Dosierung lieber etwas vorsichtig, sonst bekommt Euer Fotos sehr schnell etwas Künstliches. Zufrieden? Dann bitte auf „ok“ klicken.

Sind Euch die Farben zu blass, geht Ihr noch einmal auf den Menüpunkt „Farben“, anschließend auf „Farbton/Sättigung“. Wieder den Regler vorsichtig nach rechts ziehen und nicht übertreiben…

Und dann noch ein bisschen schärfer

Der dritte Schritt nach mehr Helligkeit und Kontrast sowie einer intensiveren Farbsättigung ist die Bildschärfe, die für mehr Definition sorgt. Screenshot: S. Cantzler
Der dritte Schritt nach mehr Helligkeit und Kontrast sowie einer intensiveren Farbsättigung ist die Bildschärfe, die für mehr Definition sorgt. Screenshot: S. Cantzler

Nein, weder mit Gimp noch mit Photoshop lässt sich aus einem wackeligen Schnappschuss ein 1A-Blogfoto basteln. Aber wenn es nur darum geht, minimal nachzuschärfen, um noch mehr Wirkung rauszuholen, hilft Euch die Funktion „Schärfen“ auf jeden Fall weiter. Im Gimp-Menü verbirgt sie sich unter dem Reiter „Filter“. Geht dann auf „Verbessern“ und anschließend auf „Schärfen“.

Genau wie bei den anderen Funktionen muss auch hier wieder der Regler nach rechts verschoben werden – aber bitte ganz vorsichtig. Der Wert sollte je nach gewünschter Schärfe zwischen 5 und 15 liegen. So bekommt Ihr ein kleines Plus an Definition, ohne dass die Konturen zu stark betont werden.

Weniger ist oft mehr: das Bild beschneiden

Auf das Wesentliche konzentriert: Mit der Auswahl-Funktion lässt sich ein Zuviel an Hintergrund beseitigen und das eigentliche Motiv rückt in den Mittelpunkt. Screenshot: S. Cantzler
Auf das Wesentliche konzentriert: Mit der Auswahl-Funktion lässt sich ein Zuviel an Hintergrund beseitigen und das eigentliche Motiv rückt in den Mittelpunkt. Screenshot: S. Cantzler

Um Euer Motiv ist noch zuviel leeres Drumherum? Es gibt eine kleine Stelle, die Euch nicht gefällt? Oder das Format passt nicht? Alles kein Problem, denn das Foto lässt sich ganz einfach zuschneiden. Für diese Funktion geht Ihr im Menü auf den Reiter Auswahl und auf Auswahlwerkzeug. Hier wählt Ihr am besten rechteckige Auswahl (es sei denn, Ihr wollt einen Kreis oder eine Ellipse – geht natürlich auch alles). Anschließend wählt Ihr durch das Ziehen mit der Maus Euren Ausschnitt. Klickt dann im Menü auf den Reiter Bild und auf „Auf Auswahl zuschneiden“.

Zum Schluss das Abspeichern nicht vergessen. Wählt dafür einen neuen Namen, damit Euer Originalmotiv nicht überspeichert wird.

Leuchtendere Farben, schärfere Konturen und weniger Hintergrund: Unser Testbild nach der Bildbearbeitung in vier Schritten. Foto: S. Cantzler
Leuchtendere Farben, schärfere Konturen und weniger Hintergrund: Unser Testbild nach der Bildbearbeitung in vier Schritten. Foto: S. Cantzler

Und damit seid Ihr durch mit den Basics der Bildbearbeitung. Das Ganze dauert mit etwas Übung vielleicht eine Minute. Wer möchte, kann natürlich noch viel mehr mit und aus seinen Fotos machen. Collagen montieren, Schriften einfügen, mit Filtern arbeiten… Probiert es einfach aus – aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn man sich erstmal ein wenig in die Funktionen eingearbeitet hat, macht es echt Spaß. Photoshop-Grundkenntnisse helfen allerdings schon sehr viel weiter. Es gibt sicherlich kleine, feine Unterschiede, aber zum Glück ähneln sich die Programme in ihrem Aufbau zumindest einigermaßen.

Photoshop Elements ist die kleine Schwester der großen Bildbearbeitungssoftware, reicht aber für den Hausgebrauch vollkommen aus. Screenshot: Sandra Cantzler

Womit wir bei Photoshop gelandet wären. Die große Version dieses Programms ist eine ausgesprochen kostspielige Sache. Kann man sich vielleicht leisten, muss man sich als Laie aber nicht unbedingt. Denn es gibt auch eine kleinere Schwester, die mit knapp 80 Euro nur einen Bruchteil kostet. Photoshop Elements bietet entsprechend einen kleineren Funktionsumfang, reicht aber für die Bedürfnisse von Normalverbraucherinnen absolut aus. Mit der Software lassen sich Bilder optimieren, Collagen unterschiedlichster Art und bei Bedarf auch Grafiken erstellen.

Kleine Warnung: Auch bei Photoshop Elements funktioniert nichts intuitiv. Einsteiger kann es in die Verzweiflung treiben, weil ohne entsprechendes Know-how die simpelsten Dinge nicht klappen. Wer keinen persönlichen Experten zur Seite hat oder eine Leidenschaft für Fotobarbeitungs-Fachbücher pflegt, sollte einen Online-Kurs in Betracht ziehen. Für alle, die erstmal testen wollen, ob sie überhaupt mit Photoshop zurechtkommen, gibt es eine vierwöchige Testversion, die kostenlos heruntergeladen werden kann.

Von Expertinnen lernen: Online-Tutorials und -Kurse

Das Angebot an Kursen rund ums Fotografieren und die Bildbearbeitung im Netz ist mittlerweile kaum noch zu überblicken, wobei ein Großteil der Kurse auf Englisch unterrichtet wird – der deutschsprachige Bereich ist deutlich hinterher. Speziell unter den bekannteren Bloggerinnen gibt es inzwischen viele, die ihre Kenntnisse sowohl online wie offline in Seminaren weltweit teilen. Die Kosten dafür beginnen bei wenigen Euros, können für besonders begehrte Kurse wie den Blogshop-Workshops der beiden Amerikanerinnen Bri Emery und Angela Kohler aber auch schon mal in den vierstelligen Bereich für zwei Tage gehen.

Aus der großen Menge an Fortbildungsmöglichkeiten möchte ich Euch zwei Kurse vorstellen, mit denen ich selbst gute Erfahrungen gemacht habe. Nummer 1 ist der Online-Workshop „Photoshop Elements für Bloggerinnen – das kleine 1×1“ der BlogLiebe. In sechs Video-Tutorials bringt einen die Bloggerin Melanie Osterried einen hier innerhalb von zwei Wochen schnell voran. Jeder Schritt wird gut nachvollziehbar erklärt, der Spaß an der Bildbearbeitung stellt sich wirklich schnell ein. Zusätzlich zu den Tutorials gibt es viele Downloads und Freebies. Alles sehr mädchenmäßig, aber genau für diese Zielgruppe ist es ja auch gedacht.

Kostenlose Online-Seminare zu den unterschiedlichsten Themen: Die Webseite creativeLive. Screenshot: Sandra Cantzler

Tipp Nummer 2 ist die Seite creativeLIVE. Sie bietet die Möglichkeit, Kurse rund ums Fotografieren und Bildbearbeiten, aber auch zu speziellen Programmen wie Indesign, Illustrator oder Photoshop online zu belegen. Die Auswahl reicht von Lektionen zu Hochzeits- und Babyfotografie über den richtigen Einsatz von Licht bis hin zur Selbstvermarktung für Kreative.

Unterrichtet wird hier von Profis aus der jeweiligen Szene. Kurse finden fast jeden Tag statt. Der Kalender zeigt Euch, was Ihr wann erwarten könnt. Die Live-Version ist kostenlos. Wer die Kurse zu individuellen Zeiten abrufen möchte, muss dafür bezahlen, kann sich dann aber auch alles für sein privates Archiv herunterladen.

Produktcollagen mit Photoshop Elements erstellen

Für die meisten Lifestyle-Blogs sind sie unverzichtbar: Produkt-Collagen. In zum Blog passender Optik präsentieren Blogger hier ihre gesammelten Favoriten, egal ob es um Weihnachtsgeschenke, Party-Ideen oder Dinge für den Haushalt geht. Und der geneigte Leser kann bei Bedarf einfach auf einen Link klicken und landet direkt in dem Shop, der das Produkt anbietet. Die gute Nachricht: Mit ein bisschen Übung bekommt Ihr so eine Collage auch für Euren Blog (oder andere Zwecke) hin. Einzige Voraussetzungen: Ihr braucht das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop Elements und unser kleines Collagen-Tutorial.

Gut möglich, dass es trotz Schritt-für-Schritt-Anleitung nicht gleich auf Anhieb klappt. Photoshop beziehungsweise die „kleine Schwester“ Photoshop Elements (PSE) sind toll, habe aber ihren Tücken. Dazu gehört, dass manches erst im dritten Versuch und mit viel Übung klappt.

Und für die Profis unter Euch der Hinweis: es gibt natürlich wesentlich raffiniertere Methoden, um eine Collage zu erstellen. Hier soll es aber ganz bewusst um eine Basis-Variante gehen, bei der auch Einsteiger auf ihre Kosten kommen.

PSE: Die Photoshop „Spar-Version“

Photoshop kennt eigentlich jeder. Auf dem Rechner haben es meist aber nur Profis, schlicht und einfach weil das Programm so teuer ist. Die gute Nachricht: Mit PSE gibt es eine Variante, die nur einen Bruchteil kostet, für den Amateur aber völlig ausreicht. Ihr könnt auch das Programm als kostenlose Test-Version für 30 Tage herunterladen. Wollt Ihr es dauerhaft nutzen, müsst Ihr dafür zwischen 60 und 80 Euro investieren, je nachdem, ob es gerade ein besonders günstiges Angebot gibt.

Collagen erstellen: Die Vorbereitung

Soweit kurz zur Theorie, jetzt geht es gleich mitten hinein in die Praxis. Dafür dürfen wir erst einmal einkaufen gehen. Leider nicht richtig, aber immerhin ein bisschen Window-Shopping.

Sucht Euch zum Beispiel in Euren Lieblingsshops Lieblingsprodukte heraus, die einen gemeinsamen Nenner haben. Angesichts der nahenden Weihnachtszeit setze ich für unsere Beispielcollage auf das Thema kleine Geschenke und dabei vor allem auf die Farbe rot. Ganz einfach ist das beispielsweise bei Etsy – hier könnt Ihr gezielt nach Farben und nach Geschenkideen suchen.

Schritt 2: Macht Screenshots von Euren Fundstücken und speichert Euch zu jedem Produkt sorgfältig den dazugehörigen Link ab – das kostet Euch sonst am Ende eine Menge Nerven und Zeit.

Tipp: Wählt möglichst Produkte mit einem weißen Hintergrund aus, dass spart Euch in den weiteren Schritten einiges an Arbeit.

Bilder hochladen und Hintergrund anlegen

Falls Ihr PSE noch nicht geöffnet habt, müsst Ihr das jetzt tun. Anschließend ladet Ihr Eure Produktbilder hoch. Dafür geht Ihr in der oberen Menüleiste auf „Datei“ und „Öffnen“. Sucht dann im betreffenden Verzeichnis – in diesem Fall auf dem Schreibtisch – nach Euren Bildern und ladet sie eins nach dem anderen zur Bearbeitung hoch.

Schritt Nummer 3: Ihr öffnet Euch eine neue Arbeitsfläche, auf der Ihr die einzelnen Bilder zusammenfügen könnt. Dafür geht Ihr wieder auf Datei, dann auf „neu“ und „leere Datei“. In der Maske, die sich dann öffnet, müsst Ihr die Maße für Eure Collage angeben (hier 1000 x 1000 Pixel), Ihr stellt die Auflösung ein und wählt beim Hintergrund „weiß“.

Fotos platzieren und bearbeiten

Jetzt geht es an die Kleinarbeit. Klickt im Fotobereich jeweils ein Foto an. Entfernt erst einmal grob alles Überschüssige um das Motiv herum – benutzt dazu das Freistellungswerkzeug (zu finden in der linken Menüleiste, zweite Reihe von oben). Bestimmt den Ausschnitt, wenn er passt, geht Ihr in der oberen Menüleiste auf „Bild“ und „freistellen“.

Anschließend könnt Ihr die Größe verändern. Dafür klickt Ihr wiederum bei Bild auf den Punkt „Skalieren“ und dann auf „Bildgröße“. Hier könnt Ihr die Größe nach Eurem Bedarf verändern. Wichtig: Setzt in den unteren drei Kästchen in der Maske unbedingt ein Häkchen.

Fertig? Dann geht Ihr auf Euren (noch) leeren Hintergrund (findet sich ebenfalls im Fotobereich ganz unten).  Eure ausgewählten Produkte könnt Ihr ganz einfach per drag & drop auf der weißen Fläche platzieren. Zufrieden mit der Anordnung? Dann geht in der Menüleiste oben auf „Ebenen“ und anschließend in der Maske fast ganz nach unten auf „sichtbare Ebenen auf eine reduzieren“.

Hintergründe ausradieren

Für den nächsten Schritt braucht Ihr den Radierer (findet Ihr links in der Menüleiste). Wichtig: Achtet darauf, dass die Farbe auf weiß eingestellt ist. Außerdem müsst Ihr noch die Pinselstärke einstellen. Zunächst könnt Ihr mit einem größeren Pinsel arbeiten, dann solltet Ihr zu einem kleineren Durchmesser wechseln. Das ist eine ziemliche Frickelarbeit, wird mit etwas Übung aber deutlich einfacher.

Schrift einfügen

Der nächste Schritt: Die Collage wird beschriftet. Sie braucht einen Titel und jedem Produkt wird eine Zahl zugeordnet. Dafür braucht Ihr das Textwerkzeug aus der linken Menüzeile. Gefunden? Dann bitte die Farbe auswählen und eine Schrift plus Größe. In PSE findet Ihr bereits eine ganze Menge Schriften, Ihr könnt Euch aber auch noch zusätzlich Fonts aus dem Netz laden.

Damit Bilder und Text einen engeren Bezug bekommen, kommen an dieser Stelle Pfeile bzw. gepunktete Linien ins Spiel. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Einmal könnt Ihr einfach per Textwerkzeug lauter Punkte setzen, das Bild einmal drehen und dann in der anderen Richtung weiterpunkten. Professioneller ist es, mit einem Pinsel zu arbeiten.

Aktiviert das Pinselwerkzeug links in der Leiste. Geht dann nach unten und legt zunächst die Farbe fest (kann beim Pinsel später nicht mehr geändert werden). Außerdem müsst Ihr Euch für eine Pinselstärke entscheiden. Anschließend bitte ein Stück nach rechts in den Bereich „Pinseleinstellungen“: Um eine gepunktete Linie zu bekommen, muss der Abstandsregler nach rechts bewegt werden. Testet am besten aus, was für Euch passt.

Für die perfekte gerade Linie haltet Ihr die Shifttaste gedrückt, während Ihr die Linie zieht. Klappt nicht auf Anhieb? Kein Problem, einfach den letzten Schritt rückgängig machen und noch einmal von vorne ansetzen.

Und dann? Fertig! Ihr müsst die Collage nur noch im richtigen Format abspeichern (am besten als .png), in Euren Blog hochladen und mit den gespeicherten Links versehen.

Eins: Weihnachtsschmuck Zwei: Wickelarmband Drei: Handschuhe Vier: Smartphone-Hülle

Und jetzt: Viel Spaß beim Shoppen und Basteln!

 

 

 

Rating: 3.0/5. Von 2 Abstimmungen.
Bitte warten...

2 Gedanken zu „Mach mehr aus Deinen Bildern!

  1. Sehr interessanter Artikel! Nur schade, dass lediglich auf Bildbearbeitungsprogramme eingegangen wird. Wer sich nicht direkt selbst damit auseinandersetzen kann, könnte seine Bilder doch auch bearbeiten lassen. Dadurch kann man sich evtl. auch Inspirationen holen und versuchen die eigenen Bilder exakt so nachzubearbeiten wie sie von Profis bearbeitet werden. Da gibt es ja diverse Seiten dafür. Ich bin mal so frei und nenn meinen Favoriten http://photodil.de . Gerade für Anfänger sehr praktisch, hier kann man kostenlos sein Bild bearbeiten lassen und sieht somit direkt die super Ergebnisse! Vllt. ist diese Richtung der Bildbearbeitung für den Blogeintrag ja auch relevant?

    Viele Grüße,
    Tim

    1. Arne

      Hallo Tim,

      danke für den Tipp. Dafür finden bestimmt einige Verwendung.

      Gruß Arne

Schreibe einen Kommentar

Die von Ihnen hier erhobenen Daten werden gemäß unserer Datenschutzerklärung zur Veröffentlichung Ihres Kommentars in unserem Blog verarbeitet.