Und Action: Der eigene Film für Deine eigene Seite

Speziell unter Bloggern gibt es diesen Sommer ein ganz großes Thema: Bewegte Bilder. Der Trend geht dazu, klassischen Content – also Texte und Fotos – mit Videos zu ergänzen. Mit Filmen ist es leichter, Menschen in den Bann zu ziehen. Sie emotionalisieren stärker, können aber auch Geschichten detaillierter erzählen als ein Foto es vermag. Sprich: Videos sind ein gutes Mittel, um mehr Leute auf eine Seite zu bekommen. Das gilt nicht nur für Blogs, sondern zum Beispiel auch für Webshops oder die Webseiten von Unternehmen. Wer ein gut gemachtes Video auf seiner Seite hat, das von vielen Usern geteilt wird, kann seine Popularität enorm erhöhen. Stellt sich Videoproduzenten in spe nur noch die Frage: Wie bekomme ich es auch als Nicht-Profi hin, ein einigermaßen professionelles Video zu drehen?

Für alle, die Lust haben, in Eigenregie mit dem Thema Video zu experimentieren, haben wir die wichtigsten Tipps zusammengefasst – ganz bewusst zugeschnitten auf kleine Budgets. Wobei ein begrenzter Etat bei bewegten Bilder nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Denn oft sind es die kleinen, einfachen Ideen, die ein großes Publikum ansprechen.

Gute Planung

Wenn Du nicht zufällig ein begabter Improvisationskünstler bist, beginnt dieses Projekt mit einer guten Planung. Und so spießig es klingen mag, ist die Vorbereitung bereits die Hälfte aller Arbeit. Wenn Du Dir über wichtige Requisiten oder andere Details erst beim Dreh Gedanken machst, kostet Dich das wertvolle Zeit. Wer keinen Plan für die Umsetzung seines Filmes hat, wird auch ein dementsprechend planloses Produkt beim Publikum abliefern.

Gehen wir davon aus, dass Du schon weißt, ob Du ein Musikvideo, einen Werbefilm oder Erklärvideo drehen möchtest, dann wäre der nächste Schritt, Dir ein Story-Board aufzuschreiben. Das ist unter anderem deshalb von Vorteil, weil Dein Film auf eine bestimmte Länge begrenzt sein sollte. Beim Erstellen eines Story-Boards, bei dem Du auch die Zeitlängen der jeweiligen Filmabschnitte mit notierst, kannst Du abschätzen, ob die Idee inhaltlich noch gestrafft oder aufgefüllt werden muss.

Plane also Szene für Szene, Einstellung für Einstellung genau durch. Dann weißt Du spätestens danach, was Du alles für Deinen Film benötigst, zu welchen Orten Du fahren musst, wie viele Statisten Du vielleicht organisieren musst, bei welchem Wetter Du drehen kannst und und und. Lies Dein Storyboard aufmerksam, damit Dir keine Details verborgen bleiben.

Zeit ist Geld

Wir reden hier über ein Video, das für ein schnelllebiges Medium geeignet sein soll. Also versuche Deine Botschaft so knapp wie möglich zu halten. Am besten gehst Du einmal selbst auf einen Streifzug durch das Netz und schaust Dir die verschiedenen Filme an, die Dir dabei begegnen. Achte vor allem darauf, wie die Clips dein Interesse wecken, und ab wann Du Dich langweilst. Die Erkenntnisse können Dir bei Deinem eigenen Film helfen. Als zweites wirf einen Blick auf die vergangene Zeit. Du wirst überrascht sein, wie lang zum Beispiel eine halbe Minute werden kann, wenn Dich ein Inhalt nicht interessiert.

Denke stets an die Dramaturgie des Films. Das bezieht sich auf jedes Genre. Arbeite Dich zum Beispiel bei einem Erklärvideo gezielt auf die Highlights des zu beschreibenden Gerätes oder des Sachverhaltes hin. Wenn Du die wichtigsten Fakten vorweg erzählst, fehlt Dir hinten die Aufmerksamkeit des Publikums. Baue eher Spannung auf, indem Du auf folgende Höhepunkte des Films hinweist, sie anteaserst. Selbst der kürzeste Clip braucht eine unterhaltsame Erzählstruktur.

Words don’t come easy

Schreibe Texte, die später in dem Film gesagt werden müssen, genau auf. Nichts ist schlimmer, als wenn jemand stotternd vor der Kamera steht und nicht weiß, was er zu sagen hat. Es wird für einen Laien ohnehin schwer genug sein, den Spannungsbogen der Handlung zu halten. Vielleicht überlegst Du Dir, ob Du jemanden im Bekanntenkreis hast, der wirklich unterhaltsam erzählen kann und Dir beim Dreh zur Verfügung steht.

Gutes Werkzeug

Als nächstes geht es um die Ausrüstung. Vielleicht besitzt Du eine Digitalkamera, die für Deine Zwecke reicht. Probiere es aus, indem Du ein kleines Testvideo drehst und es auf dem Portal Deiner Wahl hochlädst. Ein paar Beispiele für infrage kommende Plattformen stellen wir in einem zweiten Artikel vor. Nun kannst Du sehen, ob die Qualität ausreicht. 640 x 480 Pixel sollten es mindestens sein.

Digitalkamera
Auch mit der einfachen Digitalkamera können gute Ergebnisse erzielt werden. Foto: A.Dreher_pixelio.de

Bringt Deine Kamera bei dem Test nicht die gewünschte Qualität mit sich, dann kannst Du Dir schon ab 25 Euro ein Gerät leihen oder Du überlegst, ob sich eine gekaufte Cam als Investition für die Zukunft lohnt. Es gibt zum Beispiel robuste Actioncams mit fullHD schon ab circa 250 Euro. Die sind klein und sehr vielseitig einsetzbar.

Für die meisten unbewegten Einstellungen solltest Du außerdem ein Stativ besitzen. Ein permanent wackelndes Bild kann den Zuschauer von der eigentlichen Botschaft Deines Filmes leicht ablenken.

Der Dreh

Wir konsumieren täglich sehr viel Filmmaterial. In der U-Bahn, im Fernsehen, im Kino und natürlich auch im Internet. Überraschend ist, dass wir uns über die einfachsten handwerklichen Tricks der Kameraleute nicht bewusst sind, obwohl sie oft für die nötige Fokussierung unseres Blicks verantwortlich sind. Betrachtet man nämlich private Urlaubsvideos, fallen bei den meisten Amateuren immer wieder dieselben Fehler auf: zu schnelle Schwenks, wildes Zoomen, wackeliges Laufen mit der Kamera. Generell gilt es bei bewegter Kameraführung, den Zuschauer mitzunehmen. Er muss sich auf einen Blick einlassen, die Motivänderung zum Beispiel durch Schwenk oder Zoom nachvollziehen und dann das neue Bild aufnehmen können. Hier gilt es, sich als Kameramann Zeit zu lassen.

Trotz aller Ruhe darf sich das Auge nicht langweilen. Deshalb musst Du, selbst wenn Du nur eine einzelne Person an einem festen Ort filmst, stets aber gut dosiert für Abwechslung sorgen. Mache Schnitte, bei denen Du die Perspektive änderst. Wechsele gezielt zwischen Totale und Closeup. Setze kleine Szenen, die das Erzählte illustrieren zur Auflockerung ein.

Womit wir auch schon beim nächsten wichtigen Detail sind. Jedes Video lebt nicht nur vom Bild allein. Auch Geräusche, Töne, Stimmen und wenn möglich Musik sind das Salz in der Suppe. Dabei unterscheidet man zwischen dem O-Ton, der direkt am Drehort aufgenommen wird und allem was nachträglich nachvertont wird. O-Töne sind gerade bei Low Budget Projekten oft von schlechter Qualität. Sie leiden an der miserablen  Akustik unter freiem Himmel, an ungewolltem Hall in großen Räumen, an dem Wind, der im Mikrofon für Chaos sorgt oder auch an Sprechtexten, die von Geräuschüberlagerungen unverständlich gemacht werden.

Mikrofon
Originaltöne können die Atmosphäre am Drehort am besten wiedergeben, sind aber oft nicht von guter Qualität, wenn sie mit der Kamera aufgenommen werden. Foto: magicpen_pixelio.de

Gut ist es, wenn du den Originalton mit einem speziellen und hochwertigen Mikrofon aufnimmst oder ihn gesondert per Diktiergerät festhältst. Dann kannst Du bestimmte ortsspezifische Geräusche bei Bedarf  beim Schnitt einfügen. Was Dir an akustischem Beiwerk fehlt, kannst Du in einer Internetdatenbank wie etwa soundarchiv.com finden.

Mit Recht

Achtung! Wenn Du den gedrehten Film kommerziell auf Deiner Seite nutzen möchtest, achte bitte bei der Auswahl von sämtlichem Tonmaterial – vor allem bei Musik – auf die Frage der Nutzungsrechte. Durch das Internet haben wir auf sehr viel Material Zugriff, das wir jedoch nicht frei für unsere Zwecke verwenden dürfen. Einen Werbefilm mit Musik von Justin Bieber zu unterlegen, kann unter Umständen teuer werden. Aber auch Fotos und Illustrationen, die Du im Netz findest, können nicht ohne Absprache mit den Rechteinhabern verwendet werden.

Besser ist es, sich an Werke mit CreativeCommons Lizenzen zu halten, wenn Du nicht mit den Eigentümern oder einnahmenorientierten Agenturen verhandeln willst.

Und Cut!

Den letzten Schliff bekommt Dein Werk am Schneidetisch. Hier können einzelne Szenen oder Einstellungen noch einmal gekürzt und in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt werden. So kannst Du Dein Videomaterial so drehen, wie es Dir zeitlich am besten passt und stellst den filmischen Ablauf dann am Computer her. Wenn Du einen Macintosh Computer besitzt, hast Du dafür eine kostenlose Software (iMovie) direkt im Betriebssystem dabei. Für die ersten Schritte kannst Du Dir das Einführungs-PDF herunter laden.

iMovie
iMovie auf dem Mac oder Windows Live Movie Maker auf dem PC – es gibt kostenlose Schneidesoftware, die auch der Laie intuitiv bedienen kann. Screenshot: iMovie

Für Windows-User gibt es den Windows Live Movie Maker von Microsoft, der über alle wichtigen Schneidfunktionen verfügt und gratis aus dem Netz geladen werden kann. Eine gute Einführung in das Programm findest Du ebenfalls auf den Seiten von Microsoft.

Film ab!

Ein guter Film braucht – auch wenn er noch so kurz ist – eine perfekte Planung. Denke stets an Dein Publikum und versetze Dich in seine Lage. Wenn Du selbstkritisch genug bist, kannst Du die meisten Fehler vermeiden.

Ein Film ist nicht in erster Linie von seinem Budget und einer teuren Ausrüstung abhängig. Er lebt von der Geschichte, dem Timing und gutem Handwerk. Ein erfahrener Kameramann kann auch mit einem schlechten Gerät einen faszinierenden Film abliefern, wenn er weiß, wie er das Interesse seiner Zuschauer gewinnen kann. Wie gesagt, lass Dich von Videos inspirieren, die Du gut findest. Schau Dir Tricks und Kniffe bei den Profis ab. Beschäftige Dich ein bisschen mit der Theorie – und dann leg einfach los. Denn vieles kommt dann von ganz alleine!

Und damit Deine Videos nicht auf Deinem Rechner verstauben, gibt es noch einen Teil zwei zum Thema bewegte Bilder: Wir stellen die wichtigsten Plattformen für die Verbrwitung vor und zeigen ganz konkret, wie die Einbindung funktioniert.

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