Domainendung .koeln/.cologne: Die Vergabestelle NetCologne im Interview

Köln hat seit knapp 800 Jahren einen Dom. Und seit fast einem Jahr eine eigene City-Top Level Domain. Oder genauer gesagt: Gleich zwei. Denn neben der Domainendung .koeln ist ja auch noch die internationale Variante .cologne am Start. Wir haben uns bei NetCologne, der zuständigen Vergabestelle, nach den ersten Erfahrungen mit den neuen Top Level Domains (nTLD) erkundigt. Hartmut Schulz von NetCologne hat uns sehr ausführlich und vor allem ehrlich geantwortet.

Welche Erwartungen setzen Sie in die Domainendung .koeln/.cologne?

Hartmut Schulz: Ziel der NetCologne ist es, die beiden 2014 an den Markt gebrachten nTLDs .koeln und .cologne als attraktive lokale Alternativen zu anderen Domains fest auf dem Kölner Markt zu verankern.

­Wie ist die bisherige Resonanz?

Hartmut Schulz: Mittlerweile entwickelt sich die Bilanz für unsere beiden geoTLDs zunehmend positiv, wenngleich sich die Einführung in Teilen schwierig gestaltete. Speziell in der Anfangsphase wurden viele Second­ Level­Domains – besonders generische Begriffe – von Personen reserviert, die weniger an einer realen Nutzung der Domain als vielmehr an einer Investition interessiert waren. Das führte dazu, dass wirtschaftlich interessante Begriffe heute auf Verkaufsseiten gelistet sind – ein Umstand, der uns als Betreiber sehr missfällt.

Inzwischen werden die Domains aber zunehmend von Nutzern verwendet, die sich oder ihr Unternehmen tatsächlich im Kontext mit der Stadt Köln im Internet präsentieren wollen. Dies zu erreichen war unsere eigentliche Zielsetzung und entsprechend sind wir froh, dass die Domainreservierungen sich hier in die richtige Richtung entwickeln.

Was die rein quantitative Sicht betrifft: Natürlich waren wir – wie die meisten nTLD-
Anbieter – zunächst ernüchtert vom Absatz beim Marktstart. Die Vorreservierungen bei den diversen Registraren hatten eine höhere Anzahl von Domains beim Landrush erwarten lassen. Allerdings wurden wir von den Kollegen der anderen geoTLDs schon darauf vorbereitet, dass die effektive Umwandlung von Vorreservierungen in echte Domainbestellungen in einem Bereich deutlich unter 10 Prozent liegen würde.

Positiv überrascht sind wir hingegen von der Entwicklung, die die Domains – vor allem .koeln – seither genommen haben. Hatten wir mit einem hohen Absatz in den ersten Tagen und dann einem schnell abfallenden Interesse gerechnet, zeigt sich heute, dass für unsere TLDs nach wie vor eine verhältnismäßig hohe Nachfrage besteht.

­Wie beurteilen Sie den Start der nTLD bisher insgesamt?

Hartmut Schulz: In Summe sehe ich den Start der nTLDs inzwischen positiv. Mit (Stand Mitte Juni 2015) mehr als 6 Millionen Second­ Level­ Domains mit nTLD­-Endungen kann man das Experiment der ICANN, die etablierten Namensräume drastisch aufzubrechen, als gelungen bewerten. Es dürfte nun ein irreversibler Prozess zur Umstrukturierung des Internets angelaufen sein ­ weg von den eher abstrakten .com­, .net­, .org-Domainendungen der Vergangenheit, hin zu „sprechenderen“ Domainnamen. Sollte, wie von der ICANN vorgesehen, binnen der nächsten Jahre noch weitere tausende neue TLDs auf den Markt kommen, stehen allen Anbietern, aber auch den Nutzern, ereignisreiche Jahre bevor.

­Wie lange dauerte die Vorbereitung, um die Endung .koeln/.cologne an den Start zu bringen?

Hartmut Schulz: Mit den Vorbereitungen für die Bewerbung haben wir im Sommer 2011 begonnen. Sunrise der beiden TLDs war am 12. Juni 2014 und General Availibility am 5. September 2014.

­Was waren dabei die größten Hürden?

Hartmut Schulz: Nicht die ICANN­-Bewerbung, das sollte an dieser Stelle klar gesagt werden. Diese verlief ohne größere Komplikationen, abgesehen von den zeitlichen Verzögerungen, die die ICANN während des nTLD­Prozesses für notwendig hielt. Die größere Schwierigkeit war – und ist es zum Teil noch immer – innerhalb der Kölner Bevölkerung und der Kölner Wirtschaft ein Bewusstsein für die neuen Chancen, die sich mit den beiden regionalen TLDs bieten, zu schaffen. Hier galt es, sowohl durch den gezielten Einsatz von Werbung als auch in vielen persönlichen Gesprächen die Vorteiler herauszuarbeiten und damit den Grundstein innerhalb der Stadt zu legen, ohne den die beiden Kölner TLDs nicht erfolgreich sein können.

­Wen sehen Sie als wichtigste Zielgruppe für die neue Endung .koeln/.cologne?

Hartmut Schulz: Unser Ziel ist es, dass sich die Domains im Kölner Raum durch alle Gruppen hindurch verbreiten: von Privatpersonen, die sich im Netz als Kölner bekennen möchten, über neu gegründete oder bestehende Firmen, Handwerksbetriebe und Handelsunternehmen bis hin zu den großen Institutionen vor Ort: der Stadt Köln, dem Erzbistum und den großen Medienhäusern.

Darüber hinaus erhoffen wir uns, dass einige spezifische Domains mit Leuchtturm-Charakter helfen, die neuen Endungen und damit die Stadt Köln im Internet noch bekannter zu machen. Dazu gehören zum Beispiel städtische beziehungsweise stadtnahe Begriffe: stadt.koeln, museum.koeln, zoo.koeln, ob.koeln (Oberbürgermeister), polizei.koeln, trade-fair.cologne, visit.cologne und weitere 2nd­-Level­Domains. Die Stadt Köln hat bereits begonnen, die neuen Domains zu verwenden, der Umstellungsprozess wird aber noch einige Zeit dauern. Je mehr diese Domains im virtuellen Stadtbild Kölns erscheinen, desto selbstverständlicher werden die nTLDs für die Bevölkerung, Touristen und Geschäftsreisende. In Zukunft werden die Endungen.koeln/ .cologne für Köln als Standort einen großen Werbewert haben.

Auch Begriffe, mit denen Köln weltweit assoziiert wird, können Leuchtturm-Charakter erhalten: dom.koeln, karneval.koeln, fc.koeln. Hinzu kommen einige wichtige generische Begriffe: kino.koeln, veranstaltungen.koeln, hotels.cologne etc. Wenn es uns gelingt, diese Begriffe mit Leben zu füllen, haben wir eine bedeutende Strecke des Wegs erfolgreich zurückgelegt. Entsprechend sehen wir auch hier unsere wesentliche Aufgabenstellung für die Zukunft.

 

­ Steht die Endung allen offen? Wenn nicht: Welche Beschränkungen gibt es und warum?

Hartmut Schulz: Ja, .koeln­ und .cologne­-Domains können von jedem registriert werden. Aber natürlich wünschen wir uns, dass der Domain­-Inhaber eine Beziehung zu unserer Stadt hat.

­Wird sich das Netz Ihrer Einschätzung nach durch die Einführung der neuen Domainendungen verändern?

Hartmut Schulz: Das wird es, wenn auch sicherlich nicht so schnell, wie manche Betreiber von nTLDs sich das erhofft haben. Die Einführung der nTLDs ist ein irreversibler Prozess und, wie wir an unseren Domains sehen, werden die nTLDs speziell im Umfeld von Firmen-Neugründungen und Start­ups akzeptiert. Mit dem Wachstum dieser neuen Unternehmen werden auch die nTLDs immer bekannter und weiter verbreitet.

Betrachtet man die rasante Entwicklung des Internets seit den 1980er Jahren, so kann man davon ausgehen, dass sich die weltweite Nutzergemeinde rasch mit den neuen TLDs anfreunden wird. Befürchtungen, dass die Internet­user bereits so in Konventionen erstarrt sind, dass sie keine neuen TLDs akzeptieren, sind sicherlich nicht zutreffend. Die klassischen Domains werden selbstverständlich einen wichtigen Stellenwert behalten, aufgrund des großen Innovationsdrangs, der das Internet in den vergangenen 25 Jahren geprägt hat, wird hier aber auch immer Platz für Neues ein.

Aktuelle Studien zeigen, dass vor allem in den asiatischen Ländern die nTLDs bereits jetzt Akzeptanz bei den Anwendern finden. Europa hinkt hier leider etwas hinterher. Ich bin aber überzeugt, dass auch bei uns die nTLD nach und nach im öffentlichen Bewusstsein präsenter werden, zumal die nächste Generation von Usern bereits in diese nTLD­-Welt hineinwachsen wird. Die heute bestehenden Berührungsängste werden im Laufe des nächsten Jahrzehnts verschwinden. Hier heißt es, etwas Geduld haben.

Dass sich hier neue Chancen ergeben, gilt natürlich vor allem für die geoTLDs. Regionen­ und Städtenamen sind nicht beliebig in ihrer Aussage, wie manch andere generische nTLD, sondern beschreiben sehr genau, in welchem Zusammenhang der Inhalt der Seiten zu sehen ist ­ nämlich im jeweiligen geografischen Kontext. Eine Seite metzger­X.koeln wird wohl kaum einer Metzgerei in Krefeld gehören und hotels.cologne werden mit Sicherheit nicht auf Angebote in Düsseldorf verweisen.

Entsprechend haben geoTLDs einen ganz besonderen inhaltlichen Mehrwert für all diejenigen, die ihre Internetseite im jeweiligen regionalen Kontext sehen wollen. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Argument für die neuen TLDs. Wenn die ICANN Ernst macht und in den kommenden Jahren weitere geografische Domains auf dem Markt zugelassen werden, erleben wir im kommenden Jahrzehnt zumindest im Dienstleistungssektor eine verbraucherfreundliche Regionalisierung des Internets.

Die NetCologne freut sich, mit .koeln und .cologne bereits seit Beginn an diesem Prozess mitzuwirken und wir sehen den kommenden Jahren entsprechend gespannt und optimistisch entgegen.

Wir bedanken uns für diese spannenden, offenen Einblicke in die Entwicklung der .koeln-Domain beziehungsweise der .cologne-Domain!

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