Umlautdomains: Clevere Alternative oder ein Problem?

IDN-Domains werden im Deutschen meist Umlaut-Domains genannt. Neben ä, ö und ü erlauben sie auch die Verwendung vieler weiterer Sonderzeichen. Dank IDN-Domains kann zum Beispiel Herr Müller die Adresse www.herr-müller.de nutzen und muss nicht mehr auf www.herr-mueller.de ausweichen. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Vor- und Nachteile Domains mit Umlauten haben und erklären, worauf bei der Nutzung entsprechender Domains geachtet werden sollte.

Kurz erklärt: Was sind IDN-Domains?

IDN-Domains – also internationalisierte Domains – können seit 2003 genutzt werden. Unter IDN-Domains werden alle Domains zusammengefasst, die Zeichen enthalten, die nicht zum Standardzeichensatz ASCII (American Standard Code for Information Interchange) gehören. Internationalisierte Domains wurden eingeführt, weil es im Netz zunehmend Probleme mit Umlauten und Sonderzeichen (Nicht-ASCII-Zeichen) in verschiedenen Sprachen gab.

Diese Nicht-ASCII-Zeichen konnten von vielen Anwendungen lange Zeit nicht verwendet werden. Nicht zuletzt der verstärkte Einzug arabischer und asiatischer Sprachen erhöhte den Druck, eine Lösung zu finden. Das Ergebnis sind IDN-Domains.

Gut zu wissen: Sind IDN-Domains immer möglich?

Klare Antwort: Nein. Es gibt noch immer viele Top Level Domains (TLD), bei denen eine Registrierung nur mit ASCII-konformen Zeichen funktioniert. Ob für Eure Wunsch-TLD Sonderzeichen erlaubt sind, könnt Ihr den jeweiligen Registrierungsrichtlinien entnehmen. Bei .de-Domains sind Sonderzeichen schon seit einigen Jahren zulässig. Insgesamt können aktuell 93 Sonderzeichen genutzt werden. Welche das sind, könnt Ihr der IDN-Zeichenliste der DENIC entnehmen.

Wie funktionieren IDN-Domains?

Bei IDN-Domains wird der Domainname beim Abruf im Hintergrund in den sogenannten Punycode überführt, also ASCII-kompatibel kodiert. Im Detail funktioniert das Punycode-Verfahren so: Alle Nicht-ASCII-Zeichen werden aus dem Domainnamen extrahiert und dann ans Ende des Domain-Namens angehängt.

Zusätzlich wird der Domain-Name durch die Voranstellung der Sequenz xn, kombiniert mit einem doppelten Bindestrich, als konvertierte IDN-Domain gekennzeichnet. Im Prinzip wird also für jedes Sonderzeichen eine ASCII-Zeichensequenz als Entsprechung erstellt. Auf diese Weise können beispielsweise Browser Umlautdomains problemlos lesen.

Mit dem Konvertierungs-Tool der Denic könnt Ihr selber testen, wie eine Sonderzeichen-Domain nach der Umwandlung in eine ASCII-kompatible Zeichenkette aussehen würde. Unsere Beispiel-Domain www.herr-müller.de würde als sogenannter ACE-String dann so dargestellt:

Welche Vorteile und Nachteile haben IDN-Domains?

IDN-Domains haben zwei große Pluspunkte:

Mit Umlauten geschriebene Wörter wirken im Vergleich zur Umschreibung vertrauter und weniger sperrig, sind „sprachlich schöner“. Besonders für etablierte Markennamen ist das ein gewichtiges Argument pro IDN-Domain.
Häufig sind Umlautdomains noch verfügbar, deren umschriebene Version schon lange an einen anderen Nutzer vergeben ist. Wenn Herr Müller sich herr-müller.de sichert, kann er dafür vom Inhaber von herr-mueller.de nicht rechtlich belangt werden.

Auf der Minusseite stehen bei IDN-Domains:

Mangelnde Nutzerfreundlichkeit: So schön die Domain herr-müller.de aussieht, so seltsam sieht sie aus, wenn sie von der Browser-Adresszeile in eine anderes Dokument kopiert oder zum Beispiel in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Denn dort ist dann der weitaus weniger gut lesbare ACE-String zu sehen. Auf viele Nutzer wirkt der Punycode, als wäre der Link „zerschossen“ oder – schlimmer – als würde damit Schadcode verbreitet.
Eingeschränkter Nutzerkreis: ä, ö, ü und ß gibt es nur in der deutschen Sprache. Nutzer aus dem nicht-deutschsprachigen Raum haben diese Zeichen dementsprechend nicht auf ihrer Tastatur und damit ein Problem, wenn sie den Domainnamen zum Beispiel von einer Visitenkarte abtippen möchten.
Technische Probleme: Theoretisch sind Umlaut-Domains für die meisten Anwendungen mittlerweile kein Problem mehr. Das gilt für die meisten Content Management-Systeme ebenso wie für E-Mail-Programme. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Software bei Sender und Empfänger auf dem aktuellen Stand ist. Speziell bei Freemail-Diensten passiert es nach wie vor, dass keine Mails an IDN-Domain-Adressen verschickt werden können – Umlaut-Domains werden schlicht und einfach nicht unterstützt.
SEO-Nachteile: Hier besteht die Gefahr, dass es bei der Verlinkung auf eine IDN-Domain Schwierigkeiten auftreten. Ältere CMS erkennen nicht immer die Schreibweise mit Sonderzeichen und noch sind auch längst nicht alle Webmaster mit Umlauten und Co. vertraut  – darunter kann die Zahl der Backlinks und Social Shares leiden, die beide wichtig sind für die Suchmaschinenoptimierung.

IDN-Domains nutzen – was solltet Ihr beachten?

Angesichts des aktuellen Stands lautet unser Rat bei der Registrierung von IDN-Domains: Kann man machen, wenn sich keine andere Möglichkeit anbieten und am besten aber nur im Rahmen einer Multidomain-Konfiguration – also der Registrierung von mehreren Domains für ein Projekt. Um Probleme zu vermeiden sollte auf jeden Fall neben der Variante mit Umlaut auch die Variante ohne Umlaut registriert werden. Diese wird dann per Weiterleitung auf die Umlaut-Domain, also die Haupt-Domain, weitergeleitet.

Darüberhinaus solltet Ihr bereit sein, Euch mit einigen technischen Hürden auseinanderzusetzen. Dazu gehört das häufige Sichtbarwerden des Punycodes, etwa beim Versand von Mails oder beim Teilen von Links. Bei letzterem Problem können Sharing-Tags helfen, die in den HTML-Quelltext eingefügt werden. Diese sorgen dafür, dass Links auch in den sozialen Netzwerken korrekt angezeigt werden.

Schwieriger ist es bei den Mail-Problemen. Hier empfiehlt es sich, sowohl für den Versand, als auch für den Empfang eine alternative Domain beziehungsweise Mail-Adresse zu nutzen. Da das den professionellen Eindruck schmälern kann, solltet Ihr genau abwägen, ob eine Umlaut-Domain für Euch wirklich in Frage kommt oder ob es eine Alternative dazu gibt.

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