Stell dir vor, du lebst auf einer kleinen Karibikinsel mit weißen Sandstränden, türkisblauem Wasser und etwa 16.000 Einwohnern. Deine Wirtschaft hängt vom Tourismus ab, Hurrikans bedrohen regelmäßig deine Existenz – und dann macht dich plötzlich ein technologischer Trend auf der anderen Seite der Welt zum Millionär. Genau das ist Anguilla passiert.
Inhaltsverzeichnis
- Vom vergessenen Länderkürzel zum digitalen Goldschatz
- Der ChatGPT-Moment verändert alles
- Tech-Giganten zahlen Höchstpreise
- Fast die Hälfte der Staatseinnahmen kommt aus dem Netz
- Aus digitalem Reichtum wird reale Infrastruktur
- Was Anguilla anders macht als andere Inselstaaten
- Die Risiken bleiben
- Was du daraus lernen kannst
Vom vergessenen Länderkürzel zum digitalen Goldschatz
1995 bekam das britische Überseegebiet Anguilla von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die Domain-Endung .ai zugewiesen – basierend auf dem internationalen Ländercode. Damals dachte niemand an Künstliche Intelligenz. Die Abkürzung stand schlicht für „Anguilla Island".
Fast drei Jahrzehnte lang dümpelte die Endung vor sich hin. 2018 brachten die .ai-Registrierungen gerade einmal 2,9 Millionen US-Dollar ein – ein nettes Zubrot, aber kaum der Rede wert. Dann kam der 30. November 2022.
Der ChatGPT-Moment verändert alles
Mit der Veröffentlichung von ChatGPT durch OpenAI begann ein beispielloser Goldrausch im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Plötzlich suchten tausende Start-ups, Tech-Konzerne und Investoren nach einer Domain, die ihre Zugehörigkeit zur KI-Revolution signalisiert. Und was könnte das besser als eine Adresse, die auf .ai endet?
Die folgende Tabelle zeigt, wie explosiv das Wachstum verlief:
| Jahr | Registrierungen (ca.) | Wachstum | Treiber |
|---|---|---|---|
| 2018 | 48.000 | – | Nischeninteresse in der Tech-Szene |
| 2019 | 62.000 | +29 % | Organisches Wachstum |
| 2020 | 86.000 | +39 % | Digitalisierung durch Pandemie |
| 2021 | 124.000 | +44 % | Wachsendes Interesse an Machine Learning |
| 2022 | 144.000 | +16 % | Vor-ChatGPT-Ära |
| 2023 | 354.000 | +146 % | Release von ChatGPT |
| 2024 | 570.000 | +61 % | Etablierung als Industriestandard |
| 2025 | 870.000+ | +53 % | Erste große Verlängerungswelle |
| 2026 | 1.036.000 (Januar) | – | Durchbrechen der 1-Million-Marke |
Das Wachstum liegt aktuell bei etwa einem Prozent pro Woche – jeden Tag werden durchschnittlich 1.500 neue .ai-Domains registriert. Innerhalb eines Jahres nach dem Start von ChatGPT hatte sich die Anzahl der Registrierungen mehr als verdoppelt.
Tech-Giganten zahlen Höchstpreise
Die prominentesten Nutzer der Endung lesen sich wie ein Who's Who der Tech-Branche: Google sicherte sich google.ai, Elon Musks KI-Unternehmen firmiert unter x.ai, Meta nutzt meta.ai und die KI-Suchmaschine Perplexity ist unter perplexity.ai erreichbar.
Auf dem Zweitmarkt werden für besonders begehrte Adressen astronomische Summen gezahlt. Der HubSpot-Mitgründer Dharmesh Shah legte für you.ai stolze 700.000 US-Dollar auf den Tisch. Die Domain wisdom.ai wechselte für 750.000 Dollar den Besitzer, cloud.ai für 600.000 Dollar. Selbst eine Adresse wie rush.ai brachte noch 300.000 Dollar.
Fast die Hälfte der Staatseinnahmen kommt aus dem Netz
Die finanziellen Auswirkungen auf den kleinen Inselstaat sind dramatisch. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Staatseinnahmen aus dem Domain-Geschäft:
| Jahr | Einnahmen (USD) | Einnahmen (EC Dollar) | Anteil am Gesamtbudget |
|---|---|---|---|
| 2018 | 2,9 Mio. $ | ~7,8 Mio. EC$ | ~4 % |
| 2022 | 7,7 Mio. $ | ~20,8 Mio. EC$ | ~6 % |
| 2023 | 32,0 Mio. $ | ~87,0 Mio. EC$ | ~21 % |
| 2024 | 39,0 Mio. $ | ~105,5 Mio. EC$ | ~23–25 % |
| 2025 (Prognose) | 93,0 Mio. $ | ~250,0 Mio. EC$ | ~47 % |
2023 vervierfachten sich die Domain-Einnahmen auf 32 Millionen US-Dollar. Für 2025 prognostiziert die Regierung Einnahmen von etwa 93 Millionen US-Dollar – das entspricht rund 47 Prozent des gesamten Staatshaushalts.
Der Grund für diesen erneuten Sprung: Da .ai-Domains immer für mindestens zwei Jahre registriert werden, stand 2025 die erste große Verlängerungswelle der 2023 registrierten Domains an. Mit einer Erneuerungsrate von rund 90 Prozent wirkt dieser Mechanismus wie ein Zinseszinseffekt für die Staatskasse.
Aus digitalem Reichtum wird reale Infrastruktur
Die Regierung von Anguilla investiert den unverhofften Geldsegen klug. Der Flughafen wird ausgebaut, um größere Maschinen direkt aus den USA und Europa empfangen zu können. Neue Schulgebäude entstehen, darunter ein moderner IT-Block für die Vivien Vanterpool Grundschule. Das Krankenhaus erhielt ein MRI-Gerät und neue Dialysemaschinen – Untersuchungen, für die Einwohner früher auf Nachbarinseln fliegen mussten.
Besonders spürbar für die Bevölkerung: Die Wohnimmobiliensteuer wurde komplett abgeschafft, und alle Bürger über 70 Jahre erhalten kostenlose medizinische Versorgung. Die Regierung hat außerdem einen Staatsfonds angekündigt, um die Einnahmen für künftige Generationen zu sichern.
Was Anguilla anders macht als andere Inselstaaten
Der Erfolg Anguillas ist kein Zufall. Während Tokelau seine .tk-Domain praktisch kostenlos vergab und damit zum Paradies für Spam und Phishing wurde, hielt Anguilla die Preise bewusst hoch. Eine .ai-Domain kostet rund 140 bis 150 Euro für zwei Jahre – das Zehn- bis Zwanzigfache einer .com oder .de-Adresse.
Diese Premium-Strategie wirkt als Qualitätsfilter. Wer bereit ist, diesen Preis zu zahlen, meint es ernst mit seinem Projekt. Das Ergebnis: .ai gilt als seriöse, spamfreie Zone – ein entscheidender Vertrauensfaktor für KI-Unternehmen, die das Vertrauen ihrer Nutzer gewinnen müssen.
Anders als Tuvalu, das seine .tv-Domain gegen eine fixe Jahresgebühr von etwa 10 Millionen Dollar verpachtet, partizipiert Anguilla direkt am Verkaufsvolumen. Das bedeutet: Je mehr der KI-Markt wächst, desto mehr verdient die Insel.
Die Risiken bleiben
Premierminister Ellis Webster warnt trotz der Euphorie vor zu viel Abhängigkeit. „Wir können nicht vorhersagen, wie lange das anhalten wird", betont er regelmäßig. Die Start-up-Sterblichkeit ist hoch – viele der 2023 gegründeten KI-Firmen könnten bis zur nächsten Verlängerung nicht mehr existieren.
Langfristig könnte auch die Art, wie wir das Internet nutzen, den Wert von Domains verändern. Wenn Menschen zunehmend über KI-Assistenten statt über Browser auf Inhalte zugreifen, verliert die „sprechende" Webadresse an Bedeutung.
Was du daraus lernen kannst
Die Geschichte von Anguilla zeigt, wie wertvoll die richtige Domain sein kann. Eine Webadresse ist mehr als nur eine technische Notwendigkeit – sie kommuniziert Identität, Branche und Professionalität. Das gilt nicht nur für KI-Start-ups mit .ai-Adressen, sondern für jedes Unternehmen.
Eine passende Domain schafft Vertrauen, bleibt im Gedächtnis und kann sogar zum Markenwert beitragen. Ob du dich für eine klassische .de-Adresse entscheidest, die Seriosität und lokale Verankerung signalisiert, oder eine kreative Endung wählst, die zu deiner Branche passt – die Domain ist oft der erste Eindruck, den potenzielle Kunden von dir bekommen.
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