Als Solo-Unternehmer gründen

Beim Thema Unternehmensgründung beherrschen Startups die Schlagzeilen. Coole, junge Teams aus drei, vier oder fünf kreativen Köpfen, die was mit Internet machen. Tatsächlich erfolgt ein weitaus größerer Teil an Gründungen jedoch durch Einzelunternehmer. Aktuell existieren zirka zwei Millionen sogenannter Einzelunternehmen in Deutschland. Dahinter verbergen sich Freiberufler und Selbstständige ebenso wie Solopreneure. Ob im Team oder lieber alleine gegründet wird, ist auf der einen Seite eine Typfrage. Auf der anderen Seite hängt aber auch von der Geschäftsidee ab – denn nicht jedes Konzept lässt sich im Alleingang umsetzen.

Wie werde ich zum Einzelunternehmer?

Aus rechtlicher Sicht ist die Sache ganz einfach: Zum Einzelunternehmer wird automatisch jeder, der als Freiberufler oder Gewerbetreibender sein eigenes Geschäft (das auch ein Büro sein kann) eröffnet und beim Finanzamt eine Steuernummer beantragt. Wer ein Gewerbe betreibt, muss außerdem zum Gewerbeamt. Je nach Unternehmensart ist außerdem ein Eintrag ins Handelsregister nötig. Insgesamt hält sich der Aufwand jedoch sehr in Grenzen – ein wesentlicher Grund dafür, dass das Einzelunternehmen die häufigste Unternehmensform ist.

Große Freiheit vs. große Verantwortung

So einfach wie die Gesetzeslage ist, so schwierig ist oft die Frage, ob man den Sprung in die Selbstständigkeit wirklich alleine wagen soll. Gründer-Coach Ehrenfried Conta Gromberg rät dazu, sich als Ausgangsbasis genau zu befragen und diese Fragen natürlich auch ehrlich zu beantworten:

  • Weshalb will ich mich selbstständig machen?
  • Kann ich meine Idee aus eigener Kraft umsetzen?

Für eine Gründung im Alleingang spricht es, wenn Unabhängigkeit und Freiheit ganz oben auf der Liste stehen und wenn die Geschäftsidee nicht allzu komplex ist. Denn wirklich große Projekte mit vielfältigen Aufgaben brauchen ein Team – ein Einzelunternehmer arbeitet sich daran auf. Dazu kommen die oft hohen finanziellen Einstiegshürden. Einzelkämpfer haben es schwer, an Gelder von Banken oder Investoren heranzukommen – und aus den eigenen Ersparnissen lässt sich in der Regel auch nicht die ganz große Nummer finanzieren.

Vorteile eines Alleingangs

Der ganz große Vorteil ist sicherlich die große Freiheit, die man als alleiniger Gründer genießt. Man kann seine Projekte nach seinen eigenen Vorstellungen entwickeln, kann sich seine eigenen Arbeitszeiten geben und seine eigenen Ziele setzen. Man muss schlicht und einfach keine Rücksicht auf Mitgründer und deren Befindlichkeiten nehmen. Das hört sich vielleicht nach einer Kleinigkeit an. Aber jeder, der schon einmal einen Geschäftspartner hatte, der mit dauerhaft schlechter Laune, plötzlich ganz anderen Vorstellungen oder ständiger Angst vor Geschäftseinbrüchen genervt hat, weiß vermutlich, was ich meine.

Dazu kommt, dass sich viele Prozesse sehr effizient gestalten lassen. Ohne Abstimmungsprozesse in einer Gruppe lassen sich gute Ideen schnell und unkompliziert in die Realität umsetzen. Man muss nicht darauf warten, bis sich auch alle anderen in Bewegung gesetzt oder ihre Bedenken geäußert haben.

Wer alleine arbeitet, ist darüber hinaus sehr flexibel, auch was die eigene Geschäftsidee angeht. Der ursprüngliche Ansatz erweist sich als nicht tragfähig? Als Einzelunternehmer kann man das Konzept immer weiter anpassen, bis es richtig läuft. Es gibt ja keine Angestellten oder Partner, die plötzlich ohne Aufgabe dastehen, weil das Geschäft eine ganz neue Ausrichtung bekommen hat.

Ein weiteres Plus: Die Fixkosten sind gering. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Unternehmen genügend Geld für einen oder für fünf Mitarbeiter abwerfen muss. zu Gehältern und Versicherungen kommen ja zum Beispiel auch noch Kosten für ein ausreichend großes Büro inklusive Infrastruktur. Wer alleine ist, kann zumindest anfangs auch gut im Home-Office arbeiten und sich so viel Miete sparen. Wobei Kosten gering halten niemals heißen darf, an der falschen Stelle zu sparen. Investieren gehört bei der Unternehmensgründung einfach dazu – Marktingmaßnahmen etwa gibt es einfach nicht umsonst.

Viel Licht – viel Schatten

Die Kehrseite der Medaille: Wer Unabhängigkeit und Freiheit möchte, muss dafür die Verantwortung tragen –  in diesem Fall komplett alleine. Das gilt je nach gewählter Unternehmensform rechtlich für die Haftung, aber auch im ganz normalen Arbeitsalltag. Einzelunternehmen müssen viele Aufgaben und Rollen übernehmen. Sprich: Wer alleine viel stemmen möchte, muss über entsprechend viele Fähigkeiten verfügen – etwa neben seinem eigentlichen Beruf zum Beispiel auch noch Marketing-Talente haben.

Natürlich lassen sich viele Aufgaben einfach outsourcen. Die Frage ist aber, ob man sich das leisten kann und ob es nicht auf Kosten der Unabhängigkeit geht, wenn man sich bei einem Großteil seiner Aufgaben auf externe Dienstleister verlassen muss.

Ein ganz großes Minus ist natürlich, dass man als Einzelgründer mit seiner Idee weitgehend alleine ist. Natürlich kann man sich mit Freunden oder Familie darüber austauschen – aber die Intensität des Austauschs wird nicht die gleiche sein wie in einem Gründungsteam. Laufen die Dinge mal schief, ist niemand da, der mit einem die Durststrecken durchsteht und die Tiefschläge verarbeitet.

Dazu kommt die Außenwahrnehmung: Wer nicht nur Unternehmer, sondern auch Sekretärin, Buchhalter und Marketing-Verantwortlicher in einer Person ist, wird nach wie vor oft nicht für voll genommen. Könnte einem im Prinzip natürlich egal sein – wenn einem dadurch nicht größere Aufträge entgehen würden oder die Bank plötzlich rumzickz.

Ist ein Selbstständiger auch ein Solopreneur?

Manchmal. Wobei das Solopreneure vermutlich nicht so gerne hören. Denn mit dem Solopreneur ist in den vergangenen Jahren ein ganz neuer Unternehmertyp entstanden, der irgendwo zwischen dem klassischen Selbstständigen und dem hippen Startup rangiert. Im Unterschied zu Freelancern und vielen anderen Selbstständigen hat der Solopreneur kein Interesse daran, für andere Unternehmen zu arbeiten, sondern baut gezielt sein Unternehmen auf.

Die Perspektive ist dabei, dass das Geschäft sich irgendwann mehr oder weniger verselbstständigt. Es ist von Anfang an auf Wachstum ausgelegt, aber ohne das dafür Angestellte mit in die Firma geholt werden müssen. Statt auf ein Team setzt der Solopreneur auf ein Netzwerk aus Freelancern, Agenturen und anderen Unternehmen – er holt sich immer genau die Spezialisten an Bord, die er gerade braucht.

Natürlich kann auch ein Selbstständiger zum Solopreneur werden: Wenn ich als Texterin nicht nur meine eigentliche Arbeit gut mache, sondern darüber hinaus auch in der Akquise und der Selbstvermarktung geschickt bin, kann ich mehr Aufträge an Land ziehen, als ich selbst bewältigen kann. Die source ich dann an Kollegen aus (und verdiene natürlich an deren Arbeit mit). Ziel könnte es auf Dauer sein, nur noch Aufträge zu vermitteln, Kontakte zu koordinieren und zu beraten – alle anderen Aufgaben werden ausgelagert.

Networking ist Pflicht

Wer alleine an den Start geht, muss deshalb noch lange nicht alleine auf weiter Flur stehen. Erforderlich ist lediglich ein wenig Kontaktfreude und der Mut, auf anderen Menschen und Unternehmen zuzugehen. Networking ist für Einzelunternehmer ein Muss. Wer nur in seinem Home-Office vor sich hinwerkelt, vereinsamt nicht nur. Er beraubt sich auch der Chance, dass mehr Menschen seine Business-Idee kennenlernen und nutzen.

Gründer sollten sich deshalb Networking-Termine wie Business-Lunches, Fortbildungen, Seminare, Vorträge oder andere Events fest in ihren Terminplan schreiben. Und wer vor lauter Arbeit für sowas keine Zeit hat: Vom Solopreneur lernen, Geld in die Hand nehmen und Aufgaben auslagern. Wer zum Beispiel die Buchaltung an den Steuerberater übergibt, schaufelt sich damit jeden Monat ordentlich Zeit frei.

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