Blog-Etikette: Die wichtigsten Do’s und Don’ts

Die (Internet-)Welt könnte so schön sein, wenn wir uns alle an ein paar grundlegende Regeln halten und zivilisiert miteinander umgehen würde. Tatsache ist jedoch: Nirgends wird so viel geschimpft, beleidigt und gemobbt wie im Netz – ist schließlich alles so schön anonym… Auch Klauen und Verleumden kommen häufiger vor. Als Blogger sollte man sich deshalb von Anfang an eine dicke Haut zulegen. Man muss sich aber auch längst nicht alles gefallen lassen. In diesem Artikel erfahrt Ihr, welche Regeln Ihr als Blogger beachten solltet und wie Ihr Euch wehren könnt, wenn Eure Rechte verletzt werden.

Dein Blog – kein rechtsfreier Raum

Dein Blog gehört Dir und deshalb kannst Du dort alles schreiben, was Du möchtest. Zumindest im Prinzip. Denn Blogs sind keine rechtsfreien Räume. Für Dich als Blogger heißt das: Es gibt eine Reihe von Regeln, an die Du Dich unbedingt halten solltest, weil die sonst juristische Probleme bekommen könntest. Außerdem gibt es noch ein paar ungeschriebene Blogger-„Gesetze“, gegen die Du ebenfalls nicht verstoßen solltest, um nicht die Community gegen Dich aufzubringen.

Die meisten dieser Regeln sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit und Teil einer normalen Erziehung. Doch wer sich in den Weiten der Blogosphäre umsieht, wird häufiger mal feststellen: Im Netz vergessen viele Leute ihr gutes Benehmen. Mal sind es Blogger selbst, die übers Ziel hinausschießen, mal sind es Kommentatoren, die sich im Ton vergreifen. Unabhängig davon, von welcher Seite solche Ausfälle kommen: Sie sind unangebracht und vergiften das Klima. Manchen Blogger hat das schon zum Aufgeben oder in eine Auszeit getrieben.

Tipp: Jeder Fall ist anders

Für Euch wichtig zu wissen: Unsere Tipps hier sind Richtlinien und bewusst allgemein gehalten. Denn letztendlich ist es im rechtlichen Bereich leider einfach so, dass jeder Fall individuell gesehen werden muss.

Die rechtliche Lage im Internet ist größtenteils so undurchschaubar und umstritten, dass wir Euch hier nur auf die wichtigsten Punkte hinweisen können, mit denen Blogger immer wieder zu kämpfen haben. Tatsächlich gibt es aber immer wieder Ärger wegen Dingen, an die kein normaler Mensch denken würde. Deshalb: Checkt Euren Blog lieber doppelt und dreifach und vor allen Dingen immer wieder auf mögliche rechtliche Schwachstelllen, um Abmahnern so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten!

Wenn Ihr ein spezielles Problem habt oder Euch bei etwas unsicher seid, wendet Euch an einen Anwalt, der sich mit der Internet-Thematik beziehungsweise Urheberrechten gut auskennt. Denn wir können und dürfen Euch hier keine konkreten Hinweise zu individuellen rechtlichen Problemen geben.

Absolut verboten: Beleidigungen, falsche Behauptungen und Gerüchte

Die Anonymität des Netzes macht es leicht, einfach mal Dampf abzulassen. Man hat sich über ein Unternehmen, einen Konkurrenten oder einen Nachbarn geärgert und schreibt in seiner Wut alles zack-zack in einem Blogeintrag nieder – die Hemmschwelle ist da oft wesentlich niedriger, als wenn man dem anderen seine Meinung face to face mitteilen würde. Der Haken an der Sache: Im Netz sind Beleidigungen ebenso verboten wie im echten Leben.

Niemand muss sich von Bloggern auf unterstem Niveau beschimpfen lassen, Gerüchte einfach so hinnehmen oder mit rufschädigenden Lügen leben. Das ist ganz klar im Gesetz geregelt. Laut dem entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch drohen in solchen Fällen Geld- und Freiheitsstrafen.

Bevor Ihr also jemand anderen im Affekt mit „netten“ Wörtern bedenkt oder im Netz kursierende Gerüchte weiterbloggt, lasst die Sache lieber noch mal liegen und schlaft eine Nacht drüber – denn was einmal im Netz unterwegs ist, ist kaum noch einzufangen, wenn Ihr Euren Beitrag später bereut. Zumal der Beleidigte dann vielleicht schon Screenshots Eures Vergehens angefertigt und damit eindeutige Beweise hat. Das Netz ist riesig, aber trotzdem oft ein kleines Dorf…

Tabu: Kopieren und abschreiben

Jeder Blogger kennt diese Tage oder Wochen, an denen neue Posts längst überfällig sind, man aber selber keine guten Ideen oder schlicht und einfach nicht genügend Zeit hat. Vermeintlich besonders schlaue Menschen setzen in solchen Situationen gerne auf copy und paste. Doch sich ungefragt bei anderen Bloggern (oder im Netz ganz allgemein) zu bedienen, ist nicht nur unfair, sondern verstößt gegen das Gesetz. Die Beiträge anderer Blogger (beziehungsweise von Autoren allgemein) sind durch das Urheberrecht geschützt.

Deshalb gilt immer die Regel: Wenn Ihr Texte, Fotos oder Videos anderer Urheber auf Eurem Blog veröffentlichen wollt, fragt vorher nach deren Genehmigung und lasst Sie Euch schriftlich geben. Das vermeidet Ärger im Nachhinein. Könnt Ihr den Urheber nicht ermitteln, lasst besser die Finger davon.

Genau wie beim Thema Beleidigungen könnt Ihr auch beim Kopieren davon ausgehen, dass Euer Fehltritt nicht in der Anonymität des Netzes untergehen wird. Wer so schlau ist und sich zum Beispiel bei großen Nachrichtenportalen bedient – nach dem Motto: Denen tut das doch nicht weh – kann mit fast hundertprozentiger Sicherheit mit Post von einem Anwalt rechnen. Große Presseagenturen verfolgen mit spezieller Software akribisch nach, wer wann was veröffentlicht. Dazu kommen spezialisierte Agenturen und Kanzleien, die über Abmahnungen das große Geld machen (auch wenn die Abmahnungen längst nicht immer berechtigt sind, wie zum Beispiel dieser Beitrag des NDR-Magazins „Zapp“ zeigt).

Achtung: Mit dem Kopieren von Inhalten schadet Ihr Urhebern unter Umständen doppelt – und Euch selbst auch. Denn durch das Kopieren entsteht sogenannter „duplicate content“. Dieser wird von Suchmaschinen wie Google negativ bewertet. Das heißt, dass beide betroffenen Seiten bei den Suchergebnissen abgewertet werden können.

Nicht nur in der Doktorarbeit: Richtig zitieren

Zitate solltet Ihr kennzeichnen und auf die Quelle verlinken. Screenshot: S. Cantzler
Als WordPress-Nutzer findet Ihr unter den Formvorlagen eine Möglichkeit, Zitate im Text eindeutig zu markieren. Screenshot: S. Cantzler

Natürlich ist es nicht komplett verboten, Inhalte von anderen Seiten zu übernehmen. Es kommt dabei immer auf den richtigen Umgang mit fremden Inhalten und das passende Maß an. Wenn Ihr Euch zum Beispiel mit einem Post an einer aktuellen Diskussion beteiligt, ist es oft sinnvoll, Zitate aus anderen Blogs in Euren Text zu übernehmen. Diese Zitate solltet Ihr aber entsprechend kennzeichnen.

Kurze Zitate innerhalb des Textes setzt Ihr in Anführungszeichen. Zitiert Ihr längere Passagen, könnt Ihr die Formvorlage „Zitat“ nutzen. Als WordPress-Nutzer findet Ihr diese in der rechten Seitenspalte bei den Formatvorlagen. Die Passage wird dann durch Einrücken und Kursivsetzen als Zitat kenntlich gemacht. Darüber hinaus solltet Ihr natürlich auf jeden Fall die Quelle nennen und zum Urheber verlinken.

Stichwort: Texte einscannen

In der Lokalzeitung oder einem Magazin ist ein Text über Dich oder Dein Unternehmen erschienen? Der erste Reflex ist bei vielen Menschen in solchen Fällen, diesen Erfolg online zu teilen. Doch auch wenn es ein Text über Dich ist – er ist leider nicht von Dir. Deshalb gilt auch hier: Bitte weder den kompletten Text online auf Deine Seite kopieren noch die Papierausgabe einscannen und dann das PDF auf Deinen Blog packen. Das verstößt gegen das Urheberrecht, selbst mit korrekt angegebener Quelle.

Tipp: Wendet Euch in solchen Fällen am besten direkt an die Redaktion und fragt nach, ob Ihr den Text auf Eure Seite stellen dürft. Lasst Euch die Genehmigung in jedem Fall schriftlich geben und klärt den genehmigten Rahmen ab.

Texte im Nachhinein ändern – ja oder nein?

Jeder macht Fehler. Auch als Blogger kann man mal daneben liegen und etwas Falsches in einem Beitrag schreiben. Manchmal erkennt man selber den Fehler. Sehr oft machen einen Nutzer darauf aufmerksam. Die Frage ist: Wie gehe ich mit den nötigen Korrekturen um? Ändere ich stillschweigend den Beitrag, verfasse ich einen neuen oder markiere ich jede nachträgliche Änderung?

Tatsächlich gibt es in diesem Fall keine feste Regel. Grundsätzlich gilt aber immer: So transparent wie möglich arbeiten. Stillschweigende Änderungen sind deshalb aus meiner Sicht die schlechteste Lösung. Wenn Ihr den Hinweis auf Änderungen nicht direkt im Text anbringen wollt, könnt Ihr zum Beispiel einen kleinen Nachsatz am Ende einfügen.

Viele Blogger arbeiten mit der Durchstreich-Methode, bei der der geänderte Begriff bzw. die abgeänderte Passage mit der entsprechenden Funktion im Editor gestrichen wird. So ist nicht nur auf den ersten Blick zu erkennen, dass etwas korrigiert wurde, sondern es bleibt auch der ursprüngliche Inhalt sichtbar – transparenter geht es nicht.

Egal wie Ihr das Thema Änderungen handhabt: Wichtig ist, dass Ihr auf Anmerkungen Eurer Nutzer eingeht, dass Ihr Fehler eingesteht und kritikfähig seid – der Ton im Netz mag oft rauh sein, trotzdem solltet Ihr versuchen, nicht alles persönlich zu nehmen und genügend Distanz zu wahren, um zu erkennen, wenn wirklich etwas schiefgelaufen ist.

Stichwort: Verlinken

An dieser Stelle können wir uns ganz kurz fassen: Links sind erlaubt. Wenn Ihr in Eurem eigenen Text einen Link setzt auf einen anderen Beitrag, dann bildet Ihr diesen Beitrag schließlich nicht ab, sondern verweist darauf. Deshalb gibt es damit auch keinen Ärger, sondern auf der Seite des Verlinkten in der Regel große Freude, da über den Link ja entsprechend mehr Publikum gewonnen wird.

Rechtliche Fallen vermeiden

Stichwort: Namensfindung

Die erste Herausforderung wartet auf Euch, lange bevor Ihr den ersten Blogbeitrag schreibt: Die Namenswahl. Ihr müsst nicht nur einen Namen finden, der noch frei ist (und dabei einprägsam, sinnvoll, kurz, originell…) – Ihr müsst den Namen auch so wählen, dass er nicht die Rechte Dritter verletzt. Konkret bedeutet das zum Beispiel, keine Marken- oder Unternehmensmarken zu übernehmen. Bekannte Unternehmen und Marken haben in der Regel ein Vorrecht an ihren Namen, auch wenn es um die Registrierung von Domains, Webseiten und eben Blogs geht.

Ebenfalls tabu sind die Namen bekannter TV-Sendungen, Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

Und falls Ihr Euer Blog nach der geschätzten Frau Nachbarin oder dem Lieblingsschauspieler benennen wollt: Das ist leider auch keine gute Idee, sondern eine Verletzung des Namensrechts (die genaue Regelung dazu findet sich in §12 BGB).

Leider gibt es keine zentrale Stelle, in der alle Namen und Kennzeichnungsrechte verzeichnet sind. Ihr müsst also selber recherchieren und das möglichst gründlich. Dabei könnt Ihr Euch an diesen Punkten entlanghangeln:

  • Checkt Eure Namensidee in verschiedenen Suchmaschinen. Gibt es einen gleichlautenden oder ähnlichen Blog/eine Marke/ein Unternehmen/ein Promi irgendwo im Netz oder der realen Welt?
  • Analysiere das Handelsregister: Gibt es Unternehmen mit dem gleichen oder einem ähnlichen Namen? Einen Einblick in das Handelsregister gibt es online beim Bundesanzeiger.
  • Für Marken gibt es eigene Markenregister. Nationale Marken in Deutschland können über ein entsprechendes Verzeichnis beim Deutschen Patent- und Markenamt abgefragt werden.
  • Für alle, die ganz sicher gehen wollen: Im Zweifelsfall kann es sich lohnen, auf die Dienste eines spezialisierten Anwalts zurückzugreifen. Aber dafür muss natürlich entsprechend tief in die Tasche gegriffen werden.

Stichwort: Impressum

Foto: panthermedia/Michael Novelo

Braucht Euer privater Blog überhaupt ein Impressum? Nein, sagt zumindest das Oberlandesgericht Hamburg in einem richtungsweisenden Urteil. Womit sich gleich die nächste Frage anschließt: Warum haben dann so viele Blogs ein Impressum? Auch das hängt weitestgehend mit der rechtlichen Unsicherheit im Netz zusammen. Die neuen Medien sind schnell, die Justiz hinkt meistens hinterher und deshalb ist vieles nicht eindeutig geregelt. Oder Regelungen sind schon wieder überholt, wenn sie denn mal endlich stehen.

Verkürzt lässt sich zum Thema Impressum sagen: Sobald Ihr vorhabt, mit Eurem Blog auch Geld zu verdienen (zum Beispiel mit Werbung), ist Euer Vorhaben nicht mehr privat, sondern gewerblich. Und dann braucht Ihr ein Impressum, selbst wenn Ihr nur ein paar Euros als Einnahmen habt.

Ausführliche Informationen zum Thema Impressum findet Ihr direkt hier im checkdomain-Blog.

Alles nur geklaut? Wie Ihr Euch gegen Content-Diebstahl und Copycats wehrt

Originell, einzigartig, sorgfältig erstellt: Unique content mit Anspruch ist beim Bloggen viel mehr als die halbe Miete. Und jeder Blogger weiß, wieviel Arbeit und Zeit er investieren muss, um sich diese Miete zu verdienen. Umso ärgerlicher, wenn es Menschen gibt, die andere Blogs offenbar als Selbstbedienungsladen sehen und sich großzügig an fremden Texten und Bildern bedienen, um diese auf ihren Seiten zu zeigen. Während solche Content-Diebe mit ein wenig Knowhow leicht zu finden sind, kommt man den sogenannten Copycats oft nur schwer auf die Spur. In diesem Beitrag zeigen wir, was den Content-Dieb von der Kopierkatze unterscheidet und was Ihr gegen beide Plagen unternehmen könnt.

Vom Content-Dieb…

Der Begriff Content-Klau sagt eigentlich schon alles: In diesem Fall werden Deine Inhalte eins zu eins von einer anderen Seite übernommen – manchmal ein Text, manchmal Bilder, manchmal auch eine ganze Reihe von Beiträgen. Diese Diebstähle können aus Unwissenheit, Naivität und fehlendem Unrechtsbewusstsein passieren: Es gibt immer wieder Blogger-Kollegen, die denken nicht zweimal drüber nach, wenn sie ein tolles Bild sehen oder einen guten Artikel lesen. Die fragen auch nicht nach – die setzen einfach auf copy und paste.

Diese Fälle sind aber eher die Ausnahme. Das viel größere Problem sind professionelle Content-Diebe, die die Inhalte anderer Seiten systematisch absaugen, auf ihre eigenen Seiten packen und dann mit Werbeanzeigen Geld verdienen – mit nahezu null eigener Arbeit. Um den „Arbeitsaufwand“ zu minimieren, werden Scripts genutzt, die die RSS-Feeds von Blogs auslesen.

Mit entsprechenden SEO-Kenntnissen können diese Content-Diebe es schaffen, dass ihre Seiten mit geklauten Inhalten in den Suchmaschinen vor den beklauten Blogs landen. Oder mit anderen Worten: Es werden Euch nicht nur die Inhalte geklaut, sondern auch noch jede Menge Traffic.

…zur Copycat

Copycats sind im Vergleich dazu eine eher harmlose Spezies, können aber trotzdem nerven. Mit dem Begriff Copycats sind die Blogger gemeint, die sich von den Beiträgen anderer nicht nur inspirieren lassen, sondern deren Ideen übernehmen und auf dem eigenen Blog in ganz leicht abgewandelter Form präsentieren – also etwa einen Text etwas umschreiben und ihm eine neue Überschrift geben, Blogaktionen übernehmen…

In der professionellen Variante verdienen Copycats mit dem Kopieren fremder Werke auch Geld: Wenn Texter zum Beispiel über bestimmte Online-Börsen für sehr kleine Honorare möglichst schnell Texte zusammenschustern müssen, wird sich häufig auf anderen Seiten bedient und aus einzelnen Elementen ein neuer Beitrag gebaut. Eure Posts werden dabei so geschickt verändert, dass auch Suchmaschinen die Kopie nicht immer erkennen.

Ob Copycat oder Content-Dieb – ärgerlich ist beides. Wirklich etwas in der Hand habt Ihr allerdings nur bei Content-Diebstahl. Denn Eure Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Ideenklau dagegen ist zwar alles andere als nett, verstößt aber nicht gegen das Recht – denn Ideen sind nicht geschützt.

Je nachdem, wie professionell Ihr Euren Blog betreibt, können beide Fälle einen ernsthaften Schaden bedeuten. Denn Suchmaschinen können zwar sogenannten Duplicate Content  – also doppelte Inhalte, die zum Beispiel durch copy and paste entstehen – identifizieren. Sehr oft können sie aber nicht feststellen, was Original und was Kopie ist. Deshalb werden auch immer wieder die Originale anstelle der Kopien bestraft – mit einer Zurückstufung beim Ranking in den Trefferlisten, was sich sehr schnell auf den Traffic auswirken kann. Wer großes Pech hat, dem wird die Domain sogar komplett aus dem Index gestrichen.

Wie merke ich, dass ich beklaut worden bin?

Mit Onlinediensten wie Copyscape könnt Ihr das Netz systematisch nach Plagiaten Eurer texte absuchen. Screenshot: CopyScape
Mit Onlinediensten wie Copyscape könnt Ihr das Netz systematisch nach Plagiaten Eurer texte absuchen. Screenshot: CopyScape

Wenn Euch jemand den Geldbeutel oder das Smartphone aus der Tasche zieht, ist die Sache klar: Ihr seid beklaut worden. Ab zur Polizei, den Diebstahl anzeigen und dann gucken, was passiert. Wenn Euch als Blogger Inhalte geklaut werden, merkt Ihr erstmal nichts. Die Inhalte sind ja – im Gegensatz zum Geldbeutel – noch da. Oft wird diese Form des Diebstahls nur zufällig bemerkt, etwa weil jemand über einen geklauten Beitrag stolpert und Dir Bescheid gibt. Misstrauisch solltet Ihr werden, wenn Ihr immer einen stabilen beziehungsweisen wachsenden Traffic hattet, der dann aber plötzlich einbricht.

Bei einem Verdacht habt Ihr verschiedene Möglichkeiten, Euch auf die Suche zu machen. Am einfachsten ist die manuelle Variante: Bei Google oder einer anderen Suchmaschine einen markanten Abschnitt aus einem Beitrag – in Anführungszeichen gesetzt – in die Suchmaske eingeben und dann die Ergebnisse durchsehen beziehungsweise auf Übereinstimmungen hin überprüfen. Alternativ können auch auffällige Begriffe (etwa selten verwendete Fremdwörter) gecheckt werden.

Für eine automatisierte Recherche können Dienste wie Copyscape genutzt werden. Bei Copyscape tragt Ihr die URL des Original-Beitrags in der Suchmaske ein. Copyscape liefert Euch dann gegebenenfalls eine Trefferliste mit Kopien des Originals beziehungsweise von Webseiten, auf denen Auszüge gefunden wurden. Copyscape soll sogar in der Lage sein, abgewandelte Kopien zu finden. Die Nutzung des Onlinedienstes ist es kostenlos, allerdings können nur bis zu zehn Anfragen monatlich für eine URL eingegeben werden. Zudem werden nur zehn Treffer angezeigt. In der kostenpflichtigen Premiumversion verfügt Copyscape über erweiterte Funktionen bis hin zu einer vollautomatischen Doubletten-Überprüfung.

Wer hat dein Bild geklaut? TinEye hilft Dir dabei, den Dieb zu finden. Screenshot: TinEye
Wer hat dein Bild geklaut? TinEye hilft Dir dabei, den Dieb zu finden. Screenshot: TinEye

Alternativen zum Klassiker Copyscape sind unter anderem Plagium und Copygator (speziell zur Überwachung des RSS-Feeds). Der Dienst TinEye ist dagegen auf die Suche nach gestohlenen Bildern spezialisiert.

Da der Content-Diebstahl wie gesagt oft nur durch Zufall auffällt, ist es auf jeden Fall sinnvoll, entsprechende Suchen regelmäßig vorbeugend durchzuführen – so könnt Ihr Euch vor weitreichenden Folgen besser schützen.

Was tun, wenn ich beklaut worden bin?

Sobald Ihr einen Diebstahl feststellt, solltet Ihr als erstes Beweise sichern – also zum Beispiel einen Screenshot der entsprechenden Seiten anfertigen. Dann heißt es erst einmal kühlen Kopf zu bewahren und herauszufinden, wie schwer der Diebstahl wiegt. Hat Euch jemand vielleicht nur aus Unwissenheit beklaut? Dann hilft oft schon eine kurze Mail an den Bloggerkollegen und das Problem ist – durch eine Entschuldigung und das Löschen des Artikels – aus der Welt geschafft.

Wichtig ist, dass Ihr die Verhältnismäßigkeit wahrt. Natürlich ist so ein Diebstahl ärgerlich. Trotzdem solltet Ihr nicht gleich die ganz großen Geschütze auffahren und schwere Vorwürfe machen. Vieles lässt sich auch freundlich klären.

Habt Ihr den Eindruck, dass professionelle Diebe am Werk sind, müsst Ihr natürlich etwas mehr Druck machen. Auch hier solltet Ihr erstmal den Verantwortlichen anschreiben (eventuell muss dieser über eine WHOIS-Anfrage ermittelt werden) und verlangen, dass die Texte gelöscht werden. Kommt keine Reaktion, könnt Ihr bei Google einen sogenannten DMCA-Antrag stellen – einen Antrag auf Löschung aus dem Google-Index aufgrund von Urheberrechtsverletzungen.

Pranger oder Anwalt?

Den Vorgang an die Öffentlichkeit zu bringen kann den Druck auf Diebe und Kopierer ebenfalls enorm erhöhen. Verfügt Ihr über ein großes Publikum in Eurem Blog oder in den sozialen Netzwerken, könntet Ihr auch dort einen entsprechenden Bericht platzieren – bitte aber auch wieder hier sachlich und so zurückhaltende wie möglich bleiben, um Euch nicht selber Ärger mit der Gegenseite einzufangen.

Immer der letzte Schritt sollte der Gang zum Anwalt bleiben, da er mit hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden ist und die Erfolgsaussichten oft nur gering. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts könnt Ihr zum Beispiel eine Abmahnung erwirken. Da professionelle Content-Diebe ihr Unwesen aber oft außerhalb Deutschlands beziehungsweise der EU treiben, sind sie entsprechend schwer zu greifen.

Wie kann ich mein geistiges Eigentum schützen?

Wie auch sonst im Leben gibt es keine hundertprozentigen Sicherheiten. Aber es gibt ein paar Alarmanlagen, mit denen Ihr Euren Blog schützen könnt. So könnt Ihr Euch als WordPress-Nutzer beispielsweise das Copyright-Plugin installieren, das Euren RSS-Feed mit einem „digitalen Fingerbadruck“ versieht – damit kommt Ihr dann sehr schnell großen Netzwerken auf die Spur, die professionell und illegal Geld mit der Arbeit von Bloggern verdienen.  Viele weitere Tipps zur Diebstahlsvorbeugung findet Ihr auf der Seite contentklau.de.

Keine Macht den Trollen

Kommentare sind der einfachste Weg für Blogger und Leser, miteinander in direkten Kontakt zu kommen. Für viele Blogger sind sie nach wie vor ein Gradmesser ihres Erfolgs, auch wenn Kommentare heute längst nicht mehr die Bedeutung haben wie noch vor ein paar Jahren. Kommentare können Denkanstöße ebenso wie neue Themenideen liefern oder Diskussionen in Gang bringen. Und dann sind da noch die Kommentare, über die man sich als Blogger ärgert und die manchmal auch wirklichen Ärger machen können – verfasst von sogenannten Trollen.

Was sind eigentlich Trolle?

Wie im Märchen sind Trolle auch im Netzleben eine ziemliche Plage. Es handelt sich dabei um Menschen, die gezielt mit destruktiven Kommentaren die Diskussionen in Blogs (zer-)stören wollen und versuchen, Communitys zu sprengen. Laut Forschern der Universität Mannitoba im kanadischen Winnipeg, die in einer Studie die Persönlichkeit von Trollen unter die Lupe genommen haben, handelt es sich bei den Störern um „typische Alltagssadisten“. Trollen bereite es Vergnügen, andere zu stressen und zu demütigen – und das Internet sei dabei ihr Spielplatz.

Trolle halten sich nicht an die Netiquette oder andere im Blog vorgegebene Spielregeln. Vernünftigen Argumenten sind sie nicht zugänglich. Ihnen geht es darum, Konflikte weiter zu schüren. Besonders anfällig für Troll-Befall sind Blogs, die eher kontroverse Themen behandeln – aber wirklich sicher kann niemand vor diesen Unruhestiftern sein.

Was tun gegen Trolle?

Wenn Ihr merkt, dass ein Troll sich bei Euch breitgemacht hat, heißt es erstmal: Ruhe bewahren! Reagiert auf seine provozierenden Kommentare entweder gar nicht oder mit kühlem Kopf und sehr zurückhaltend. Lasst Euch auf keinen Fall auf das Troll-Niveau herab, bei so einer Schlammschlacht seid Ihr mit großer Wahrscheinlichkeit der Verlierer – der Troll hat ja schon jede Menge Übung und keinerlei Hemmungen.

Warnt auch Eure anderen Nutzer, sich nicht auf Diskussionen mit dem Troll einzulassen. Das Motto heißt: „Do not feed the troll!“. Wird er ignoriert, verliert er meistens schnell die Lust. Beleidigende Kommentare könnt beziehungsweise solltet Ihr löschen, um nicht Ärger mit anderen Nutzern zu bekommen. Alternativ könnt Ihr Eure Kommentarfunktion von vornherein so einstellen, dass Ihr jeden Kommentar erst zur Veröffentlichung freigeben müsst. Das ist natürlich nicht für alle Blogs praktikabel, ist aber eventuell eine pragmatische Übergangslösung, um dem Troll den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Selbstgespräche: Das Problem mit der Sockenpuppe

Eigentlich sind Sockenpuppen ja etwas sehr nettes. Wenn der Troll sie im Gepäck hat, kann es aber leider sehr anstrengend werden. Unter einer Sockenpuppe versteht man in der Netzwelt einen Fake-Account, den sich unter anderem auch gerne Trolle zulegen, um dann mit zwei verschiedenen Identitäten zu pöbeln und einen Schein-Dialog führen zu können.

Das macht es Euch als Bloggern noch schwerer, einen Troll möglichst schnell zu identifizieren und zum Schweigen zu bringen. Sobald Ihr das Duo enttarnt habt, hilft dann nur ein strenges Durchgreifen.

Kleiner Trost für alle Trollopfer: Trolle nerven, aber sie können auch positive Nebeneffekte haben, behauptet zumindest der Publizist Alexander Glück in seinem „Handbuch für den Forentroll“:

„Der Forentroll hat einen schlechten Ruf, weil er aus der Deckung der Anonymität heraus die friedvolle Diskussionskultur in Internetforen stört. Aber so wenig Internetgruppen immer nur „gut“ sind, so wenig kann man den Forentroll als nur „schlecht“ ansehen. Er treibt ergebnislose oder einseitige Diskussionen auf die Spitze und trägt zu den Selbstreinigungseffekten im Internet bei. Der Forentroll ist ein wichtiger und konstruktiver Teil der Internet-Realität.“

Immer wieder führe der Kampf gegen Trolle auch dazu, dass eine Community nicht gesprengt, sondern gestärkt werde.

Nörgeln, schimpfen, beleidigen – die ganz normalen Nervensägen

Früher war es im Prinzip Journalisten vorbehalten, ihre Sicht der Dinge dem Rest der Welt mitzuteilen. Als Reaktion darauf bekamen sie – je nach Konfliktpotenzial des Themas – Leserbriefe und gerne auch (erboste) Anrufe. Blogs machen es uns allen möglich, mit unseren Meinungen, Ideen und Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Umgekehrt müssen wir es auch aushalten, dass andere uns dafür in Kommentaren kritisieren, eventuell auch mal verbal attackieren.

Der Umgangston ist oft harsch. Bemängelt wird viel, gelobt wird selten. Trotzdem gilt es auch in solchen Fällen, professionell zu bleiben und die Form zu wahren. Atmet tief durch und antwortet sachlich, auch wenn Ihr selber gerne zurückhauen würdet.

Wenn ein notorischer Nörgler Euch per Kommentar auf einen Fehler hinweist, überprüft, ob die Kritik wirklich stimmt. Wenn ja, räumt Euren Fehler ein und entschuldigt Euch dafür. Wenn nein, legt Ihr am besten noch einmal deutlich dar, weshalb Eure Version stimmt.

Beleidigungen müsst und solltet Ihr dagegen nicht einfach hinnehmen. Entsprechenden Kommentare solltet Ihr in Eurem Blog löschen. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern dient Eurem eigenen Schutz. Denn als Blogbetreiber seid Ihr für die Inhalte verantwortlich – auch für die Kommentare. Ihr habt das Recht und die Pflicht, auf Eurem Blog für Ordnung zu sorgen. Wenn sich ein anderer Nutzer durch einen Kommentar beleidigt fühlt, kann er Euch dafür belangen. Deshalb solltet Ihr lieber auf Nummer Sicher gehen.

Ein Fall für den Anwalt: Falsche Tatsachenbehauptungen

Es gibt Menschen, die starten im Netz regelrechte Rufmord-Kampagnen gegen ein Unternehmen oder eine bestimmte Seite, warum auch immer. Werden dabei falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt und Du kannst das auch beweisen, musst Du diesem Feldzug nicht tatenlos zusehen. Die Angelegenheit ist dann eine Sache für Deinen Anwalt. Entscheidend ist natürlich, dass sich der Verfasser der böswilligen Kommentare überhaupt feststellen lässt, da er vermutlich nicht unter Klarnamen seine Kritik postet. Unter Umständen muss über die Staatsanwaltschaft die IP-Adresse und damit auch die Identität des Verfassers ermittelt werden. Du kannst den Verfasser einerseits auf Unterlassung und andererseits auf Schadensersatz verklagen.

Leider verschwinden auch durch einen Sieg vor Gericht unberechtigte negative Kommentare nicht aus dem Netz. Soziale Netzwerke wie Facebook und Blog- und Forenbetreiber müssen gerichtlich beanstandete Kommentare zwar entfernen, wenn Du es als Geschädigter von ihnen verlangst. Aber wie heißt es so schön: „Das Netz vergisst nichts“.

Bloß keinen Shitstorm riskieren

Wenn missgünstige Menschen sich nicht in Foren, sondern auf Deiner Facebook-Seite oder in Kommentaren auf Deinem Blog austoben, ist die Versuchung groß: Warum denn nicht ganz einfach kritische Stimmen unterdrücken und missliebige Kommentare löschen? Besonders, wenn es sich um aus Deiner Sicht nicht berechtigte Kritik handelt, dürfte es einer der ersten Reflexe sein, über das Löschen nachzudenken. Aber egal wie sehr Du Dich ärgerst – Wut ist auch in diesem Fall ein schlechter Ratgeber.

Denn gerade das Löschen von Kommentaren kann in den sozialen Netzwerken eine negative Kettenreaktion hervorrufen, gegen die ein blöder Kommentar im Vergleich wirklich nichts war. Shitstorm nennt sich dieses Phänomen, wenn plötzlich scheinbar die gesamte Netzgemeinde auf ein Unternehmen oder auch eine Person losgeht, die sich in ihren Augen einen Patzer geleistet hat. Das kann zum Beispiel ein gelöschter Kommentar sein.

Besser ist es, erstmal durchzuatmen und dann ruhig und besonnen zu reagieren. Bleibe gelassen, argumentiere schlüssig gegen die Vorwürfe und setze dabei auf einen freundlichen Ton, auch wenn Dein virtuelles Gegenüber vielleicht sprachlich auf einem niedrigeren Niveau agiert. Wer souverän bleibt, kann in der Regel punkten und dem anderen den Wind aus dem Segel nehmen.

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4 Gedanken zu „Blog-Etikette: Die wichtigsten Do’s und Don’ts

  1. Hi Sandra,

    interessant, das Thema Bloggen mal von der rechtlichen Seite zu betrachten. Themen wie Rechtsfallen, Datenklau oder auch der Umgang mit beleidigenden Kommentaren sollte man sicher für den eigenen Blog immer im Hinterkopf behalten. Andererseits lassen sich als Blogger tolle Aktionen unterstützen, die u. a. auch vom regen Austausch unter den Nutzern leben. Der Beitrag steht mit diesem Gedanken auch nicht im Widerspruch. Uns ist dies jedoch eine besondere Erwähnung wert, da man trotz gewisser „Risiken“ beim Bloggen viel Gutes erreichen kann, zum Beispiel im sozialen Bereich.

    In diesem Jahr sorgt zum Beispiel das Spendenprojekt „Blogger Für Flüchtlinge“ für viel Aufsehen. Zahlreich Blogs haben sich wie wir bereits daran beteiligt (http://ow.ly/UQ9Yx). In den Blogbeiträgen wird über die Aktion bzw. Möglichkeit zur Geld- oder Sachspende berichtet und u. a. via Social Media möglichst viel Reichweite dafür geschaffen.

    Bei solchen Aktionen bleibt sicher nicht aus, dass sich der eine oder andere Negativ-Kommentar oder Troll in die Diskussion einschleust. Davon sollten Blogger sich jedoch nicht beeindrucken lassen, sondern wie du sagst „erstmal durchatmen“ und die Ruhe bewahren. Vielleicht können wir daher dem einen oder anderen den Anstoß geben, sich selbst als Blogger, Podcaster oder Vlogger an einer solchen Hilfsaktion zu beteiligen.

    Viele Grüße,
    Annika

  2. Sehr schöner und interessanter Beitrag, danke dafür! Im Zweifelsfall ist es immer besser einen Anwalt für eine Rechtsberatung zu kontaktieren. Das kann im Nachhinein viel Ärger sparen. Weiter so!

  3. Wow, ein super Artikel sehr ausführlich und für jeden recht verständlich gemacht. Super Arbeit!

  4. Hübscher Hinweis auf mein Buch, herzlichen Dank!

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