.ruhr: ein Stück Heimat im Netz – Interview mit dot.ruhr

Im Dezember 2013 wurde .ruhr als erste deutsche Domainendung seit der Einführung von .de im Jahr 1986 in den Rootserver eingetragen. Darüberhinaus ging .ruhr als weltweit erste neue Domainendung mit regionalem Bezug an den Start. Damit schrieb das Ruhrgebiet ein Stück Internetgeschichte.

.ruhr stärkt die Metropole und den Ausdruck lokaler Identität, schafft ein Bewusstsein für ein starkes Stück Deutschland und schenkt den 53 Städten, 5,2 Millionen Einwohnern sowie 160.500 Unternehmen des Ruhrgebiets eine Heimat im Internet. skyline-ruhr-domain

 

Mit .ruhr ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Ruhrgebiets gelegt, der das Internet nachhaltig bereichern wird. Diese Einschätzung teilte auch die hochkarätig besetzte Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, welche .ruhr im Juni 2014 im Auftrag des eco Verbandes der deutschen Internetwirtschaft mit dem begehrten eco Internet Award in der Kategorie „Domains & DNS“ auszeichnete. Für herausragende Leistungen im Bereich Marketing wurde .ruhr darüberhinaus vom Marketingclub Ruhr e. V. für den Tacken 2015 in der Kategorie Start-ups nominiert. Ein Grund mehr bei der regiodot GmbH und Co. KG einmal nachzufragen.

Welche Erwartungen setzen Sie in die Domainendung .ruhr?

Anja Elsing: Die Idee der Metropole Ruhr war stets abstrakt und auf keiner Landkarte ist sie verzeichnet. Jetzt wird sie mit .ruhr, einem Punkt und vier kleinen Buchstaben, virtuell sichtbar. Von Beginn an konnte .ruhr bedeutende Botschafter und Befürworter aus Politik, Wirtschaft und Kultur für das einende Vorhaben gewinnen. Prof. Dr. Norbert Lammert, seit 2005 Präsident des Deutschen Bundestages, bringt mit seinem Statement die Verbindung von regionaler Zugehörigkeit und gleichzeitiger Weltoffenheit auf den Punkt: „Bald wird im globalen Netz verzeichnet sein, was noch auf keiner Landkarte der Welt zu finden ist: Die Metropole Ruhr. Ihre Bewohner sind stolz auf das Revier, sie identifizieren sich mit der Region, in der sie leben und arbeiten. .ruhr bringt das Heimatbewusstsein der Menschen hier und die Weltoffenheit einer international vernetzten, wirtschaftlich wie kulturell bedeutenden Metropolenregion zum Ausdruck.“

Wie beurteilen Sie den Start Ihrer nTLD bisher insgesamt?

Anja Elsing: Als .ruhr 2012 mit fast 2000 anderen Bewerbungen ins Rennen um neue Top-Level-Domains ging, hat wohl niemand geglaubt, dass .ruhr noch vor .berlin, .london oder .paris als Erste ins Netz geht. Da haben wir, wie man im Ruhrgebiet sagt, Glück (auf) gehabt!

Begleitet von einem großen Medienecho gingen mit der Einführung von .ruhr Anfang 2014 die ersten Seiten unter .ruhr online. Als erste Medien-Marke war die BILD mit von der Partie. Seitdem können unter bild.ruhr die aktuellsten Nachrichten der BILD aus dem Ruhrgebiet verfolgt werden. Auch das beliebte Zeltfestival Ruhr fand als eine der Ersten eine passende Heimat – zeltfestival.ruhr: „Wir haben immer eine Klammer gesucht, ein klares Bekenntnis zur Region“, so Lukas Rüger, Organisator des Musik-Festivals, das als kulturelles Highlight fest in der Region verankert ist.

Wie ist die bisherige Resonanz?

Anja Elsing: Wir sind erst ein Jahr am Markt und stellen fest, dass die neuen Domainendungen insgesamt noch recht unbekannt sind und Zeit brauchen, um sich am Markt zu etablieren. Viele Nutzer haben davon noch nichts gehört und kennen nur die etablierten Endungen wie beispielsweise .de oder .com. Es ist eine Herausforderung, das sehr lange nur in Expertenkreisen bekannte Thema der neuen Top-Level-Domains in der Bevölkerung verständlich darzustellen und für die neu entstehenden Potenziale der .ruhr-Endung zu sensibilisieren.

Umso mehr freuen wir uns, dass bereits viele Portale mit unique content unter .ruhr online gegangen sind. Immer mehr Unternehmen, Start-ups und neue Geschäftsmodelle nutzen .ruhr als digitale Basis. Öffentliche Stellen präsentieren ihr Angebot über leicht einprägsame Domains und zunehmend demonstrieren Privatpersonen oder Vereine ihre Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet durch individuelle, wohnortsbezogene E-Mail-Adressen beziehungsweise Vereins- oder Blog-Internetpräsenzen.

Interessant ist, dass bereits mehrere Webauftritte, die unter .ruhr den Betrieb aufgenommen haben, durch Integration des .ruhr-Logos, der .ruhr-Landschaft und/oder der .ruhr-Führungsfarben Flagge für die neue regionale Domainendung und somit für die eigene Heimat zeigen oder .ruhr als Logobestandteil nutzen. Immer häufiger ist die Ruhrgebiets-Endung auch im öffentlichen Raum anzutreffen. All das hilft natürlich ungemein, die neuen .ruhr-Adressen in die Köpfe der Menschen zu bekommen.

Einige neu gegründete Start-ups firmieren sogar unter .ruhr, so beispielsweise die Trends & Brands.ruhr GmbH & Co. KG aus Essen oder meineHeimat.ruhr bzw. factory.ruhr aus Dortmund. Der Marketingclub Essen heißt jetzt Marketingclub Ruhr. Das renommierte Marketing- und Vertriebsnetzwerk ist seitdem über die ideal passende Webadresse marketingclub.ruhr online anzutreffen. Und aus dem Bochumer Zahnzentrum Europahaus wurde dental.ruhr. Prägnanter geht es nicht!

Ganz besonders freut es uns, dass bereits mehr als die Hälfte aller Ruhrgebietsstädte .ruhr als Chance wahr- und angenommen haben und sich online im Verbund unter der neuen Ruhrgebiets-Endung präsentieren. Der Begriff Ruhrgebiet ist keine offizielle Verwaltungsbezeichnung und auch seine Grenzen sind nicht exakt festgelegt. In erster Linie wird dieser Ballungsraum von seinen 53 Städten und Kreisen selbst verwaltet. Erstmalig in der Geschichte des Ruhrgebiets bietet .ruhr nun die Chance, diese Städte und ihre Einwohner zu einer sichtbaren Metropole zu verbinden. Dabei ermöglicht .ruhr allen Ruhrgebietsstädten jeweils autark zu bleiben und zugleich durch die gemeinsame Endung im Netz als Einheit aufzutreten und als Teil einer sichtbaren Metropole wahrgenommen zu werden.

Haben Sie konkrete Beispiele für Seiten mit unique content, die unter .ruhr Flagge für die Region zeigen?

Anja Elsing: Mit über 4500 registrierten .ruhr-Domains ist bereits ein kleines „Stück Revier im Netz“ aktiv. Beispiele? Sehr gerne!

 

www.welcome.ruhr:Das neue Internet-Portal für einwandernde Fachkräfte soll eine offene Willkommenskultur schaffen und die Integration über Welcome Guides erleichtern.

 

 

www.kunstgebiet.ruhr: Der erste digitale Kunstführer für das Ruhrgebiet zeigt die Vielfalt der Kunst im Revier.

 

 

www.eCommerce.ruhr: Regional orientiertes Portal zum Thema E-Commerce im Ruhrgebiet. „Seit langem fehlt nach unserem Verständnis dem Ruhrgebiet etwas Übergeordnetes“, so der Geschäftsführer Stefan Koshold. „Jetzt aber ist mit .ruhr eine Dachmarke entstanden, die für uns, da wir in der digitalen Welt zuhause sind, eine ideale Plattform ist.“

 

www.kulturloge.ruhr: Kostenfreie Vermittlung nicht verkaufter Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen mit dem Ziel, allen Ruhrgebietseinwohnern Zugang zu Kultur und Kunst zu ermöglichen.

 

 

www.fankult.ruhr: Über das gemeinsame Multimedia-Projekt der Online-Portale der Funke-Zeitungstitel kann man in die Stadien des Reviers blicken. Videoportraits huldigen außerdem den vielen großen und kleinen Vereinen im Pott.

 

 

www.kulturkanal.ruhr:Neue interaktive Website zu Veranstaltungen und Aktionen entlang der Erlebnisachse Rhein-Herne-Kanal in der Metropole Ruhr.

 

 

 

www.wissensnacht.ruhr: Im Rahmen des Langzeit-Projekts „klimametropole RUHR 2022“ widmen sich Wissenschaft und Forschung in den kommenden Jahren den zentralen Fragen zum Klimaschutz und zur -anpassung. Begleitet wird das Vorhaben von einer thematisch angebundenen Großveranstaltung, die ab 2014 im Zweijahrestakt bis 2022 den Fortschritt des Projekts für die Menschen des Ruhrgebiets erlebbar macht, die WissensNacht Ruhr.

 

 

www.barcamp.ruhr: Im März 2015 fand das Barcamp Ruhr unter dem Motto „Think global – act local“ im Essener Unperfekthaus statt. .ruhr führte einen Twitter Pitch #lokalimnetz durch und sponsert fünf lokalen Projekten für drei Jahre je eine .ruhr-Domain inklusive Hosting.

 

www.pressetermine.ruhr: Überblick über anstehende Presseveranstaltungen in der Ruhr-Region für Journalisten und Unternehmen.

 

www.tabo.ruhr: Über die Taschengeldbörse bieten ältere Menschen Jobs in ihrem Haushalt an, die Jugendliche gegen ein kleines Taschengeld übernehmen können.

 

Wie lange dauerte die Vorbereitung, um die Endung .ruhr an den Start zu bringen und was waren dabei die größten Hürden?

Anja Elsing: Wir haben unser Unternehmen Anfang 2012 mit Öffnung des Bewerbungsfensters für neue Top-Level-Domains gegründet. Die Anforderungen der ICANN an die Bewerbung waren hoch, so dass uns externe Berater bei der Erstellung dieser unterstützen. Die größte Hürde stellte der bei ICANN unvorhersehbare Prozess zur Einführung der neuen Endungen dar. ICANN hatte zunächst mit einer sehr viel geringeren Anzahl an Bewerbern gerechnet. Zudem gab es unvorhersehbare technische Probleme bei der ICANN, so dass es immer wieder zu Verzögerungen bei der Einführung kam. Eine weitere Herausforderung stellten anfängliche sogenannte „universal acceptance“-Probleme dar. Noch nicht alle Systeme, Browser etc. waren auf die neuen Domainendungen eingestellt und wiesen diese zuweilen ab.

Wen sehen Sie als wichtigste Zielgruppe für die neue Endung .ruhr?

Anja Elsing: .ruhr weckt Heimatgefühle im Netz und richtet sich an alle, die ihre direkte Zugehörigkeit zum Ruhrgebiet ausdrücken wollen und sich mit dieser besonderen, von einem monumentalen Strukturwandel geprägten Region identifizieren. Das gilt für den kleinen Betrieb um die Ecke, genau wie für den international agierenden Großkonzern. Das gilt für Privatpersonen, Freiberufler, Vereine, Institutionen, für Freizeit- oder öffentliche Einrichtungen – einfach für alle, die in der Metropole Ruhr leben oder arbeiten und sich dieser Region verbunden fühlen.

Steht die Endung allen offen?

Anja Elsing: Ja, sie steht allen offen. Bei der Registrierung ist jedoch eine natürliche Person als Kontaktperson mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland anzugeben. Dies ist in der Regel der sogenannte administrative Ansprechpartner (Admin-C).

Wird sich das Netz Ihrer Einschätzung nach durch die Einführung der neuen Domainendungen verändern?

Anja Elsing: Auch wenn es aktuell eine wahre Flut an neuen Domainendungen gibt, so bieten sie eine ganz neue Vielfalt im Netz. Unternehmen können ihr Domain-Portfolio sinnvoll ergänzen und haben wieder eine Chance auf attraktive, prägnante und intuitive Internetadressen. Das Internet wird lokaler und Zielgruppen können noch treffender angesprochen werden. Wir stehen hier aber noch ganz am Anfang und es braucht seine Zeit. In den Zeiten, bevor es Smartphones gab, hatten unsere Telefone auch nur wenige Funktionen und Auswahlmöglichkeiten. Heute wählen wir wie selbstverständlich aus einer schier unüberschaubaren Anzahl an Apps das Passende aus.

Einige Endungen mit großem Potenzial, wie beispielsweise .shop oder .app, sind zudem noch gar nicht gestartet und auch die Einführung der Google-Endungen stehen noch aus. Diese werden den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz der neuen Domainendungen enorm steigern. Erfreulich ist auf jeden Fall, dass gerade die geographischen Endungen in Suchmaschinen gut ranken. Dies zeigt eine für .berlin in Auftrag gegebene Studie, die festgestellt hat, dass Webseiten mit .berlin-Domains bei der lokalen Suche um den Faktor 1,18 besser ranken als solche unter .de oder .com. Das stimmt uns sehr optimistisch.

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