Durchstarten im Home-Office

Wer mit seinem eigenen Unternehmen startet, muss in der Regel damit rechnen, erst einmal draufzuzahlen. Auf der einen Seite gibt es viele Investitionen, die nötig sind. Auf der anderen Seite kommt oft noch kein oder nur sehr wenig Geld rein. Viele Selbstständige verzichten deshalb (zumindest zunächst) auf ein externes Büro und verlegen ihren Arbeitsplatz in die eigenen vier Wände. Im Rahmen unserer Selbstständigen-Serie beschäftigen wir uns deshalb heute damit, wie effizientes Arbeiten zuhause funktioniert – und wie Ihr trotz Home-Office die nötige Trennung zwischen Arbeit und Privatleben hinbekommt.

Das Home-Office als Wohlfühloase?

Ich habe ein eigenes Büro, arbeite zwischendurch aber immer auch sehr gerne von zuhause aus. Zum Beispiel, wenn ich an einem sehr komplexen Text sitze und mich dauertelefonierende oder small-talkende Kollegen nur aus dem Konzept bringen würden. Oder weil ich dann so flexibel bin, zwischendurch ein paar Sachen im Haushalt zu erledigen,  weil ich auf ein wichtiges Paket warte oder der Kontrolleur für die Rauchmelder sich irgendwann zwischen 9 und 13 Uhr angemeldet hat.

Im Gegensatz zu den Vorstellungen mancher (angestellter) Bekannter sitze ich an diesen Tagen allerdings so gut wie nie in der Sonne auf dem Balkon und schlürfe Kaffee. Genau wie an meinem Büro-Schreibtisch habe ich auch an meinen Home-Office-Tagen eine To-Do-Liste. Und die kann ich nur abarbeiten, wenn ich konzentriert an meinen Aufgaben sitze.

Zwischendurch gibt es natürlich die kleinen, unbedingt nötigen Pausen. Aber das Home-Office ist bei mir definitiv keine Wellness-Zone mit ausgiebigen Pausen auf dem Sofa. Meiner Erfahrung benötigt man für das Arbeiten zuhause viel Disziplin, man muss sich feste Regeln aufstellen und sollte sich Ziele definieren. Kein Chef sagt Euch, wann Ihr etwas zu tun habt. Aber trotzdem müssen die Dinge erledigt werden. Dafür seid Ihr ab ganz allein verantwortlich. Und es gibt keinen Kollegen, der Euch schnell noch mal unter die Arme greifen kann, wenn es mit der Abgabe arg knapp wird. Also: Ein Job im Home-Office mag sich lockerer abfühlen, aber nehmt ihn trotzdem ernst – ansonsten wird es auf Dauer schwierig und frustrierend.

Advantage Home-Office: Der Spareffekt

Ein Home-Office schont in mehrfacher Hinsicht das Budget:

  • Ihr spart das Geld für die Büromiete
  • Ihr spart Euch Zeit für die Arbeitswege (und schont dadurch auch die Umwelt)
  • Ihr könnt Euch zwischendurch selber was zu Essen machen (statt teurer Essen zu gehen)
„Mama, wann bist Du fertig?“: Wer kleine Kinder zuhause hat, für den kann das Home-Office zur großen Herausforderung werden. Foto: panthermedia.net/Arne Trautmann

Gerade für Gründer, die ohne große Reserven in die Selbstständigkeit starten, ist das Home-Office schon allein aus diesen Gründen vermutlich die beste Lösung. Es gibt allerdings auch ein paar Punkte, die klar gegen ein Heim-Büro sprechen:

  • Ihr habt schlicht und einfach keinen Platz dafür (nein, arbeiten vom Schlafsofa aus ist keine Dauerlösung).
  • Ihr habt fröhliche Kleinkinder zuhause (schon mal eine Telefonkonferenz mit einem Kunden gehabt, während sich Euer Nachwuchs im Nebenzimmer ums Spielzeug gestritten hat?).
  • Ihr rechnet damit, häufiger Besuch von Kunden zu bekommen (der Blick auf den Bügelwäscheberg wirkt nicht hunderprozentig professionell).

Alles reine Routine

Auch wenn man sich oft gerade deshalb selbstständig macht, weil man die Routine satt hat: Für die Arbeit im heimischen Büro sind feste Abläufe eine praktische Sache. Wer morgens zum Beispiel ein bisschen braucht, bis er auf Betriebstemperatur ist, kann als erstes grundsätzlich mit dem Checken der Mails, etwas Twitter/Facebook und der täglichen Ablage, begleitet von einem Kaffee/Tee starten. Danach geht es dann richtig los und es gibt auch keine Ausreden mehr, schnell noch mal im Netz nach hier und da zu klicken – hat man ja schon erledigt.

Persönlich finde ich – wie schon erwähnt – eine To-Do-Liste für meine Arbeitswoche hilfreich. Auf der sind für jeden Tag die Muss-Aufgaben (etwa termingebundene Aufträge) notiert, dazu kommen noch Kann-Posten. Schön, wenn ich es hinbekomme, aber auch nicht weiter schlimm, wenn es heute nichts damit wird. Wichtig ist, dass die Liste realistisch ist, man möchte ja auch Erfolgserlebnisse haben. Und: Klebt nicht an der Liste. Oft kommt doch alles anders als geplant, dann muss man Aufgaben hin- und herschieben. Ich versuche immer, mir einen kleinen Zeitpuffer für spontane Aufträge einzuplanen. Bleiben die aus, kann ich mich über etwas freie Zeit freuen oder schon mal vorarbeiten.

Ebenfalls zur Routine gehört aus meiner Sicht, sich für die Arbeit entsprechend anzuziehen. Ich spreche jetzt nicht von Kostüm und Anzug. Aber Schlafanzug oder Jogginghose sind auch keine Lösung. Schließlich geht es um Eure Arbeit – und die solltet Ihr ernstnehmen, auch outfit-technisch.

24/7 vs. 9-17 Uhr – voll flexibel oder feste Arbeitszeiten?

Feierabend? Im Home-Office fällt die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben schwer – umso bewusster solltet Ihr auf eine gute Balance achten. Foto: panthermedia.net/nyul

Das Selbstständigen-Dasein funktioniert ohne ausreichend Flexibilität nicht. Natürlich kann man sich vornehmen, höchstens x Stunden pro Woche zu arbeiten. Aber wer gerade neu gestartet ist, wird vermutlich keinem Kunden absagen, auch wenn die Woche schon supervoll ist – dann lieber ein paar Nachtschichten einlegen. Auf der anderen Seite führt das auf Dauer dazu, irgendwann wirklich ausgebrannt zu sein und nicht mehr ffektiv arbeiten zu können.

Für die „Normalwoche“ solltet Ihr Euch deshalb tatsächlich feste Arbeitszeiten vorgeben, damit noch Luft für Familie, Freunde, Sport und Hobbies bleibt. Wie die aussehen, hängt wesentlich von Eurer Lebenssituation ab. Bei mir geben zum Beispiel die Kita- und Schulzeiten meiner Kinder die wesentlichen Strukturen vor.  Bis nachmittags muss alles Wichtige geschafft werden.

Wenn Ihr Probleme habt, mit Eurer Arbeitszeit hinzukommen und oft noch abends und am Wochenende etwas erledigen müsst: Es hilft, sich einige Zeit detailliert zu notieren, was man gemacht und wie lange man für einzelne Aufgaben gebraucht hat. So kommt Ihr den vielen kleinen Zeitdieben auf die Spur und könnt Eure Arbeit auf Dauer effizienter gestalten.

Auf dem Hocker am Küchentisch

… arbeitet es sich nur bedingt erfolgreich. Zumindest nicht, wenn Ihr vorhabt, länger im Home-Office zu bleiben. Ihr braucht einen Platz

  • an dem Ihr bequem sitzt (gut sehen könnt, Euren Rücken nicht verspannt usw.)
  • an dem Ihr Ruhe habt
  • wo Ihr Eure Sachen lassen und ordentlich ablegen könnt (verschwundene Unterlagen oder eine fehlerhafte Buchführung können für Selbstständige teuer werden).

Natürlich kann man auch am Esstisch arbeiten. Dann braucht Ihr aber zumindest eine Ablagefläche in der Nähe, um alle wichtigen Sachen griffbereit zu haben bzw. Euren Arbeitsplatz ordentlich halten könnt. Wenn jede Menge arbeitsfremdes Zeug um Euch herumliegt, fällt die Konzentration vermutlich eher schwer.

Noch ein paar Worte zur Technik: Wer von seiner Selbstständigkeit gut leben möchte, braucht eine entsprechende technische Ausstattung. Wie für so gut wie alles andere auch, seid Ihr auch dafür ganz alleine verantwortlich. Das heißt: Investiert in Equipment, dass solide, schnell und möglichst pannenfrei funktioniert. Es gibt wenige Dinge, die nerviger sind, als stundenlang an einem bockenden alten Drucker herumzufummeln oder mit einem Rechner zu leben, der dreimal täglich abstürzt.

Und dann noch schnell die Wäsche aufhängen

Schöner arbeiten im Home-Office: Auch so kann ein Heim-Arbeitsplatz aussehen… Foto: panthermedia.net/Laura Georgi

Auf dem Weg zur Toilette schnell noch den Flur aufräumen. Sich einen Kaffee holen und die Spülmaschine ausräumen oder fix die Wäsche aufhängen. Kann man machen, muss man aber nicht. Denn wenn Ihr im Büro wärt, könntet Ihr das ja auch nicht, oder?

Noch viel schlimmer als die wenigstens sinnvolle Hausarbeit: Zwischendurch den Fernseher anschalten. Mal abgesehen davon, dass der Erkenntnisgewinn aus Nachmittags-Talkshows und gefakten Reality-Serien gering sein dürfte, droht die Gefahr, länger als geplant kleben zu bleiben und anschließend auch nicht wirklich frischer zu sein. Dann lieber eine Runde spazierengehen oder gleich eine Stunde Sport einplanen.

Erste Hilfe bei Home-Office-Frust

Sie werden aller Wahrscheinlichkeit nicht ausbleiben, die schwarzen Tage im heimischen Büro: Ein schwieriger Kunde, ein geplatzter Auftrag, viel zu wenig oder viel zu viel zu tun – manchmal ist es schwierig, mit all den Anforderungen ganz alleine klarzukommen. Also, was tun, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt?

Sinnvoll ist es, sich auch als Einzelkämpfer ein Netzwerk zu schaffen, zum Beispiel gemeinsam mit anderen Selbstständigen, mit denen Ihr Euch regelmäßig über Eure Arbeit austauschen könnt und die Euch auch mal spontan zur Seite stehen, wenn Euch alles zuviel wird.

Außerdem gut: Informiert Euch prophylaktisch über die Möglichkeit, auch mal außer Haus arbeiten zu können. Könnt Ihr etwa tageweise einen Arbeitsplatz in einem Co-Working-Space oder einer Bürogemeinschaft mieten? Bei einem Kunden vor Ort arbeiten?

Checkliste: Pros und Cons Home-Office

Kurz vor Schluss noch mal die wichtigsten Punkte im Überblick.

Pro:

  • Kostenersparnis
  • Viel Ruhe, keine Ablenkung durch Kollegen
  • Hohe Selbstbestimmung und Flexibilität bei der Arbeitseinteilung
  • Der Weg zur Arbeit fällt weg
  • Man kann es sich in den eigenen vier Wänden richtig schön machen

Contra:

  • Kein Austausch mit Kollegen
  • Hohe Anforderung an die eigene Disziplin
  • Arbeit und Privatleben lassen sich schwer trennen – die Arbeit ist immer in Reichweite
  • Familie und Freunde nehmen die Arbeit nicht richtig ernst und schneien gerne mal spontan rein
  • Besuche von Kunden sind problematisch

Und damit mache ich für heute Feierabend. Denn der ist auch für Selbstständige eine sehr wichtige Sache. Denkt daran, Euch genügend Zeit zum Erholen und Entspannen zu lassen, auch wenn es eigentlich immer noch etwas zu tun gibt.

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