Kunst statt Kommerz: Die Videoplattform vimeo nutzen

Beim Thema Videoplattformen ist YouTube ganz klar der Platzhirsch, der beim Blick auf die Nutzerzahlen weltweit alle Konkurrenten deklassiert. Trotzdem lohnt sich – natürlich nicht nur – für Blogger ein Blick auf andere Portale, wie zum Beispiel Vimeo. Vimeo ist sozusagen der Gegenentwurf zu YouTube. Kein Video-Zirkus und keine Ablagehalde für verwackelte Smartphone-Filmchen, sondern ein Angebot mit anspruchsvollen Inhalten und einer ebensolchen Präsentation. In diesem Beitrag erfahrt Ihr, wie Ihr Euch bei Vimeo anmeldet, welche Besonderheiten die Plattform zu bieten hat und für wenn das Portal eine gute Adresse ist.

Vimeo wurde 2004 von einer Gruppe Filmemachern in New York gegründet, die eine Möglichkeit gesucht haben, ihre Werke einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Aus dieser Idee heraus ist ein mittlerweile weltweit aktives Unternehmen entstanden, dass aber immer noch Filmschaffende sowie professionelle Kreative als Hauptzielgruppe hat. Vimeo gilt im Vergleich zu YouTube eher als Profiportal. Neben künstlerischen Werken finden sich hier auch viele hochwertig produzierte Video-Tutorials und Online-Kurse, die oft nur gegen Bezahlung zu sehen sind.

Schnell und einfach: Die Anmeldung

Kurz und schmerzlos: Die Registrierung bei der Videoplattform Vimeo Screenshot vimeo.com
Kurz und schmerzlos: Die Registrierung bei der Videoplattform Vimeo
Screenshot vimeo.com

Wer Vimeo lediglich zum Anschauen von Videos nutzen will, muss sich nicht registrieren. Wer aktiv dabei sein will, benötigt dagegen eine Registrierung, die aber absolut unkompliziert ist: Nachname und Vorname, Mailadresse und Passwort – fertig. Nötig ist zudem noch eine Bestätigung.

Anschließend könnt Ihr Euer Profil mit zusätzlichen Angaben zu Eurer Biographie, Eurem Wohnort und zusätzlichen Bildern ergänzen – und dann im Prinzip sofort mit dem Upload des ersten Videos beginnen. Dabei gelten bei Vimeo allerdings nicht nur besondere Spielregeln, um den inhaltlichen Ansprüchen gerecht zu werden, sondern auch beim Thema Geld.

Basic, Plus und Pro: Bezahlen statt Geld verdienen

YouTube verspricht Videoproduzenten jede Menge Reichweite und die Möglichkeit, Geld mit ihren Beiträgen zu verdienen. Vimeo geht den umgekehrten Weg und möchte Geld von seinen Nutzern, ist dafür aber weitgehend werbefrei. Direkt nach der Anmeldung werdet Ihr über die verschiedenen Account-Möglichkeiten informiert.

Basic, Plus oder Pro: Vimeo bietet verschiedene Accounts von kostenlos bis hin zum Pro-Account für 159 Euro im Jahr.
Basic, Plus oder Pro: Vimeo bietet verschiedene Accounts von kostenlos bis hin zum Pro-Account für 159 Euro im Jahr. Screenshot vimeo.com

Kostenfrei ist lediglich der Basis-Account mit vergleichsweise eingeschränkten Funktionen: Das Upload-Volumen liegt bei 500 MB wöchentlich, außerdem kann nur ein HD-Video pro Woche hochgeladen werden. Dazu kommt, dass Basis-Accounts beim Konvertieren nicht priorisiert sind, es also zu Wartezeiten kommen kann und es Banner-Werbung auf Eurer Seite gibt.

Die Plus-Mitgliedschaft in der Vimeo-Community schlägt mit knapp 50 Euro jährlich zu Buche. Dafür liegt die wöchentliche Upload-Begrenzung bei 5 GB, es können unbegrenzt viele HD-Videos hochgeladen werden, es gibt keine Bannerwerbung und keine Konvertierungs-Wartezeiten. Dazu kommen Features wie eine weitergehende Individualisierung des Players und umfangreiche Statistiken.

Für einen Pro-Account müssen derzeit 159 Euro im Jahr bezahlt werden. Vimeo stellt dafür unter anderem 20 GB wöchentlich für den Upload zur Verfügung. Es gibt keine Beschränkungen bei der Länge der Beiträge oder bei der Anzahl der hochgeladenen HD-Videos. Für Notfälle existiert ein 24-Stunden-VIP-Support. Inhalte können per Passwort geschützt werden, so dass nur ausgewählte Nutzer Zugriff darauf haben. Ihr könnt Eure Videos sogar on Demand, also zum Verleih, Kauf oder Abo anbieten. Reichen Euch die 20 GB pro Woche nicht, wird die Begrenzung für schlappe 359 Euro im Jahr aufgehoben.

Seid Ihr Euch noch etwas unsicher, welcher Account für Euch der richtige ist? Vimeo bietet Euch einen 30 tägigen unverbindlichen Testzugang an.

Nur für Urheber – die Nutzungsbedingungen bei Vimeo

Auch bei den Inhalten setzt Vimeo auf eigene Regeln. Die wichtigsten davon lauten:

  1. Alle Inhalte müssen maßgeblich selbstproduziert sein – wer ein Video hochlädt, muss also auch dessen Urheber sein. Eine Ausnahme wird lediglich bei Inhabern eines Pro-Accounts gemacht – diese müssen nicht Urheber sein, sondern lediglich die Erlaubnis zum Veröffentlichen des Videos nachweisen können.
  2. Beiträge dürfen keine Werbung enthalten. Ausnahme sind auch hier Pro-Accounts, wobei der Rahmen für Werbung von Vimeo ziemlich eng gesteckt ist, damit keine Spam- oder Trash-Beiträge die Community verschrecken.
  3. Es dürfen keine Ausschnitte aus dem TV, aus Songs oder aus Filmen gezeigt werden.
  4. Screencaptures von Video-/Computerspielen sind ebenfalls nicht gestattet. Ausnahme: Spieleentwickler dürfen Aussschnitte ihrer Arbeit präsentieren.

Alle Regeln im Detail findet Ihr in den Vimeo-Guidelines.

Ob alle Regeln von den Nutzern beachtet werden, wird von Vimeo selbst nur sporadisch geprüft. Da das Unternehmen relativ klein ist, setzt es darauf, dass die Community das meiste selbst regelt und im eigenen Interesse Verstöße meldet.

Von der Videoschule bis zum Enhancer: Nützliche Zusatzfunktionen

Screenshot: S. Cantzler
Bessere Videos mit dem „Enhancer“: Vimeo bietet einige Features, die gerade Laien das Leben leichter machen können. Screenshot: S. Cantzler

Wie beim großen Konkurrenten YouTube könnt Ihr bei Vimeo nicht nur Videos über Euren eigenen Kanal ins Netz bringen und über einen Code in Eurem Blog einbetten (das funktioniert bei Vimeo übrigens über die Share-Funktion – dann einfach den Einbettungs-Code kopieren und wie gewohnt in Euren Blogbeitrag einfügen), sondern auch andere Kanäle abonnieren, kommentieren und liken. Zusätzlich gibt es Gruppen zu bestimmten Themen, denen Ihr Euch anschließen könnt.

Darüber hinaus bietet Vimeo speziell ambitionierten Einsteigern zahlreiche Hilfestellungen, um ihre Beiträge zu perfektionieren. Das fängt an bei der Videoschool, in der Basics vermittelt werden, es aber auch Tipps für Fortgeschrittene von Experten sowie regelmäßige Challenges gibt. Dazu kommen Services wie der Enhancer, der Euch dabei hilft, Videos Sounds und Soundeffekte und einen passenden Look zu verleihen.

Vimeo on demand und Tip Jar: Paid content hoch zwei

Vimeo setzt wie bereits gesagt darauf, dass die Community bereit ist, für hochwertige Inhalte zu bezahlen. Paid content also, und das im doppelten Sinne. Denn neben kostenpflichtigen Accounts gibt es auf der Plattform auch noch die Funktionen Tip Jar und Vimeo on demand.

Vimeo on demand bietet Kreativen die Möglichkeit, ihre Werke „zu verkaufen“. Spielfilme oder Serienfolgen können nur gegen ein Entgelt angesehen werden. 90 Prozent der Einnahmen gehen an den Urheber, 10 Prozent bleiben bei Vimeo. Die Vermarktungsplattform steht allerdings nur Besitzern von pro-Accounts zur Verfügung.

Sowohl mit einem Pro- wie mit einem Plus-Account kann die Funktion Tip Jar genutzt werden. Das „Sparschwein“ ermöglicht es einerseits Nutzern, Beiträge, die ihnen besonders gefallen, mit einem kleinen Betrag beziehungsweise einem Klick auf den entsprechenden Button zu honorieren. Andererseits bekommen Produzenten so zumindest eine kleine Anerkennung für ihre Ideen und ihren Aufwand.

Massenpublikum vs. ausgewählte Community – welche Plattform passt?

Ob Ihr auf YouTube oder Vimeo aktiv werden wollt, ist natürlich eine Geschmacksfrage. Wenn Ihr mit Eurem Blog ebenfalls eher eine kreative Klientel ansprechen wollt und in der Lage seid, hochwertige Videos zu produzieren, seid Ihr mit Vimeo vermutlich gut beraten. Die Chancen sind gut, dass anspruchsvolle Inhalte hier ihr Publikum finden und nicht in der Masse untergehen.

Auf der anderen Seite sind die Nutzerzahlen bei Vimeo natürlich viel kleiner als bei YouTube. Möchtet Ihr möglichst schnell möglichst viele Menschen erreichen und habt Videoideen, die vielleicht nicht filmtechnisch brilliant sind, dafür aber viral funktionieren, ist YouTube die bessere Wahl.

Letztendlich gilt wie fast immer im Leben: Ausprobieren macht schlauer. Wenn Ihr Euch unsicher seid, testet einfach beide Portale, wartet ab, was passiert und entscheidet Euch dann.

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3 Gedanken zu „Kunst statt Kommerz: Die Videoplattform vimeo nutzen

  1. Warte nun bereits 10 (!) Stunden auf mein 10-Minuten-Filmchen. Was ist da los? Bei youtube ist mir das noch nie passiert!

  2. Wollte einen Doku-Film sehen (ausleihen; 3,90 € Gebühr). Konnte mich aber nicht anmelden (immer wieder Fehler-Meldung, als Ursache wurde cookies erwähnt aber nicht erklärt wie man das Problem beseitigt). Bei der Zahlung gibt es auch Schwierigkeiten. Also ich finde das gesamte Ding ist verbesserungsbedürftig. Ob andere auch ähnliche Erfahrung mit Vimeo gemacht haben?

  3. Vielen Dank für diesen interessanten und hilfreichen Kommentar.

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