Gute Ideen – vom Schwarm finanziert: Crowdfunding

Crowdfunding ist derzeit eine der ganz großen Nummern im Netz. Ob Künstler, Journalisten, Spieleerfinder, Technik-Freak oder Startup-Teams: Die unterschiedlichsten Leute versuchen gerade, sich ihre Projekte, Geschäftsideen und Initiativen über die einschlägigen Plattformen wie zum Bespiel startnext.de im Netz finanzieren zu lassen. Statt von einem großen Investor soll das Geld hier durch viele kleinere Spenden zusammenkommen. Hört sich gut an und tatsächlich sind auf diesem Weg schon viele Projekte ins Laufen gekommen. Bleibt die Frage, wie das Prinzip Crowdfunding im Detail funktioniert und für wen oder was es besonders attraktiv ist.

Startnext.de ist die größte deutsche Crowdfunding Plattform. Screenshot: startnext.de

Gute Chancen hat bei dieser Methode, wer sein Projekt mit ganzem Herzen verfolgt und sich selbst und seine Idee entsprechend gut verkaufen kann. Und: Anders als beim Kredit von der Bank erhältst Du meist über das Crowdfunding auch gleich Kunden und Interessenten für deine Vorhaben dazu. Ein guter Einstieg in die Welt des Crowdfunding ist die gleichnamige Seite www.crowdfunding.de.

crowdfunding.de ist für alle Crowdfunding Interessierten eine gute und informative Anlaufstelle. Screenshot: crowdfunding.de

Wie funktioniert Crowdfunding prinzipiell?

Das Prozedere ist sehr simpel. Du gehst auf eine der Crowdfunding-Plattformen und meldest Dich an. Dort präsentierst Du Dein Vorhaben in einem Video und gibst dazu an, wie viel Geld Du wofür benötigst. Über einen bestimmten Zeitraum steht das Projekt dann im Internet und Du kannst bis zum Ablauf der Frist für Deine Kampagne werben. Sollte bis zum Ende des Zeitraums nicht die gewünschte Summe eingehen, gilt das Projekt als nicht erfolgreich und das Geld geht an die Spender zurück. Liegt die Summe über Deinem Wunschbetrag, erhältst Du das gesamte eingeworbene Geld.

Und im Detail?

Wenn Du ein Projekt hast, für das Dir die Finanzierung fehlt, wäre Crowdfunding also eine ideale und vielseitige Möglichkeit der Akquise. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Film, ein soziales Vorhaben oder eine Geschäftsidee handelt. Wichtig ist nur, dass Du einige grundsätzliche Dinge beachtest, damit Dein Unternehmen auf der Erfolgsspur voran kommt.

Es gibt eine Vielzahl von Crowdfunding-Plattformen, die Du nutzen kannst. Allerdings musst Du bei der Auswahl beachten, dass dabei unterschiedliche Strukturen und Regeln existieren. Ein Filterkriterium kann zum Beispiel das Projektziel oder die Verortung des Vorhabens sein. So bedient www.sciencestarter.de ausschließlich wissenschaftliche Projekte und www.berlincrowd.com kümmert sich um Geschäftsmodelle aus der Hauptstadt. Manchmal variiert auch die Anforderung an die zu leistenden Gegenwerte, mit denen die Spenden honoriert werden sollen. Und schließlich gibt es unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten.

Prüfe deshalb vor der dem Einstellen des Projektes genau, ob das gewählte Portal zu Dir und deinem Vorhaben passt oder nicht. Das ist auch deshalb wichtig, weil manche Crowdfunding-Plattformen eine Akquise bei mehreren Anbietern ausschließen. Einen umfassenden Überblick über verschiedene deutsche und internationale Portale findest Du hier.

sciencestarter.de ist eine Crowdfunding Plattform, die sich ausschließlich wissenschaftlichen Vorhaben verschrieben hat. Screenshot: sciencestarter.de

Ein gutes Gefühl

Zunächst musst Du eine schlüssige und verständliche Beschreibung und Dokumentation des Vorhabens erstellen. Je treffender Du das Projekt in möglichst wenigen Worten darstellen kannst, um so überzeugender wird es auf das Interesse der potentiellen Geldgeber stoßen. Nutze dabei verschiedene Medien. Text, Bild, Film… Alles kann hilfreich sein, um zu erklären, wofür Du das Geld benötigst. Standard auf den verschiedenen Plattformen ist ein aussagekräftiges Video, in dem die Geldnehmer ihr Projekt vorstellen. Achtung! Dabei geht es nicht um einen abendfüllenden Spielfilm. Das richtige Maß an ausreichender Information und kompakter Länge ist der entscheidende Faktor.

Neben der konkreten Beschreibung Deines Vorhabens ist es wichtig, die Interessenten auch emotional anzusprechen. Du sitzt nicht an einem Schalter in der Bank oder in einer Behörde. Die Geber für ein Crowdfunding Projekt wollen neben den harten Fakten auch auf der Gefühlsebene überzeugt sein. Versuche sie für deine Ziele zu begeistern.

Indiegogo war eine der ersten Plattformen für Crowdfunding und wurde bei seiner Gründung 2008 noch belächelt. Screenshot: Indiegogo

Wer bist denn Du?

Kein Mensch verschenkt sein Geld an jemanden, über den er gar nichts weiß. Deshalb ist es absolut wichtig, dass Du bei der Beschreibung des Projektes Deine Persönlichkeit mit einbringst. Erzähle, wer Du bist und vor allem, warum Du das zu finanzierende Projekt verwirklichen willst. Oft überträgt sich die Faszination eines Vorhabens erst durch die optimistische Begeisterung des Initiators und durch seine besondere Persönlichkeit.

Für die Geber ist es auch von Bedeutung, einen Eindruck von Dir zu bekommen, um einschätzen zu können, ob Dir die Durchsetzung Deiner Ziele überhaupt zuzutrauen ist. Deshalb präsentiere Dich und Dein Projekt möglichst selbstbewusst und nicht in Demut vor den möglichen Spendern. Wenn Du von Dir und Deinem Vorhaben überzeugt bist, sind die Geldgeber es auch. Na ja, meistens – es muss an dieser Stelle auch gesagt sein, dass es beim Crowdfunding natürlich nie eine Garantie gibt.

Niemals Stillstand

Eine Finanzierung per Crowdfunding bedeutet, dass Du über die üblichen Anforderungen hinaus Energie und Zeit in Dein Projekt stecken musst. Denn die Crowd will und muss über alle wesentlichen Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden. Versende regelmäßige Newsletter, in denen Du von den neuesten Entwicklungen berichtest. Beginne damit von Anfang an zum Beispiel mit einer Mail-Aussendung an alle Freunde, Bekannte und Verwandte. Denn erfahrungsgemäß werden die ersten 30 bis 40 Prozent des einzuwerbenden Budgets aus dem engeren Umfeld aufgebracht, bevor die ersten Euros von Fremdspendern eintreffen.

Auch Twitter-Posts, Nachrichten auf Facebook und ähnliches helfen Dir, Deine Interessenten bei der Stange zu halten. Wer alle 3 bis 5 Tage mit Neuigkeiten auf sein Projekt aufmerksam macht, kann – statistisch gesehen und nach den bisherigen Erfahrungen – 100 Prozent mehr Geld einnehmen, als jemand, der seine Geldeinwerbung nach der ersten Bekanntmachung lediglich aussitzt.

Eine rege Kommunikation hat verschiedene Vorteile. Zum einen haben die Spender, wie bei allen Internetgeschäften ein Rückgabe- oder Rücknahmerecht. Wenn ihr Interesse an Deinem Vorhaben einschläft, oder die Spender das Gefühl bekommen, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, weil sich bei Dir nichts tut, können sie das gespendete Geld auch wieder zurückholen.

Außerdem sind Deine Interessenten auch Deine Multiplikatoren. Ihre Hoffnung auf Deinen Erfolg, die sie dazu gebracht hat, für Dein Projekt Geld herzugeben, wird sie dazu motivieren, auch weitere potenzielle Geldgeber zu aktivieren. Mit besonderen Nachrichten über Dein Projekt gibst Du ihnen gleichzeitig auch Werbematerial für Eure gemeinsame Sache in die Hand.

Die Projekte können auf der Plattform mit allen wichtigen Informationen eingesehen werden. Screenshot: checkdomain

Eine nette Geste

Eine entscheidende Komponente des Crowdfundings sind die sogenannten Perks, kleine Geschenke für die Spender. Da es gesetzlich untersagt ist, den Geldgebern eine Geschäftsbeteiligung anzubieten, geht Crowdfunding mit den Perks einen anderen Weg.

Für den Förderer wird sicherlich in erster Linie der Inhalt des Projektes Motivation genug sein, um sein Geld zu investieren. Deshalb sind die Perks mehr eine kleine Aufmerksamkeit als eine Gegenleistung für die Spende. Aber das, was Du als Geschenk oder Leistung anbietest, kann wiederum positiv zum Image Deines Unternehmens beitragen, weil es vielleicht besonders originell ist. Es kann aber auch zukunftsweisend sein, indem es dem Spender für ein zu erwerbendes Produkt einen Rabatt verspricht und somit auch als Marketingtool agiert. Hierzu kannst Du Dir auf den verschiedenen Plattformen nützliche Anregungen holen.

Sei kreativ und einfallsreich bei der Auslobung Deiner Perks und nutze sie auch als kleinen Anreiz, mehr zu geben, indem Du sie nach der Höhe des Förderbetrags staffelst. Bei einem Filmprojekt kann es zum Beispiel ein Preview für die Spender sein – wer einen höheren Betrag gibt, wird vielleicht noch zusätzlichen Events eingeladen.

Nichts ist umsonst

Die Krux des Crowdfunding ist, dass das eingezahlte Geld futsch ist, wenn bis zum Ablauf der gesetzten Frist nicht mindestens das ausgelobte Budget erreicht wurde. Da Du möglichst genau angeben solltest, wofür Du das Geld verwenden willst, also zum Beispiel für die Produktion eines Prototypen oder die Renovierung eines Geschäftsraumes oder was auch immer, verbindet sich das Ziel konkret mit der Spendenbereitschaft. Wenn dann die veranschlagte Summe nicht zusammen kommt, gilt das Projekt als gescheitert.

Trotzdem können Deine Crowdfunding-Bemühungen von einem gewissen Erfolg gekrönt sein. Denn der  besondere Aspekt der Kommunikation mit anderen kann auch bei ausbleibendem Spendenerfolg zum Ziel führen. Hinweise der Crowd auf Probleme, Unklarheiten und Widersprüche in der Planung des Projektes können oft mehr als Geld wert sein. Manchmal verrennt man sich in einem Konzept und bekommt die rettenden Impulse, indem man sein Gedanken und Pläne öffentlich macht. Nutze in jedem Fall die Kommunikation mit dem Publikum der gewählten Plattform, um Dir ein möglichst umfangreiches Feedback zu deinem Vorhaben zu holen.

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