Das Ende der Gleichheit im Netz? Wie die Netzneutralität verloren geht

Bei Paketdiensten gibt es das Prinzip schon lange: Der Standardversand kostet den Standardpreis. Wer Expresstempo möchte, muss dafür einen Zuschlag zahlen. So ähnlich könnte es auch bald im Internet aussehen, wenn es um den Versand unserer Daten geht. Denn die Netzneutralität – also die Gleichbehandlung aller Daten – wird von einigen Internet-Zugangsprovidern gerade massiv angekratzt. Das haben wir bei checkdomain in den vergangenen Wochen ganz konkret erlebt und jetzt darauf reagiert.

Premium-Zuschlag für Standardleistungen?

Damit Nutzer die Seiten unserer Kunden an Telekom-DSL-Anschlüssen weiter schnell und problemlos aufrufen können, zahlen wir seit einigen Tagen zusätzlich für eine schnellere Anbindung an das Telekom-Netz. Zuvor hatten wir festgestellt, dass es immer wieder Probleme mit langsamen Verbindungen gab. Da wir möchten, dass unsere Kunden zufrieden sind, konnte es so aus unserer Sicht nicht weitergehen – weshalb wir uns dafür entschieden haben, mehr zu zahlen.

Die zusätzlich entstehenden Kosten legen wir selbstverständlich nicht auf unsere Kunden um, da wir durch die schnellere Anbindung ja kein Plus an Leistung bieten, sondern lediglich den gewohnten Standard aufrecht erhalten wollen.

Auf dem Weg zum Zwei-Klassen-Netz

Leicht fiel uns dieser Schritt nicht. Weniger aus finanziellen Gründen, denn aus ideologischen. Denn eigentlich widerstrebt es unserer Auffassung eines neutralen Netzes, für eine Leistung doppelt zu zahlen und so die Entwicklung hin zu einem Zwei-Klassen-Netz zu unterstützen. Mit Euren monatlichen Gebühren für den Internetanschluss habt Ihr bereits für einen schnellen Zugang ins Netz gezahlt.

Doch einige Netzbetreiber möchten offenbar doppelt kassieren und bremsen den von Content-Anbietern stammenden Datenfluss an den Schnittstellen von öffentlichen Leitungen zu ihren Anbindungen aus. Content-Anbieter oder auch Webhoster wie checkdomain werden also quasi gezwungen, zusätzliche Anbindungen zu bezahlen, damit das Aufrufen ihrer Seiten nicht deutlich länger dauert.

(© https://d-64.org/)

Drosselung statt Netzausbau

Aber mal ganz auf Anfang und noch mal zum Begriff der Netzneutralität: Bis vor kurzem waren im Internet alle Daten gleich, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Bestimmungsort oder ihrem Inhalt. Alles wurde mit der gleichen Geschwindigkeit verschickt, niemand wurde benachteiligt oder bevorzugt. Es wurden keine Dienste gesperrt oder nur mit gedrosseltem Tempo bedient.

Als in den vergangenen Jahren der Traffic massiv stieg – etwa durch zahlreiche Streaming-Dienste – wurde klar: Die Internet-Zugangsprovider müssen ihre Anbindungskapazitäten an öffentlichen und damit (kosten-)neutralen Internetknotenpunkten deutlich ausbauen,  damit sämtliche Datenströme weiterhin ungehindert in hohem Tempo fließen können. Genau das passiert in vielen Fällen aber nicht.

Stattdessen prüfen und filtern Anbieter die Datenpakete und bestimmen auf dieser Basis, ob und in welchem Tempo Daten transportiert werden. Diesen Monat zuviel gestreamt? Dann wird der Internetanschluss gedrosselt. Per Skype über das Smartphone kostenlos telefonieren? Geht nicht – die Daten werden abgefangen, weil viele Anbieter die Nutzung dieses Dienstes im Kleingedruckten untersagen.

Dafür bevorzugen manche Internet-Zugangsprovider bestimmte Dienste, mit denen sie kooperieren und rechnen den bei der Nutzung entstehenden Traffic nicht mit. Auf den ersten Blick schön für den Kunden, bei genauerem Hinsehen aber natürlich auch eine Bevormundung und der Versuch, den Kunden in die vom Unternehmen gewünschte Richtung zu lenken.

Schnell durchs Netz? Nur gegen Aufpreis!

Klar, auch wir bei checkdomain wissen: Gute Leistung hat ihren Preis. Man kann nicht immer mehr für immer kleineres Geld erwarten. Es kann aber auch keine Lösung sein, wenn Unternehmen bewusst nicht in die Zukunft des Netzes zu investieren und stattdessen das Tempo drosseln und nur gegen zusätzliche Zahlungen wieder auf’s Gas gehen.

Viele Content-Anbieter werden sich wohl oder übel erstmal auf diese Deals einlassen müssen, um keine Kunden zu verlieren. Denn wie sollen Nutzer nachvollziehen, dass das Schneckentempo nicht am Anbieter eines Dienstes liegt, sondern am Internet-Zugangsprovider, der Daten nach A, B und C kategorisiert? Noch ärgerlicher wird die Angelegenheit, wenn man weiß, dass die Kapazitäten an den öffentlichen, also von uns allen gemeinsam bezahlten Knotenpunkten, voll ausreichen. Selbst während der üblichen abendlichen Stoßzeiten gibt es hier keine Engpässe. Das Netz ist entgegen der Behauptungen mancher Provider also noch lange nicht voll.

Ohne Netzneutralität kein freies Internet!

Für uns bei checkdomain gilt deshalb: Im Moment bleibt uns nichts anderes übrig, als für die zusätzliche Anbindung zu bezahlen. Gleichzeitig bleibt die Netzneutralität für uns aber ein wesentlicher Baustein des freien Internets. Wir akzeptieren kein Internet der „Zwei Klassen“ und keine Internet-Zugangsprovider, die Inhalte erst bewerten, bevor sie sie weiterschicken. Daten müssen auch in Zukunft ungehindert und unbeschränkt zwischen den verschiedenen Netzen ausgetauscht werden können.

Ihr möchtet Euch noch weiter zum Thema Netzneutralität informieren? Wir haben ein paar empfehlenswerte Links für Euch gesammelt:

Bildquelle und weiter Infos: https://digitalegesellschaft.de/2014/12/faq-netzneutralitaet/

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