Gratis, aber alles andere als umsonst: Open Source Software

Meine Urgroßmutter, Jahrgang 1898, pflegte stets zu sagen: “Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“ Hätte sie zu Lebzeiten noch Open Source Projekte kennen gelernt, wäre ihr Urteil sicherlich anders ausgefallen. Denn kaum eine Aufgabe, die sich nicht mit einer offenen Software bewältigen lässt. Trotzdem unterschätzen noch immer viele Menschen den Wert und den Nutzen von Open Source oder begegnen entsprechender Software sogar mit Misstrauen. Für uns ein Grund, sich dem Thema mal ausführlicher zu widmen, schließlich nutzen wir bei checkdomain nicht nur Open Source-Software, sondern unterstützen auch deren Weiterentwicklung.

Warum Open Source?

Die Entstehung von Open Source-Projekten kann man gut verstehen, wenn man sich deren Gegenteil, nämlich die hermetischen Kaufprogramme der Software-Riesen, anschaut. Oft hat man das Gefühl, dass die Software, die man täglich ganz zufrieden benutzt, nur deshalb ein Update erhält, weil es aus Marketing-Gründen gerade an der Zeit ist. Die neuen Versionen der Programme sind dann vielfach zwar anders, aber nicht unbedingt besser. Ebenfalls unerfreulich ist es, wenn Dokumente, die mit den verschiedenen Programmversionen erstellt wurden, plötzlich nicht mehr kompatibel sind. Der Zwang zum Update lohnt sich vorwiegend für die Hersteller und zwar finanziell.

Open Source Software entsteht aus einer anderen Philosophie. Updates gibt es, wenn User Probleme erkennen und diese über den offenen Zugang zum Quellcode behoben werden. Die Programmierer sind hier meist auch überzeugte Benutzer der Programme. Deshalb entwickelt sich die Software, die kontinuierlich verbessert wird, aus inhaltlichen und nicht aus monetären Gründen weiter.

Das erklärt auch, was Programmierer dazu bringt, ihr geistiges Eigentum unentgeltlich offen zu legen. Das zentrale Ziel ist die Problemlösung. Je mehr Menschen an einer Aufgabenstellung arbeiten, um so größer ist die Chance sie zu bewältigen. Anders herum kann ein Programmierer, der ein Programm schreiben will, mittels Open Source Software auf die Ideen anderer zugreifen und muss das sprichwörtliche Rad nicht komplett neu erfinden. Dies spart zusätzlich Ressourcen.

Gutes muss nicht teuer sein

Der Erfolg gibt diesem Prinzip Recht. Das kann man besonders gut am Beispiel der verschiedenen Browser-Programme sehen. Sie sind alle kostenlos per Download erhältlich. Ein Marktvorteil kann demnach nicht auf preisliche Gründe zurückgeführt werden.

Aber Firefox aus dem Mozilla Open Source Projekt ist in diesem Segment die mit Abstand meistgenutzte Software im Internet. Das liegt hauptsächlich daran, dass dieses Programm benutzerorientiert optimiert wird und stets den neuesten Standards der Website-Programmierung entspricht.

Internetseite des Mozilla Projektes
Das Mozilla Projekt entwickelt bewährte Programme wie den Firefox Browser. Screenshot: mozilla.org

Ein weiteres Beispiel ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die für viele zum Lieblings-Lexikon avanciert ist. Bei diesem Projekt wird nicht die Programmierung, sondern das Wissen, geteilt und über eine offene Eingabemöglichkeit auf dem neuesten Stand gehalten.

Wikipedia Spendenaufruf
Die Wikipedia Online-Enzyklopädie ist mittlerweile zum beliebtesten Lexikon der Deutschen geworden. Screenshot: Wikipedia.org

Und die Leistung des Open Source-Gedanken zeigt sich nicht ausschließlich in der Quantität. Es gibt auch qualitative Exempel, die den Erfolg der offenen Quelle beweisen. Betrachtet man das Angebot an Betriebssystemen, hat Microsoft mit seiner Windows-Software seit Jahren die Nase auf dem Markt vorne. Wo jedoch eine hohe Qualität, Sicherheit und Transparenz der Software gefragt ist, sieht das schon ganz anders aus. So laufen 95 Prozent der schnellsten Supercomputer mit Linux und nicht mit Windows.

Die Liste der etablierten Open Source-Projekte lässt sich noch lange fortführen. Die kostenlose Bürosoftware OpenOffice von Apache zum Beispiel  hat auch bereits einen Marktanteil von über 20 Prozent erreicht.

Der Scheck zum guten Zweck

Wie aber finanzieren sich diese Projekte? Irgendwoher muss das Geld ja kommen, wenn die über offene Quellen entstandene Software kostenlos zum Download bereit steht. Im Prinzip funktioniert die Akquise der Gelder für Open Source Projekte genauso wie die Entstehung ihrer Produkte. Das Geheimnis ist die Nutzung von Synergien. Wenn ich ein Interesse an einem Produkt habe, wird dies Grund genug sein, dass ich auch meinerseits dafür Ressourcen investiere.
Da ich kein Programmierer bin, habe ich die Möglichkeit, für Mozilla, Apache oder Linux zu spenden. Die meisten Projekte weisen beim Download auf diese Möglichkeit hin. Und die sollte ich auch unbedingt nutzen, denn wenn dem Projekt, das ich vielleicht sogar für meine Arbeit nutze, irgendwann die Puste ausgeht, bin ich selbst der Leidtragende, weil ich mir dann für viel Geld eine vielleicht schlechtere Software kaufen muss.

Aber auch andere Unternehmen finanzieren offene Projekte. checkdomain unterstützt zum Beispiel die CMS-Projekte Ilch und Contao, weil wir von der Qualität der Angebote überzeugt sind. Es ist uns wichtig, dass unsere Kunden einen Pool an guter Web-Software – beispielweise über den Software-Installer – für die Erstellung ihres Online-Auftritts nutzen können.

Internetseite von Contao
checkdomain unterstützt Open Source Projekt wie zum Beispiel „Contao“ und „Ilch“. Screenshot: Contao.org

Auch Googles Interesse am Überleben des Mozilla Projektes drückt sich in finanziellen Zuwendungen aus, obwohl die beiden Unternehmen mittlerweile Konkurrenten sind. Das Mozilla-Produkt Firefox sichert Google seit langer Zeit zu, bei der Websuche in den Standardeinstellungen des Browsers auf Google zu verweisen. Das lässt sich der Suchmaschinen-Riese eine ganze Menge Geld kosten. Trotzdem Google mit dem eigenen Browser-Programm Chrome auf dem Markt drängt, wurde die Kooperation um weitere drei Jahre verlängert und beschert Mozilla 300 Millionen Dollar im Jahr.

In die Zukunft investieren

Open Source-Projekte sind durch das Internet, das die räumlichen Distanzen zwischen den Programmierern virtuell verringert hat, und das World Wide Web 2.0 mit seinen offenen Kommunikationsstrukturen im Besonderen, ein moderner und effektiver Weg in der Softwareentwicklung geworden. Ideen und Visionen sind nicht mehr nur in erster Linie an die kommerzielle Durchsetzbarkeit gebunden, sondern können durch einen offenen Prozess zielorientiert voran getrieben werden.

Wenn Du also demnächst wieder ein Open Source Programm auf Deinen Rechner lädst, überlege Dir, wie viele Euro dir die Nutzung der Software wert ist. Wenn jeder User auch nur einen kleinen Teil von dem zurück gibt, was die Open Source Software für ihn leistet, ist das Überleben der vielen Projekte und somit die benutzerfreundliche Entwicklung der IT-Welt für die Zukunft gesichert.

Wenn Du Dich mit dem Thema Open Source noch intensiver beschäftigen möchtest, hier noch eine Link-Empfehlung zum Thema: Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich mit Open Source auseinandergesetzt.

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