Farben und ihre (Be-) Deutungen

Erinnerst du dich noch an die 1990er Jahre? Warst du damals schon im Internet unterwegs? Wenn ja, dann weißt du sicherlich noch, dass damals viele Websites schrill und bunt waren. Viele Animationen, viele bunte Farben. Glücklicherweise hat sich dieser Aspekt des Webs in den letzten zwanzig Jahren zum Besseren entwickelt.

Denn weniger ist mehr – auch bei der Farbgebung. Schrill und bunt ist out. Gefragt sind dezente und ansprechende Designs, in Farben, die idealerweise zum Inhalt der Seite und zur angepeilten Zielgruppe passen.

Licht, Farbe und Kultur

Zwischen Infrarot und Ultraviolett liegt ein ganzes Spektrum an Farben. Aus drei Primärfarben (die additive Farbmischung verwendet Rot, Grün und Blau, die Subtraktive dagegen Magenta, Gelb und Cyan) lässt sich jeder denkbare Farbton generieren. Optisch darstellen lässt sich das mit einem Farbkreis, der uns zeigt, wie die Farben zueinander liegen und wie sie ineinander übergehen.

Wenn wir spezielle Nuancen außen vor lassen (also z. B. verschiedene Abstufungen von Karminrot bis Ziegelrot einfach als Rot betrachten), können wir sechs bis zwölf Farben identifizieren. Jede davon hat ihre eigene Wirkung, und Designer sind gut beraten, sich darüber Gedanken zu machen.

Natürlich beeinflussen individuelle Vorlieben, wie die Menschen den Anblick bestimmter Farben empfinden. Und auch kulturelle Eigenheiten spielen dabei eine große Rolle. Beispielsweise betrachtet die westliche Welt Weiß normalerweise als Farbe von Freude, Reinheit und Unschuld. Afrikanische und asiatische Kulturen verbinden sie dagegen oft mit Trauer und Tod. Und während eine Braut in einer westlichen Hochzeit ganz in Weiß in die Ehe geht, wird bei einer traditionellen chinesischen Hochzeit in Rot geheiratet.

Wer sich beim Gestalten Gedanken über die Farbgebung macht, sollte auch derartige Unterschiede berücksichtigen.

Ein ganzer Regenbogen.

Rot

Rot steht für Kraft und Energie, aber auch für Warnungen und Gefahr. Sowohl Liebe und Leidenschaft werden dieser Farbe zugeteilt, doch wenn wir »Rot sehen«, bedeutet es of Wut und Zerstörung. 

Auf jeden Fall ist es eine Farbe, die wahrgenommen wird, darum sind im Straßenverkehr Warnschilder mit einem roten Rand umgeben. Rot macht auf Dinge aufmerksam, animiert zu Handlungen. Aber es wirkt auch auf den Organismus. So soll es beispielsweise den Appetit anregen, weswegen Fast-Food-Ketten diese Farbe gern für ihr Branding verwenden.

Orange

Beim Mischen von Farben ist Orange das Ergebnis, wenn man Rot und Gelb kombiniert. So übernimmt diese Farbe einen Teil der roten Kraft und Energie, wird aber nicht mehr so stark mit Warnung und Gefahr assoziiert. Stattdessen steht Orange für Freude, Schwung und Jugendlichkeit. Und wer die gleichnamige Frucht mag, wird leicht einsehen, dass Orange auch mit Vitalität und Gesundheit in Verbindung gebracht wird.

Die Lebendigkeit der Farbe kann aber dazu umschlagen, dass sie als aufdringlich oder unruhig empfunden wird.

Braun

Braun ist im Grunde genommen eine dunklere Variante von Orange. Als »erdige« Farbe steht sie für Stabilität und Zuverlässigkeit. Gemeinsam mit Grün wird sie häufig mit Land- und Forstwirtschaft in Verbindung gebracht.

Doch obwohl Braun für Heimeligkeit und Gemütlichkeit stehen kann, wird sie oft auch mit Schmutz (oder Schlimmerem) assoziiert oder schlicht als langweilig empfunden. 

Gelb

Gelb ist eine heitere und freundliche Farbe, die für Optimismus und Spontanität steht. Sie macht das Lächeln von Smileys gleich noch eine Spur fröhlicher und angeblich soll sie sogar gegen depressive Verstimmungen helfen.

Die Redewendung, jemand wäre »gelb vor Neid«, spiegelt eine mögliche negative Interpretation dieser Farbe wieder. Ähnlich wie Orange kann auch Gelb bei übermäßigem Gebrauch rasch als aufdringlich empfunden werden.

Grün

Die Farbe der Natur. Frieden und Ruhe, Hoffnung und Leben. Da diese Farbe mit Pflanzen in Verbindung gebracht wird, steht sie auch für Wachstum und Regeneration. Dies gilt insbesondere für die hellere Variante. Dem gegenüber steht Dunkelgrün, das die Zeit des Wachstums bereits hinter sich hat und mit Beständigkeit und Zufriedenheit assoziiert werden kann.

Autofahrer freuen sich, wenn sie »grünes Licht« bekommen und als Komplementärfarbe zu roten Warnsignalen steht Grün für »Alles in Ordnung«. Andererseits ist es jedoch nichts Gutes, wenn man noch »grün hinter den Ohren« ist, und von Dingen, die »giftgrün« sind, lassen wir lieber doch die Finger. 

Blau 

Blau ist eine kühle Farbe, was sich sowohl positiv als auch negativ interpretieren lässt. Da sie auch für Zuverlässigkeit und Verantwortung stehen kann, ist es kein Zufall, sie von vielen Firmen in den verschiedensten Branchen für ihr Branding genutzt wird. Beispiele wären etwa Facebook, HP oder Dell (IT / Technologie), PayPal (Finanzdienstleister) oder Nivea (Kosmetik).

Dabei vermittelt das leichte Hellblau eher ein Gefühl von Lockerheit und Freiheit auf Kosten der Seriosität, während die dunklere Variante Ernsthaftigkeit und Tiefe widerspiegelt.

Da auch Himmel und Meer mit Blau in Verbindung gebracht werden, steht die Farbe gelegentlich für ein Gefühl von Sehnsucht – denn wer hatte noch nie Lust darauf, mal »blau zu machen« oder einfach nur »ins Blaue« zu fahren?

Violett

Violett ist eine widersprüchliche Farbe, denn sie verbindet das warme, energiegeladene Rot mit dem kühlen, ruhigen Blau. Jahrhundertelang war die Farbe Königen und religiösen Würdenträgern vorbehalten. Dementsprechend steht sie für Macht und Mystik, Luxus und Prestige.

Die erwähnte Widersprüchlichkeit der Farbe ist jedoch auch ihre Schwäche, denn sie kann unstet wirken – gewissermaßen nicht Fisch, nicht Fleisch. Und was der eine Mensch als Würde und Pracht betrachtet, hält der andere für Arroganz und Abgehobenheit.

Schwarz, Weiß und Grau

Im ersten Impuls vielleicht langweilig, sind Schwarz und Weiß, wie auch die dazwischen liegenden Grau-Schattierungen unglaublich vielseitig.

Wie bereits eingangs erwähnt, wechseln sich Schwarz und Weiß darin ab, je nach Kulturkreis für Trauer und Tod zu stehen. Und während Schwarz als drückend und düster empfunden werden kann, lässt sich Weiß für distanziert oder gleichgültig halten. Beide Farben können langweilig wirken, sind sie doch im wahrsten Sinne des Wortes farblos. Ähnliches ließe sich zu den dazwischen liegenden Grautönen sagen.

Doch in der richtigen Kombination entfalten Schwarz, Grau und Weiß ihre Kraft und stehen für Eleganz, Effizienz und Seriosität. Mit ihnen lassen sich klare und eindeutige Botschaften vermitteln.

Die Mischung macht’s

Ob nun die positiven oder negativen Aspekte der Farben zum Vorschein kommen, hängt natürlich auch vom Kontext ab. Beispielsweise brauchst du dir kaum Gedanken darüber zu machen, ob Braun langweilig empfunden wird, wenn du eine Website gestaltest, die sich mit verschiedenen Bio-Themen beschäftigen soll. Und auch wenn violett als unstet gesehen werden kann, machen sich ein paar Akzente in dieser Farbe gut, wenn du dich mit Artikel der gehobenen Preisklasse beschäftigst.

Ob es nun um ein Logo geht, oder um das Design von Menüs, Schaltflächen und Co. Generell sollte gelten: Weniger ist mehr. Oft erzielen mattere, blassere Farbtöne nicht nur eine bessere Wirkung als ihre grellen und knalligen Entsprechungen, sie schaffen dies auch, ohne übermäßig aufdringlich zu wirken. 

Und auch was die Anzahl der verwendeten Farben angeht, sollte dieses Prinzip berücksichtigt werden. Im Normalfall reichen zwei, höchstens drei verschiedene Farben im Design, um die gewünschte Zielgruppe in ausreichendem Maße anzusprechen.

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Autor: Günter Gerstbrein

Günter Gerstbrein, Jahrgang 1977, studierte technische Mathematik an der TU Wien und war etwa 13 Jahre in der Software-Entwicklung tätig. Als „Texter, der aus der Technik kam“ ist es sein Ziel, komplizierte Sachverhalte leicht verständlich und ohne viel Techno-Babble zu vermitteln.

Gerstbrein textet