Die andere Seite: Online-Kurse für Bloggerinnen

Die Erkenntnis ist nicht neu: Frauen lernen mehr und besser, wenn keine Männer dabei sind. Ist schon in der Schule so, das ist wissenschaftlich erwiesen. Ohne Jungs in der Klasse sind die Mädchen plötzlich auch in Mathe und Physik gut. Mit Jungs in der Klasse sieht es dagegen bei den meisten eher mittelmäßig bis schlecht aus. Laut den Forschungserkenntnissen liegt das vor allem daran, dass in gemischten Klassen oft die Jungs den Ton angeben und die Mädchen sich nicht trauen, Fragen zu stellen – die könnten ja blöd sein, so die Angst vieler Schülerinnen. Nicht zuletzt aus dieser Erfahrung heraus entstehen derzeit immer mehr On- und Offline-Workshops speziell für Bloggerinnen.

Die Palette reicht vom Einstieg ins Bloggen über Fotografieren bis hin zu HTML- und CSS-Kursen. Die Dozenten sind ebenfalls meistens Frauen, aber nicht nur. Ich habe im Lauf dieses Jahres einige dieser Angebote selber getestet, andere stehen noch auf meiner To-Do-Liste – auf jeden Fall kommt hier heute schon einmal ein ganz subjektiver Überblick über die aktuelle Online-Fortbildungsszene für Bloggerinnen.

Warum überhaupt Workshops?

Ein Blog lebt davon, dass jemand sein Wissen, seine Erlebnisse und seine Erfahrungen mit der Online-Welt teilt. Davon können natürlich auch Blogger selbst profitieren. Gerade wer noch nicht so lange dabei ist, findet in der Blogosphäre etliche Tutorials, in denen andere Blogger erklären, wie man einen Blog erstellt, Social-Media-Buttons selber gestaltet, bessere Fotos für den Blog bekommt… Nur: Manchmal weiß man einfach nicht, wie die Sache genau heißt, nach der man sucht. Oder es wird genau die Frage, die man gerade hat, nirgendwo verständlich erklärt. Und überhaupt, die Sache mit der Verständlichkeit: Gerne wird gerade in den Technik-Blogs nur so mit Fachwörtern um sich geschmissen.

Ein Workshop bietet die Chance, endlich einmal alle Fragen loszuwerden und solange nachzuhaken, bis man es auch wirklich verstanden hat. Bei allen Kursen, die ich bisher gemacht habe, galt immer explizit das Motto: Dumm sind nur die Fragen, die man nicht stellt. Selbst wer am Anfang noch Hemmungen hat, legt diese ziemlich bald ab, wenn er sieht, nach welchen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten manche andere Teilnehmerinnen fragen – und mit welcher Geduld andere Teilnehmer auf diese Fragen antworten.

Ein weiteres Plus ist, dass über die Workshops Netzwerke entstehen. Es ist ja leider tatsächlich so, dass Männer in diesem Bereich einfach weit vorne sind: Sie nutzen in der Regel ohne Hemmungen alte und neue Kontakte, wenn sie Unterstützung bei etwas brauchen. Frauen sind da meistens eher zögerlich, helfen zwar gerne anderen weiter, nehmen aber umgekehrt nicht so gerne Kontakte für ihre Zwecke in Anspruch. Workshops haben in der Regel ganz ausdrücklich auch das Ziel, dass sich die Teilnehmerinnen ein persönliches Netzwerk schaffen und sich auch nach der Fortbildung gegenseitig unterstützen.

Online versus offline

Vermutlich habt Ihr es schon gemerkt: Ich bin eine große Freundin von Workshops. Klar gibt es bestimmt auch mal Flops, aber letztendlich geht man eigentlich immer ein bisschen klüger heraus, als man vorher war. In letzter Zeit habe ich vor allem Online-Kurse belegt, schlicht und einfach, weil das am besten in meine persönliche Lebenssituation passt.

Die großen Vorteile sind für mich:

  • Online-Workshops lassen sich flexibel in den Alltag einpassen
  • Sie sind meistens kostengünstig (da kann man es auch verschmerzen, wenn man aus einem Workshop nicht allzuviel neues mitnimmt)
  • Man lernt – abhängig vom Kurs – Bloggerinnen aus der ganzen Welt kennen
  • Die Inhalte stehen länger im Netz. Videos und Podcasts können so lange angesehen oder angehört werden, bis das neue Wissen wirklich sitzt.
  • Community-Gedanke: In den Workshop-Foren beantworten nicht nur die Dozenten Fragen, sondern es wird sich auch gegenseitig weitergeholfen.

Nachteile:

  • Man braucht Disziplin, um dran zu bleiben – es kommt komplett auf einen selber darauf an, was man daraus macht.
  • Es fehlen die direkten Kontakte, man lernt die anderen nur online kennen – wobei natürlich auch schon aus manchem Online-Workshop Offline-Bloggertreffen und ähnliches entstanden sind.

Online-Workshops – eine Auswahl

Die Kurse, die ich Euch hier und heute vorstelle, sind – wie gesagt – eine ganz persönliche Auswahl. Es gibt noch etliche mehr. Falls Ihr noch weitere Favoriten habt, meldet Euch gerne, das ist ja auch für alle anderen Leserinnen interessant.

Eine absolute Größe im Netz: decor8, der Design-Blog der US-Amerikanerin Holly Becker. Screenshot: decor8.com

Starten möchte ich meinen Überblick mit den Decor8-eCourses der in Hannover lebenden US-Amerikanerin Holly Becker. Holly betreibt mit Decor8 einen der bekanntesten Design-Blogs weltweit, ist mittlerweile auch erfolgreiche Buchautorin und gibt seit einigen Jahren ihr gesammeltes Bloggerwissen in den „Blogging your way“-Workshops weiter. Anfangs ging es dabei wirklich um Blog-Basics, inzwischen sind die Themen fortgeschrittener. Zuletzt wurde sich unter dem Titel „BlogBoss“ der Vermarktung von Blogs bzw. der Professionalisierung gewidmet.

Die Kurse finden zwei- bis dreimal jährlich statt, laufen jeweils vier Wochen und kosten rund 100 Euro. In diesen vier Wochen erhalten die Teilnehmer jede Woche mehrere Lektionen per Video, Podcast oder in schriftlicher Form (als PDF herunterladbar). Jede Woche gibt es eine Hausaufgabe, die die Teilnehmer machen können, aber nicht müssen. Die Hausaufgaben werden im Forum gepostet. Hier stehen auch die Dozenten (neben Holly Becker immer eine Auswahl anderer bekannter Blogger) für Fragen zur Verfügung.

Großer Vorteil der Decor8-Kurse ist, dass technisch wirklich alles einwandfrei läuft und das System mittlerweile absolut ausgefeilt ist. Speziell die Videos sind sehr lebendig gemacht. Inhaltlich wird ein guter Mix geboten, der sehr viele Themen abdeckt. Dazu kommen die renommierten Co-Dozenten, die genau wie Holly selber wirklich sehr freizügig ihr großes Wissen teilen. Was mir persönlich nicht so gut gefallen hat, ist der sehr amerikanische Ton – alles ist extrem positiv, oft geht es auch sehr oberflächlich zu, es zählt vor allem die Optik. Und es wird sich gerne selber auf die Schulter geklopft. Ein weiterer Nachteil ist, dass an jedem Kurs inzwischen unglaublich viele Leute teilnehmen. Zuletzt waren es mehr als 600 Bloggerinnen. Persönliche Kontakte kommen da selbst über das Forum kaum noch zustande.

Seit diesem Sommer auch mit Online-Kursen aktiv: Bei der blogLiebe werden Photoshop-Basics unterrichtet. Logo: blogLiebe

In einem viel kleineren, gut überschaubaren Rahmen finden dagegen die BlogLiebe-Kurse statt. Seit dem Frühsommer bietet die Bloggerin Melanie Osterried online eine Einführung in Photoshop Elements an. Zwei Wochen lang gibt es für die Teilnehmerinnen insgesamt sechs Videolektionen, in denen sie step by step die Foto-Software kennenlernen. Ganz wunderbar anschaulich erklärt und speziell auf die Bedürfnisse von Bloggerinnen zugeschnitten. Wenn etwas auch nach mehrmaligen Versuchen nicht klappt, können im Blog zum Kurs Fragen gestellt werden – Melanie hilft dann sehr schnell weiter.

Die Lektionen können vier Wochen lang abgerufen werden. Dazu gibt es kleine Freebies und Downloads, die das Bloggerinnen-Leben schöner machen. Nach dem Kurs beherrscht man auf jeden Fall die wichtigsten Funktionen von PSE und kann noch ein paar kleine Tricks zusätzlich. Der Kurs kostet derzeit 69 Euro und ist aus meiner Sicht das Geld wirklich wert. Durch die anschaulichen Videos habe ich definitiv mehr gelernt als in meinem trockenen PSE-Buch und ich habe Photoshop wirklich für mich entdeckt.

Weiter geht es in unserem Kurs-Programm mit einem Blick über den großen Teich. Hier möchte ich Euch noch ganz kurz drei Angebote fürs Online-Lernen vorstellen:

  • a beautiful mess: Die beiden Schwestern Emma und Elsie betreiben ihr „schönes Durcheinander“ so erfolgreich, dass sie über ihren Blog nicht nur einen Buchvertrag bekommen haben, sondern auch eine ganze Reihe von gut gebuchten eCourses anbieten. Interessenten haben die Qual der Wahl: Individuelles Blogdesign inklusive Coding-Basics? Creative Business? Oder auch Styling? Ab rund 30 US-Dollar sind Wissbegierige mit dabei. Wer noch am Zögern ist, kann auch erstmal vorsichtig testen. Elsie und Emma bieten auf ihrem Blog eine ganze Reihe kostenloser Tutorials zu verschiedenen Themengebieten, die einen ersten Einblick in die Art ihrer Kurse bieten.
  • Noch mehr Auswahl findet sich bei Nicole’s Classes. Hier reicht die Palette von Photoshop über Illustrator (Anfänger und Fortgeschrittene), diverse Fotografie-Workshops und Brandbuilding-Seminare für Kreative bis hin zu Nähkursen und dem Arrangieren von Blumen. Die Kurse starten jeden Monat neu und dauern jeweils vier Wochen. Dozenten sind Experten aus den jeweiligen Fachgebieten. Die Kosten pro Kurs liegen jeweils bei umgerechnet etwa 100 Euro. Die Gestaltung der Kurse und der technische Ablauf sind sehr professionell – an diesem Beispiel ist gut zu erkennen, dass Online-Kurse in den USA einfach schon seit längerer Zeit ein großer Trend sind.
  • Für alle, die sich stärker in die technischen Aspekte des Bloggens vertiefen wollen, sei hier noch die Seite Style Screencasts genannt. Katrina von Pugly Pixel-Blog bietet hier für kleines Geld jede Menge Wissen rund um HTML, CSS und Photoshop an. Einen 30-Tage-Zugang zu einzelnen Tutorials gibt es ab 25 US-Dollar. Sehr schön finde ich die Philosophie, die hinter den Tutorials steckt: „Experiment! Poke around Photoshop, discover, and welcome mistakes! All of the tutorials I share on my blog are the result of hours and hours of experimentation. It’s through bouts of trial and error that I’ve learned Photoshop, HTML, CSS, and many many other things outside the web. As long as you treat learning as a hobby, it’s all play!“

Und mit diesen schönen Sätzen, die absolut meiner Erfahrung entsprechen, verabschiede ich mich für heute – noch ein bisschen lernen gehen im Netz. Im nächsten Teil unserer Reihe wird es dann um das Thema Offline-Kurse gehen. Denn so schön und praktisch Online-Tutorials sind: Manchmal braucht man einfach echte Menschen, direkte Gespräche und einen kleinen Tapetenwechsel!

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