Paywall, Social Locker & Co: So verdient dein Blog Geld

Im Oktober 1994 startete „Der Spiegel“ als weltweit erstes Nachrichtenmagazin seinen Online-Auftritt. Zu lesen gab es ausgewählte Artikel aus der Print-Ausgabe – natürlich umsonst! Damit begann die Kultur der kostenlosen Inhalte, die in der Folge vielen Medienunternehmen, aber auch vielen Blogs, zum Verhängnis wurde. Denn die alleinige Finanzierung der Inhalte durch Werbung ist oft nicht (mehr) ausreichend. Grund: die Nutzer klicken immer seltener auf Werbung oder blocken sie gleich ganz weg. So langsam wendet sich daher das Blatt und es entstehen neue Möglichkeiten, aus Content Geld zu machen. Hier erfährst du, welche das sind und wie auch du sie anwenden kannst.

Paywall

Die „klassische“ Paywall ist wohl das aktuell beliebteste Instrument, um Geld mit Inhalten zu verdienen. Große Medienhäuser wie die SZ, die FAZ oder auch die New York Times setzen sie aktuell ein. Insgesamt setzen laut Statista.de schon über 120 deutsche Zeitungen auf dieses Modell. Vorreiter war in Deutschland die BILD-Zeitung, die hier mit aktuell ca. 320.000 Abonnenten für BILDplus auch Marktführer ist.

Paywall der BILD Zeitung
Die Paywall der BILD-Zeitung

Wie funktioniert eine Paywall?

Eine Paywall bedeutet, dass man auf einer Seite eingeloggt sein muss, um deren Inhalte konsumieren zu können. Dieser Login kostet Geld. Die Paywall existiert in einer Vielzahl von Ausprägungen, die sich vor allem in den Punkten Bezahlung, Härtegrad und Ausnahmen unterscheiden:

  • Bezahlung: Die häufigste Methode ist die monatliche Abrechnung im Abo. Daneben gibt es Tagespässe oder auch die genaue Abrechnung auf Basis einzelner Artikel, die unter anderem Spiegel Online aktuell ausprobiert.
  • Härtegrad: Bezahlschranken können verschieden „hart“ sein. Die härteste Form ist die passend titulierte harte Bezahlschranke. Bei ihr ist jeder Artikel kostenpflichtig. Dieses Modell wird vor allem von Lokalzeitungen, wie zum Beispiel der Rhein Zeitung, eingesetzt. Daneben existiert das sogenannte Metered Model. Das heißt, dass man eine gewisse Anzahl von Artikeln kostenlos lesen kann, bei der New York Times sind es zum Beispiel 10 pro Monat, das Angebot danach aber kostenpflichtig wird. Das momentan häufigste Modell, das auch von der BILD-Zeitung oder der SZ genutzt wird, ist das Freemium-Modell. Das heißt, dass einige Artikel im Angebot generell kostenlos, andere aber kostenpflichtig sind.
  • Ausnahmen: Viele Paywalls schlagen nicht an, wenn Besucher von bestimmten Webseiten auf den Artikel weitergeleitet wurden. Zum Beispiel: Gibt man direkt „irgendeine-zeitung.de“ in seinen Browser ein, stößt man auf eine Paywall. Folgt man aber einem Link von Facebook oder Google, wird man gnädig durchgewinkt. Noch schwieriger wird es, wenn die Inhalte auch auf externen Plattformen verteilt werden. Hier ist es oft gar nicht möglich Artikel mit einer Bezahlschranke zu versehen. Ein Beispiel dafür sind die sehr beliebten Instant Articles bei Facebook.

Sollte ich eine Paywall nutzen?

Wenn es dir vor allem darum geht Geld mit deinen Inhalten zu verdienen, solltest du dir erst einmal überlegen, ob du mit Paid Content mehr verdienen kannst, als mit Werbung. Hier ein (reales) Rechenbeispiel von muskelaufbau.de mit Zahlen von Juli 2016 (Achtung: Es folgt einiges an Marketing-Kauderwelsch. Ein Dictionary Marketing Deutsch findest du hier):

45.705 Unique User haben in diesem Monat in 56.466 Sessions 114.657 Page Impressions generiert (Quelle: Google Analytics). Das ergab 287.755 Ad Impressions, auf die es 1.185 Clicks gab und mit denen $159,17 verdient wurden (Quelle: AdSense). Macht im Mittel 0,0035 Dollar pro User. Nimmt man die Affiliate-Einnahmen dazu, steigt der Wert auf ziemlich genau 1 Cent pro Nutzer, also insgesamt ca. $450,00.

Angenommen die Seite würde eine harte Bezahlschranke mit einer Monatsgebühr von $2,00 einführen und dafür auf die bisherigen Wege der Monetarisierung komplett verzichten (also keine Werbung mehr einblenden). In diesem Fall bräuchte es 225 zahlende Abonnenten, um denselben Erlös zu erzielen. Würde man sich 12 Monate Zeit geben und davon ausgehen, dass keine Kunden das Abo wieder kündigen, bräuchte man also 19 neue Abonnenten im Monat. Diese 19 Abonnenten aus 45.705 monatlichen Usern zu gewinnen entspräche einer Conversion Rate von 0,04%. Klingt machbar viel, oder?

Schauen wir uns bild.de an. Die Seite hat im Monat ca. 16.000.000 Uniques und hat daraus bisher 320.000 Abonnenten gewonnen. Würde man annehmen, dass das vor allem über die letzten 24 Monate geschehen ist und vernachlässigen, dass BILD+ auch in der Print-Ausgabe beworben wird, entspräche das einer Conversion Rate von immerhin 0,08%. Da klingen die 0,04% also eigentlich machbar. Meine persönliche Meinung: Wenn der Wert bei dir über 0,05% liegt, zum Beispiel, weil du deine Seite schon sehr gut über Affiliate-Werbung monetarisierst, dann würde ich es lassen. Ansonsten: Ausprobieren!

Die nächste Fragestellung für dich ist: Hast du den passenden Content? Die Faustregel: Sehr verbreiteter Content, zum Beispiel aus den Bereichen Nachrichten oder Sport, eignet sich kaum für eine Paywall, da diese Inhalte woanders kostenlos konsumiert werden können. Deine Inhalte sollten also möglichst einzigartig und hochwertig sein (gut recherchiert) oder sich an eine sehr spitze Zielgruppe richten („Die wichtigsten Transfers der Deutschen Damen-Hockeyliga in diesem Sommer„). Auch die Sprache deiner Inhalte spielt eine Rolle. Schreibst du in Englisch? Schlecht! Zwar ist deine Zielgruppe hier groß, aber dafür gibt es viele Englische Inhalte kostenlos im Netz. Schreibst du auf Deutsch? Schon besser, hier kann man noch einige gute Nischen besetzen. Du schreibst auf Plattdeutsch? Perfekt, du kannst sogar für Nachrichten-Inhalte Geld verlangen!

Wie kann ich eine Paywall einrichten?

Am Einfachsten kannst du eine Paywall einrichten, wenn deine Seite auf WordPress basiert. Hier gibt es bereits eine Vielzahl guter Plugins, die eine Paywall ermöglichen. Meine Top 3 sind:

  1. Paywall by Drizzle: Diese Paywall ist sehr einfach einzurichten und optimiert sich selbst. Ideal für einen ersten „set and forget“-Test!
  2. Cointent: Dieses Plugin liefert sehr viele Einstellungsmöglichkeiten und bietet die Möglichkeit wiederkehrender Zahlungen (also Abos). Ideal für Leute, die schon ein wenig mehr im Thema sind.
  3. Leaky Paywall: Das Plugin ist gerade frisch auf den Markt gekommen, macht aber schon einen guten Eindruck. Die Entwickler haben viele gute Ideen und Ansätze, wie zum Beispiel eine Integration mit bbPress oder MailPoet, die aber leider alle als extra PlugIns installiert (und gekauft) werden müssen.

Aber auch für andere CMS sind schon Paywall Plugins verfügbar. Für Typo3 zum Beispiel ist SatoshiPay eine gute Lösung und für Joomla ist Membership Pro zu empfehlen. Nutzt du ein anderes CMS, such einfach im jeweiligen Plugin-Store nach Paywall, Membership oder ähnlichem. Ansonsten gibt es noch CMS-unabhängige Lösungen, wie zum Beispiel Plenigo oder piano.io.

Wenn dir eine Paywall zu weit geht, du aber trotzdem testen möchtest, ob Nutzer für deine Inhalte bereit sind Geld zu bezahlen, dann versuche es doch einfach mal mit einer freiwilligen Bezahlung.

Freiwillige Bezahlung

Es klingt erst einmal befremdlich, aber wenn man sie danach fragt und sie ab und zu daran erinnert, sind viele Nutzer bereit, freiwillig Geld für Inhalte zu bezahlen. Das größte Beispiel für diesen Weg ist in Deutschland die taz. Dort kann jeglicher Content kostenlos gelesen werden, es wird aber immer wieder mal darum gebeten freiwillig zu spenden, wenn man Beiträge gut findet. Aber auch Seiten wie Pixabay, stadt-bremerhaven.de oder neue Medienmarken wie Rocketbeans.tv setzen vermehrt auf freiwillige spenden.

Die Aufforderung zur Zahlung von der TAZ
Zwischenseite der TAZ (anklicken zum Vergrößern)

Vor allem, um ein Gefühl für die Zahlungsbereitschaft der User zu entwickeln, ist der Aufruf zur freiwilligen Bezahlung sicherlich interessant. Und, hej, was gibt es zu verlieren?

Wie binde ich freiwillige Zahlungen bei mir ein?

Willst du deine User dazu bringen freiwillig etwas für deinen Content zu bezahlen, musst du vor allem für zwei Dinge sorgen: Bewusstsein und Möglichkeit.

Bewusstsein: Damit deine Nutzer dir Geld spenden, müssen sie wissen, dass sie das tun sollen. Klingt banal, ist aber wichtig. Gute Möglichkeiten, den Aufruf zu platzieren, sind zum Beispiel Exit-Intent Layer oder Layer die sich öffnen, wenn ein Nutzer einen gewissen Prozentsatz auf einer Seite nach unten gescrollt hat. Auch Störer im Artikel selber sind natürlich möglich (so macht es die taz).

Möglichkeit: Wenn die Nutzer dann spenden wollen ist es natürlich wichtig, dass sie es auch können. Dazu braucht es möglichst gängige und einfach zu bedienende Micro-Payment Dienste. Bekannte Dienste sind zum Beispiel PayPal Micropayments, Laterpay oder daopay. Persönlich finde ich auch den „Buy me a coffee“-Button von ko-fi sehr sympathisch.

Sonderfall Flattr: Die Online GEZ

Ein etwas besonderer Fall ist Flattr. Das Projekt gibt es seit 2010. Nach anfänglichem Hype wurde es zwar zuletzt ruhig um das Start-up, ich denke aber, dass mit Flattr Plus und der Kooperation mit AdBlock Plus wieder Musik in die Sache kommt.

Flattr funktioniert wie folgt: Als Nutzer lädt man monatlich einen Betrag auf sein Flattr-Konto. Immer, wenn man einen Inhalt gut findet, kann man diesen „flattrn“. Am Ende eines jeden Monats wird das Geld dann auf alle Seitenbetreiber aufgeteilt, die man geflattrt hat. Flattr ist also so etwas wie die Online-GEZ. Nur in freiwillig. Und in fair, da man selber bestimmen kann, wo sein Beitrag hingeht. Als Seitenbetreiber bekommst du also nicht direkt Geld von deinen Nutzern, sondern eine monatliche Abrechnung von Flattr.

In jedem Fall halte ich Flattr für eine gute Sache und den aussichtsreichsten Kandidaten auf eine Lösung, die sich allgemein durchsetzt. Daher würde ich jedem empfehlen, Flattr bei sich mit auf die Seite zu nehmen.

Social Locker und Pay with a tweet

Auch wenn du deine Inhalte weiter kostenlos zur Verfügung stellen möchtest, kann es sinnvoll sein, deinen Content zu versperren. Generell gibt es zwei Arten von Blogs, für die das interessant ist:

  1. Unternehmens-Blogs: Blogs von Unternehmen dienen meistens dazu Informationen an die Kunden weiterzugeben, oder neue Kunden (Leads) über gute Inhalte auf sich aufmerksam zu machen. Vor allem bei den Leads läuft es aber häufig so: Der Nutzer kommt auf die Seite, konsumiert den Inhalt und ist wieder weg. Außer eine kleine Markenwirkung hat man da als Unternehmen nicht viel erreicht. Besser ist es, wenn man den Nutzer dazu zwingt seine E-Mail Adresse anzugeben oder das Unternehmen bei zum Beispiel Facebook zu liken, denn nur so kann man in Kontakt bleiben, den Nutzer auch in Zukunft auf passende Inhalte aufmerksam machen und Kontaktzahl und Marketingwirkung erhöhen.
  2. Werbefinanzierte Blogs: Die häufigste Methode mit einem Blog Geld zu verdienen ist Werbung. Dazu sind meist 2-3 Adsense Banner in einem Artikel verbaut und vielleicht noch ein paar Affiliate-Links gesetzt. Um mehr Geld zu verdienen kann man nun also entweder noch mehr Werbung einbauen, oder seine Reichweite steigern. Letzteres kann man erreichen, indem man seine Leser dazu bringt die eigenen Beiträge zu liken, sharen, retweeten und so weiter. Und wie könnte man das besser erreichen als mit Zwang? Im Ernst, wenn deine Inhalte gut sind und du erst relativ weit unten im Text eine „Like-Wall“ einbaust, dann werden die Nutzer deine Inhalte liken. Versprochen!

Wie kann ich so etwas bei mir einbinden?

Der bekannteste Anbieter in diesem Bereich ist wohl Pay with a Tweet. Das Tool ist vor allem dazu geeignet sich Downloads von z.B. kostenlosen eBooks „bezahlen“ zu lassen. Trotz des limitierenden Namens, kann dabei übrigens auch mit einem Facebook Like, LinkedIn Share oder sonstigem „gezahlt“ werden. Pay with a tweet ist allerdings weniger gut geeignet, um Inhalte mit einer Mauer zu umgeben.

Andere Tools eigenen sich dafür besser. Zum Beispiel der Social Locker, den wir bei checkdomain verwenden. Das WordPress Plugin bietet extrem viele Möglichkeiten und ist dabei sehr leicht zu konfigurieren. In den vergangenen 50 Tagen hat der Social Locker uns ca. 400 Likes, 300 Tweets, 300 Google Plus‘ und 100 Youtube Follower gebracht. Und das, obwohl wir nur 5 Beiträge damit gesperrt haben – beachtlich! Eine negative Wirkung auf unsere Rankings konnten wir dabei übrigens noch nicht feststellen.

Ein Beispiel wie der Social Locker bei uns aussieht
Der Social Locker bei checkdomain (anklicken zum Vergrößern)

Hast du Fragen zum Thema oder selber schon Erfahrungen gesammelt? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar. Ich werden ihn kostenlos beantworten ;)

Rating: 5.0/5. Von 3 Abstimmungen.
Bitte warten...

Schreibe einen Kommentar

Die von Ihnen hier erhobenen Daten werden gemäß unserer Datenschutzerklärung zur Veröffentlichung Ihres Kommentars in unserem Blog verarbeitet.