Ich bin dann mal weg – zum Coworking unter Palmen

Ist Euch auch so kalt? Das graue Winterwetter geht Euch schon seit Wochen auf den Keks? Und überhaupt könntet Ihr dringend mal einen Tapetenwechsel gebrauchen, habt aber gerade so viel zu tun, dass Ihr nicht wegkönnt aus dem Büro? Falls Ihr jetzt dreimal laut ja gerufen habt, dann packt doch einfach Euren Schreibtisch ein und arbeitet da weiter, wo die Sonne scheint, das Meer rauscht… Blödsinn? Nein, keineswegs. Denn nach dem Co-Working gibt es jetzt einen neuen Trend: Das Co-Working unter Palmen. Freelancer arbeiten gemeinsam an Orten, an denen es sich auch im Winter angenehm leben lässt – inklusive dem üblichen Co-Working Organisationspaket und täglichen Feedback-Runden.

Klar kann nicht jeder einfach so Richtung Süden aufbrechen und ab sofort mit Blick auf den Strand arbeiten. Aber wer beruflich wenig mehr braucht als seinen Laptop und sein Handy, wer (fast) alles online abwickeln kann und keine familiären Verpflichtungen hat, für den lassen sich Arbeit und Reisen mittlerweile ziemlich problemlos verbinden.

Wie beim Reisen üblich waren es zunächst die einzelnen Laptop-Nomaden, die gezeigt haben, was alles geht und vor allem wie es gehen kann. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Pauschalangeboten für reisefreudige Freelancer, bei denen von der Anreise über die Unterkunft und schnelles Internet bis hin zu abendlichen Feedback-Runden und Netzwerkveranstaltungen alles da ist.

Asien oder Spanien?

Echte Arbeit oder nur ein gut getarnter Pauschalurlaub gemeinsam mit anderen Freelancern? Beides ist im Angebot, je nach Veranstalter.

Die nach eigenen Angaben älteste und größte Networking-Reiseprojekt ist project getaway. Seit 2010 organisiert die Plattform jeweils eine Veranstaltung in Thailand und eine auf Bali. Dabei kommen Freelancer, Unternehmer und Gründer aus aller Welt für einige Woche an ausgewählten Plätzen zusammen und arbeiten gemeinsam an ihren Ideen. Dazu gibt es Workshops von Experten und eine Betreuung durch Mentoren. Und ein Freizeitprogramm wird ebenfalls organisiert.

2013 fanden sich zum Beispiel auf Bali 26 Interessierte mit den unterschiedlichsten Hintergründen zusammen, um gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen und gemeinsam Baden oder auch Wandern zu gehen. Das große Plus von project getaway ist sicherlich die Internationalität. Allerdings liegt der Schwerpunkt hier mehr auf dem Netzwerken und der Auszeit mit Gleichgesinnten als auf der ganz normalen täglichen Arbeit in exotischer Kulisse.

Wesentlich bodenständiger gibt sich Sunny Office. Gründerin Katja Andes beschreibt ihren Ansatz als eine Mischung aus Wohngemeinschaft und Co-Workingspace für Unternehmer und Freelancer – an so netten Orten wie Alicante oder demnächst auf Gran Canaria.

Jeweils zwei Wochen wird zusammen gewohnt und gearbeitet. Obligatorisch ist dabei die Nähe zum Strand und eine schöne Umgebung. Gewohnt wird in großen Villen mit schnellem Internet, guter mobiler Netzabdeckung und idealen Arbeitsbedingungen sowohl draußen wie drinnen. Die Preise sind trotz der schicken Umgebung freelancer-freundlich. Auch hier geht es natürlich ebenfalls um eine Auszeit im oft stressigen Freelancer-Alltag – gleichzeitig soll aber auch ein optimaler Raum geschaffen werden, um Ideen fokussiert weiterentwickeln zu können.

Vom Laptop aufs Surfboard

Ihr seid nicht nur Freelancer oder Start-up-Gründer, sondern auch passionierte Surfer? Dann ist das Surf Office auf Gran Canaria vermutlich die Top-Adresse für Euch. Die beiden Gründer haben aus ihrer eigenen Erfahrung als reisende Freelancer die Idee entwickelt, einen Co-Workingspace im warmen Süden anzubieten – inklusive Unterkunft, schnellem Internet, dem Austausch unter Gleichgesinnten und der Nähe zu einem guten Surfrevier.

Das in der Hauptstadt Las Palmas gelegene Surf Office ist ganzjährig geöffnet. Wer hier arbeiten will, muss sich für mindestens eine Woche einquartieren und kann bis zu einem ganzen Monat bleiben. Zielgruppe sind neben Freelancern Startups sowie Angestellte, die eine zeitlang außerhalb des Büros arbeiten dürfen und Unternehmer, die eigentlich keine Zeit für Urlaub haben.

Die Organisatoren des Surf Office achten nach eigenen Angaben bei der Auswahl der Besucher darauf, dass in der Gruppe eine kreative und produktive Atmosphäre entstehen kann. Wann und wie viel gearbeitet wird, bestimmt jeder selber. Wobei sich die Coworker gegenseitig den Rücken stärken sollen, wenn jemand angesichts des nahen Strandes mit einem Motivationstief am Rechner kämpft…

Einfach mal abtauchen

Surfen, tauchen oder beides? Beim Coworking-Camp in Ägypten könnt Ihr sowohl auf wie unter dem Wasser aus dem Alltag abtauchen – zumindest theoretisch. Geplant wurde das Event für Startups, Unternehmer und Freelancer von Coworking Salzburg nach dem Motto: „Just bring your Laptop and get started“. Aufgrund der politischen Unruhen gibt es derzeit allerdings noch kein konkretes Datum für das Coworking am Roten Meer, das eigentlich bereits im November beginnen sollte.

75 Leute sollten sich – so der schöne Plan – in einem schicken Resort in El Gouna treffen, miteinander arbeiten, diskutieren und feiern. Und natürlich tauchen und surfen und dabei dem europäischen Winter entfliehen. Das alles zu vergleichsweise günstigen Preisen. Laut Webseite wollen die Veranstalter abwarten, wie sich die Lage entwickelt – mehr Infos dazu gibt es derzeit leider nicht.

Schöner arbeiten auf der Finca

Solltet Ihr Lust auf idyllisches Landleben verspüren, empfiehlt sich die Open Finca auf Mallorca als idealer Ort zum Überwintern. „Helden der Arbeit in die Sonne!“ lautet das Motto des Projekts, das Selbstständigen von November bis Januar ein Office im Grünen bietet. Wobei das Programm von Open Finca künftig über das bloße Zusammenarbeiten und das gemeinsame Wohnen hinaus gehen soll. Den Machern schweben unter anderem Workshops (gerne auch von Besuchern initiiert) und Weiterbildungen vor.

Gewohnt wird in einer Villa mit Platz für bis zu neun Leute, inklusive Pool, Küche und selbstverständlich schnellem Internet. Wunsch der Macher ist es, dass sich die Besucher nicht nur erholen, sondern viele neue Kontakte mit Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen knüpfen. Auf Wunsch kann auch der Partner (selbst wenn der wirklich nur Urlaub machen möchte) mitgebracht werden. Pärchen-Streitigkeiten sind allerdings nicht erwünscht – damit die Mitbewohner und die produktive Atmosphäre nicht leiden.

Oder doch auf eigene Faust nach Barcelona?

Diese pauschalen Arrangements sind natürlich praktisch, bequem und weitgehend risikofrei. Für ein paar Wochen im Ausland zu arbeiten lässt sich aber auch ziemlich einfach auf eigene Faust organisieren. Denn mit Coworking-Spaces gibt es mittlerweile mehr oder weniger rund um den Globus Anlaufstationen für Freelancer mit einwandfrei funktionierendem Internetanschluss und sonstiger Infrastruktur.

Einen Überblick über die insgesamt acht Coworking-Spaces in Barcelona findet Ihr zum Beispiel im Magazin deskmag. Erschwingliche Zimmer dazu finden sich über die einschlägigen Mitwohn-/Vermietungs-Plattformen im Netz. Fehlt nur noch ein kleines bisschen Abenteuerlust von Eurer Seite – und schon geht es mit dem Laptop im Gepäck los!

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