Selbstständig machen (Teil 1): Kann ich überhaupt Chef sein?

Kein nörgelnder Chef mehr, keine festen Arbeitszeiten, stattdessen volle Flexibilität und endlich das machen, was man wirklich machen möchte – und dafür auch noch mehr Geld bekommen als im alten Job: So sieht die Idealvorstellung vom Leben als Selbstständiger aus. Ist in der Realität natürlich ganz anders.

Auf welche Höhen und Tiefen Ihr Euch als Gründer einstellen und was Ihr grundsätzlich beim Thema Selbstständigkeit beachten solltet, das wollen wir Euch in unserer neuen Serie zeigen – weil wir wissen, dass unter den checkdomain-Kunden viele Selbstständige sind. Aber auch, weil wir bei checkdomain selber viel Erfahrung mit dem Gründen haben und unsere positiven wie negativen Erlebnisse teilen möchten – muss ja niemand den selben Fehler zweimal machen. Und: Das Internet eröffnet nicht nur immer neue Geschäftsmöglichkeiten – von den unzähligen Innovationen der vergangenen Jahre profitieren alle Gründer, weil es viele Dinge einfacher und kostengünstiger macht.

Zum Einstieg geht es um einen realistischen Blick auf die Selbstständigkeit: Was bleibt von der freien Zeiteinteilung? Wie sieht es mit den Finanzen aus? Kriegt man als Selbstständiger wirklich Beruf und Familie leichter unter einen Hut? Und trägt meine Idee tatsächlich ein Unternehmen? Kurz: Es ist eine erste Orientierung für alle, die schon länger mit dem Gedanken spielen, ihr eigener Chef zu werden. Los geht’s!

Sein eigener Chef sein – ja oder nein?

Man kann nicht behaupten, dass die Deutschen eine Nation der Selbstständigen sind. Ganz im Gegenteil: Die meisten Menschen hierzulande schreckt es eher ab, ihr eigener  Chef zu werden. Laut einer Studie des Statistikunternehmens Statista können es sich 75 Prozent der Deutschen nicht vorstellen, sich selbstständig zu machen.  Zwei Drittel davon antworten sogar mit „ganz sicher nicht“. 14 Prozent können sich eher vorstellen sich selbständig zu machen, nur drei Prozent ganz sicher.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Selbstständigkeit sehr anstrengend sein kann und viel Arbeit bedeutet. Es werden einem immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt und man erlebt Überraschungen, auf die man gerne verzichtet hätte. Wer nur aus einer Notlage heraus und nicht aus Überzeugung gründet, dem geht deshalb oft schnell die Luft aus beziehungsweise der Spaß an der Arbeit verloren.

Bleibt die Frage: Weshalb überhaupt selbstständig machen, wenn das Angestelltendasein doch wesentlich bequemer und sicherer ist? Ganz einfach: Weil es unheimlich Spaß macht, wenn das eigene kleine Unternehmen ins Laufen kommt, wenn die eigene Idee fuktioniert und man seine eigenen Vorstellungen umsetzen kann.

Erfolg mit Plan

Eine umfassende Vorbereitung ist für Gründer Pflicht – Überraschungen gibt es ohnehin noch genug. Foto: panthermedia.net/ginasanders

Viele Gründer starten mit jeder Menge Euphorie in die Selbstständigkeit – und häufig offenbar auch mit einer ordentlichen Portion Blauäugigkeit. Anders lässt es sich sonst kaum erklären, dass nach einer Studie der KfW-Bankengruppe und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schon in den ersten fünf Geschäftsjahren rund 40 Prozent der neuen Firmen wieder vom Markt verschwinden. Knapp zehn Prozent der Unternehmen müssen sogar in den ersten fünf Geschäftsjahren Insolvenz anmelden.

Weitere Gründe, das eigene Geschäft wieder zu schließen:

  • die Einkommenserwartungen haben sich nicht erfüllt
  • die Anforderungen an das Privat- und Familienleben wurden unterschätzt
  • es zeichnet sich ab, dass die eigene Geschäftsidee kein Unternehmen trägt

Diese Erkenntnisse zeigen klar: Gründer brauchen einen guten Plan, sonst machen sie ganz schnell eine Bauchlandung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Menschen, die einfach losgelegt haben und damit richtig erfolgreich geworden sind. Aber in der Regel steckt hinter einem erfolgreichen eigenen Unternehmen neben einer tragfägigen Idee eine umfassende Vorbereitung.

Ideen sammeln – viele Quellen anzapfen

Bei der Planung hilft es, sich Unterstützung von außen zu holen und sich immer wieder Feedback zu seinen Ideen zu holen. Hilfe gibt es einerseits von professionellen Einrichtungen: etwa bei der örtlichen Handelskammer, in Gründerzentren oder bei einem Gründercoach. Außerdem gibt es staatlich geförderte Gründer-Seminare, für die Ihr nur sehr wenig zuzahlen müsst. Viele Institutionen bieten mittlerweile auch Online-Services an, bei denen Ihr über das Netz gecoacht werdet.

Überhaupt ist das Internet natürlich eine wichtige Informationsquelle für alle Gründer in spe – wer lange genug sucht, findet so gut wie alle wichtigen Informationen zu Businessplänen, Versicherungsfragen, Akquise-Tipps und und und. Wichtig ist dabei darauf zu achten, ob die Informationen wirklich seriös sind und vor allem, was noch aktuell ist. Denn gerade bei Förderprogrammen gibt es laufend Änderungen – was 2010 noch galt, kann es 2013 schon nicht mehr geben.

Ebenfalls wichtig ist das persönliche Umfeld: Wenn Ihr Selbstständige in Eurem Freundeskreis habt, nutzt diese Chance unbedingt. Welche Tipps haben Euren Freunden geholfen? Welche Fehler haben Sie gemacht? Können Sie Euch Kontakte empfehlen? Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Wie lange hat es gedauert, bis das Unternehmen in den schwarzen Zahlen war?

Diskutiert auf jeden Fall auch Eure Geschäftsidee mit Freunden, die Ahnung vom Wirtschaftsleben haben, die Kosten und Risiken einschätzen können – und seid offen für Kritik. Man selber ist von seiner Idee oft komplett überzeugt. Andere sehen es nüchternen und erkennen die Schwächen. Im Prinzip gilt hier genau das gleiche wie für die Suche nach einem neuen Domainnamen, über die wir hier im Blog ja schon häufiger geschrieben haben: Bleibt mit Eurer Idee nicht zulange allein im stillen Kämmerchen, sondern probiert sie aus. Stellt Sie zum Beispiel der potenziellen Zielgruppe vor: Hat sie Interesse? Gibt es Bedarf oder wird müde abgewinkt?

Viele Startups müssen ihre Ursprungsidee immer wieder korrigieren, vielleicht sogar ganz davon abgehen und sich komplett neu ausrichten. Wer flexibel ist, Trends aufnimmt und immer wieder dazulernt, hat bessere Chancen am Markt zu bestehen als ein Gründer, der sein Konzept ohne Wenn und Aber durchsetzen möchte, weil er so an seiner Idee hängt.

Damit die Rechnung stimmt: Die realistische Selbsteinschätzung

Einzelkämpfer oder Teamplayer? Auch das ist ein wichtiger Faktor, wenn es um die Selbstständigkeit geht. Foto: panthermedia.net
Arne Trautmann

Wie die schon zitierte KfW-Studie zeigt, werfen viele Gründer aus persönlichen Gründen das Handtuch: Das Geschäft bringt zu wenig ein und kostet oft gleichzeitig zu viel Zeit und Energie, die an anderer Stelle fehlt. Die Rechnung geht also nicht auf. Fakt ist, dass auch mit einem guten Business-Plan die Dinge schief laufen können, weil alles anders kommt, als man denkt.

Eines der ersten Dinge, dass Ihr tun solltet, wenn Ihr mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, ist deshalb, alle Zahlen und Fakten offen und ehrlich auf den Tisch zu packen:

Wie viel Geld braucht Ihr jeden Monat? Schaut auf die Kontoauszüge der letzten Monate, listet alle regelmäßigen Posten auf und ergänzt, was darüber hinaus noch an Kosten dazu kommt.

  • Welche Kosten kommen mit der Selbstständigkeit auf Euch zu? Am Anfang stehen in jedem Fall erst einmal Investitionen (technische Ausrüstung, eigener Webauftritt, Marketing, Büros/Geschäftsräume, Waren etc.). Zudem müsst Ihr Euch unter anderem selber krankenversichern und für das Alter vorsorgen.
  • Wie groß ist Euer finanzielles Polster? Wie lange könnt Ihr von Euren Ersparnissen leben? Gibt es Förderungen, die Ihr in Anspruch nehmen könnt? Macht Euch vielleicht eine Abfindung aus Eurem alten Job den Start leichter?
  • Wie sieht Euer Zeitbudget für die Gründung aus? Viele Selbstständige stecken in der Anfangszeit 60 bis 80 Stunden pro Woche in ihr Unternehmen. Wer eine Familie hat, muss abklären, ob Partner und Kinder diese Belastung mittragen – oder entsprechend weniger Arbeitszeit einplanen. Was umgekehrt heißt: Alles kann etwas länger dauern und vermutlich kommt auch weniger Geld in die Kasse (das ist ja bei einem Teilzeitjob nicht anders).
  • Wie stabil seid Ihr? Haltet Ihr Unsicherheiten gut aus? Könnt Ihr mit Stress einigermaßen umgehen? Wie meistert Ihr die Doppelbelastung Beruf und Familie? Gibt es ein Netzwerk, auf das Ihr bei Bedarf zurückgreifen könnt?

Diese Bestandsaufnahme ist die Basis, um konkreter planen zu können. Wenn alle Voraussetzungen stimmen: Herzlichen Glückwunsch! Alle anderen: Bloß nicht gleich aufgeben, lieber in kleinen Schritten an den Traum heran arbeiten. Etwa wenn es um das Thema Geld geht. Es gibt monatliche Posten, an denen sich nichts ändern lässt. Es gibt aber auch eine ganze Menge Sachen, die sind Luxus und für Gründer erstmal verzichtbar. Das gilt auch für die Kosten, die durch die Selbstständigkeit entstehen. Manche Posten (etwa die Krankenversicherung) sind ein Muss. Aber braucht Ihr unbedingt von Anfang an ein eigenes Büro? Vielleicht könnt Ihr zu Beginn ja auch von Zuhause aus arbeiten oder Euch einen Büroplatz stundenweise mieten (dazu in einem separaten Beitrag mehr).

Beim Thema Zeitaufwand gibt es ebenfalls Alternativen, über die Ihr zumindest mal nachdenken solltet. Zum Beispiel könntet Ihr mit anderen zusammen im Team statt als Alleinkämpfer gründen. Gibt es Leute, mit denen Ihr gerne gemeinsam etwas aufbauen möchtet? Klar, dass zieht ganz viele Fragen und garantiert auch das ein oder andere Problem nach sich, aber es lastet – wenn alles gut läuft – auch nicht die gesamte Arbeit und Verantwortung allein auf Euren Schultern. Auch damit werden wir uns im Rahmen der Serie auf jeden Fall noch mal ausführlicher beschäftigen.

Zum Abschluss von Teil eins hier noch eine kurze Checkliste:

  • Aus welcher Motivation heraus wollt Ihr Euch selbstständig machen? Ist es nur Frust im bisherigen Job oder habt Ihr wirklich eine Idee oder sogar Vision, wo es hingehen soll?
  • Macht Euch einen Plan: Was erwartet Ihr Euch von Eurer Gründung (in unterschiedlichster Hinsicht)?
  • Ehrliche Bestandsaufnahme: Wie sehen Eure Voraussetzungen als Unternehmer aus? Woran müsst Ihr noch arbeiten?
  • Wie steht es mit den Finanzen? Könnt Ihr Euch eine Gründung leisten?
  • Alleine oder im Team: Könnt Ihr es als Einzelkämpfer schaffen oder braucht Ihr andere, um Eure Idee umzusetzen?
  • Und: Ist Eure wirklich gut, einzigartig und erfolgversprechend oder findet nur Ihr sie so absolut umwerfend?
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Ein Gedanke zu „Selbstständig machen (Teil 1): Kann ich überhaupt Chef sein?

  1. Man sollte vor der Selbstständigkeit noch die Vorteile der Arbeitslosigkeit nutzen. Das Amt gewährt Workshops, die einem im späteren Beruf helfen können. Als Selbstständiger sollte man am Zeitmanagement und der eigenen Rethorik feilen. Dafür gibt es Workshops. Das hab ich zwar zu spät gelernt, aber dennoch die Workshops besucht. Die TAW zum Beispiel bietet solche an.
    Außerdem sollte man Social Medias schon von Anfang an nutzen, um bekannt zu werden. Fanpages bitten, über die eigene „Firma“ zu schreiben. Oft ist das kostenlose Werbung, die sich lohnt!

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