Schuhe sammeln ohne Ende: Pinterest – Liebling aller Surferinnen

Der Klassiker: Ich suche etwas im Internet und entdecke dabei per Zufall etwas ganz Tolles/Interessantes/Neues. Aber weil ich ja eigentlich auf der Suche nach etwas anderem war, denke ich mir: „Merk’s dir für später“ und surfe weiter.

Ein paar Stunden/Tage/Wochen später fällt mir das Tolle/Interessante/Neue dann wieder ein – nur leider nicht mehr, wo ich es im Netz gefunden habe. Und wenn man sich dann nicht mal mehr an Namen oder ähnliches erinnern kann, helfen Suchmaschinen auch nicht viel.

Ich scheine nicht die einzige zu sein, der es häufiger so geht, denn sonst wäre Pinterest vermutlich nicht so erfolgreich. Pinterest ist ein visueller Bookmarking-Dienst. Oder einfacher ausgedrückt: Pinterest bietet allen Vergesslichen eine Art Pinnwand im Netz. Registrierte User können sich einen pin it-Button in ihrer Leseleiste anlegen und müssen dann beim Surfen nur noch klicken, sobald es interessant wird. Abgelegt werden die Fundstücke auf Boards, die zu den unterschiedlichsten Themen angelegt werden können.

Den Machern des kalifornischen Start-ups ist damit ein Kunststück gelungen, um das sie viele beneiden: Hier sind vor allem Frauen aktiv. Männer werden zwischen tausenden von Pins zu Mode, Kosmetik, Handarbeiten, Traumurlaubszielen und ebensolchen Häusern kaum gesichtet. Warum? Vermutlich haben Männer einfach nicht das Bedürfnis, hundert Inspirationen für eine neue Küche zu sammeln. Oder für das anstehenden Frühjahrs-Shopping.

 

Frauen dagegen können hier einfach mal Schuhe, Klamotten und jede Menge sinnlosen Kram sammeln, ohne dass er die Wohnung verstopft – ist ja alles fein säuberlich auf Boards geordnet.

Diese Boards sind nicht nur persönliche Erinnerungslisten, sondern für die gesamte Pinterest-Gemeinde einsehbar. Und jeder, der Deinen Pin gut findet, kann draufklicken und ihn re-pinnen.

Und genau da liegt das Problem, zumindest in Deutschland. Gerade noch das Ding der Stunde, droht Pinterest jetzt ein massiver Nutzerschwund.  Denn der Hype rief wie so oft mal wieder die Abmahnanwälte auf den Plan – und für die ist Pinterest ein gefundenes Fressen.

Anlass sind die Bilder, die auf Pinterest täglich millionenfach geteilt werden: Eigentlich dürften nach deutschem Urheberrecht nur Fotos gepinnt werden, die unter einer  Creative-Commons-Lizenz stehen. Für alle anderen muss die Erlaubnis des Urhebers eingeholt werden – was das Pinnen so gut wie unmöglich macht.

Wer trotzdem pinnt, begeht damit einen Urheberrechtsverstoß, für den er abgemahnt werden kann. Bei den ersten Nutzern sollen bereits entsprechende Briefe eingetroffen sein. Viele der deutschen Pinterest-Fans haben daraufhin begonnen, ihre Boards zu löschen.

Im Prinzip ist es natürlich wichtig, dass die Rechte der Urheber gewahrt bleiben. Es ist ärgerlich, wenn jemand im Netz Eure Ideen, Texte und Fotos klaut und damit Geld machen will. Aber eben darum geht es den Pinterest-Usern ja nicht. Im Gegenteil – durch Pins und Boards werden ja viele Produkte, Designs oder Bilder und damit auch der Urheber erst richtig bekannt. Ein schöner Kompromiss, der Pinterest-Nutzer wieder etwas ruhiger schlafen lassen würde, wäre eine Fair-use-Regelung nach US-amerikanischem Vorbild: Solange geteilte bzw. gepinnte Bilder nicht für den eigenen Profit missbraucht werden, ist das Teilen im Netz erlaubt. Oder findet Ihr die strenge deutsche Regelung besser?

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